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Nachhaltiges Investmentbeispiel 1: Bild von Succo von Pixabay

Nachhaltiges Investmentbeispiel 1

Nachhaltiges Investmentbeispiel 1: Bild von Pixabay von Succo

Sehr gute SDG-Vereinbarkeit

AMN Healthcare ist ein Personaldienstleistungsunternehmen mit Fokus auf das Gesundheitswesen der Vereinigten Staaten von Amerika. Etwa zwei Drittel des Geschäfts entfallen auf den Bereich Zeitarbeit in der Krankenpflege, das andere Drittel auf die Vermittlung von Ärzten und technologiegestützte Arbeitsplatzlösungen. Damit erfüllt AMN meinen wichtigsten Nachhaltigkeitsanspruch, nämlich Services bzw. Produkte zu liefern, die möglichst gut im Einklang mit den Nachhaltigen Entwicklungszielen der Vereinten Nationen (SDG) stehen. Im Fall von AMN sind das die Ziele Gesundheit (3) sowie Menschenwürdige Arbeit und Wirtschaftswachstum (8). Der von mir genutzte Nachhaltigkeitsanbieter Clarity.ai sieht die Umsätze von AMN als zu >90% mit den SDG vereinbar an.

Sehr geringe ESG-Risiken (in: Nachhaltiges Investmentbeispiel 1)

Auch meine zweite wichtige Nachhaltigkeitsanforderung wird sehr gut erfüllt. Die aktuellen Umwelt-, Sozial- und Unternehmensführungsratings liegen alle über 60 von 100. Dabei nutze ich einen Best-in-Universe-Ansatz, d.h. ich vergleiche AMN mit den tausenden anderen von Clarity.ai gerateten Unternehmen. Diese Ratings sind durch die Nutzung von künstlicher Intelligenz sehr aktuell und beinhalten auch Informationen über alle bekannten sogenannten Incidents bzw. Kontroversen, die sich potenziell negativ auf die ESG-Ratings auswirken können. Außerdem kenne ich keine AMN-Aktivitäten, die auf meiner zahlreiche Null-Toleranz-Ausschlüsse umfassenden Liste stehen. Auch andere unerwünschte Aktivitäten, die nicht explizit ausgeschlossen werden, sind mir nicht bekannt.

Offen für Shareholder Engagement

Anfang 2023 habe ich erstmals mit AMN direkt kommuniziert und zunächst nach mir fehlenden Nachhaltigkeitsinformationen gefragt. Die Nachfrage wurde schnell und befriedigend beantwortet. Im Nachgang habe ich AMN dazu angeregt, ihre GHG Scope 3 Emissionen umfassend zu veröffentlichen, was bereits geplant war und inzwischen auch geschehen ist. Außerdem habe ich angeregt, Mitarbeiter und Kunden umfassend in Bezug auf ESG zu befragen und Lieferanten ebenso zu bewerten. Grundsätzlich scheint AMN offen für solche Anregungen zu sein. Ich erwarte aber keine schnelle Umsetzung meiner Vorschläge.

Gute Portfolioergänzung (in: Nachhaltiges Investmentbeispiel 1)

AMN hat seinen Hauptsitz, die Börsennotiz und den Zielmarkt in den USA und die USA gehören zu den 40% der Länder, die meine Gesetzmäßigkeitsanforderung erfüllt. In der Vergangenheit gab es mit Manpower noch ein zweites Arbeitsvermittlungs- bzw. Zeitarbeitsunternehmen aus den USA in meinem Portfolio. Solche Unternehmen schaffen Arbeitsplätze und ermöglichen den Wechsel in attraktive Vollzeitarbeitsstellen bei ihren Kunden. Außerdem ermöglichen sie ihren Kunden, flexibler zu sein, als wenn sie Mitarbeiter direkt fest anstellen müssten. Allerdings werden Zeitarbeitsunternehmen auch kritisiert, weil ihre Kunden durch Nutzung von Zeitarbeit vielleicht weniger Stellen schaffen oder Personalkosten senken wollen. Ich habe mir wissenschaftliche Arbeiten zu dem Thema angesehen, aber keine allgemeingültigen Aussagen dazu gefunden.

Beim Start meines Fonds im August 2021 (vgl. My fund – Responsible Investment Research Blog (prof-soehnholz.com)) habe ich Zeitarbeit bzw. Arbeitsvermittlung noch als grundsätzlich SDG-kompatibel eingeschätzt. Seite Ende 2023 nutze ich ausschließlich die neu verfügbaren SDG-Umsatzschätzungen meines Nachhaltigkeitsdatenanbieters. Dieser schätzt diese Branche nicht als generell SDG-kompatibel ein. AMN wird dagegen als zu >90% SDG-vereinbar klassifiziert, weil es ausschließlich Services für die Gesundheitsbranche erbringt. Die Aktien von Manpower wurden deshalb aus dem Fonds genommen, während AMN im Fonds bleiben durfte. Mit einer Marktkapitalisierung von aktuell etwa 2 Milliarden Euro passt AMN gut zu den anderen fokussierten aber gering kapitalisierten Unternehmen im Portfolio.

Schlechte Performance der Aktie beeinträchtigt die Portfolioperformance kaum

AMN ist eines der im aktuellen Portfolio wenigen Beispiele, welches trotz sehr guter Nachhaltigkeitsbeurteilungen seit der Aufnahme ins Portfolio eine sehr schlechte Performance zeigt. So beträgt die Allokation statt der grundsätzlich angestrebten 3,3% Gleichgewichtung aktuell nur noch 2,5%, denn seit Ende 2023 ist der Kurs der Aktie sogar um über 50% gefallen. Das bedeutet, dass AMN trotz der hohen Nachhaltigkeit bei der nächsten turnusgemäßen Aktienselektion nicht wieder ins Portfolio aufgenommen wird.

Bei dem Unternehmen, das ich meinem nächsten Beitrag beschreiben werde, ist das zum Glück ganz anders. Und insgesamt hat der von mir beratene Fonds seit der Auflage im August 2021 eine ähnliche Performance wie andere globale Small- und Midcapfonds (vgl. z.B. Fonds-Portfolio: Mein Fonds | CAPinside). In den letzten Monaten ist die Performance sogar deutlich besser als die der traditionellen Peergroup. Wie in einem meiner letzten Blogbeiträge bietet der Fonds damit bisher einen „Free Lunch“ in Bezug auf Nachhaltigkeit: Man erhält ein besonders konsequent nachhaltiges Portfolio mit Small- und Midcap-typischen Renditen und Risiken (vgl. Free Lunch: Diversifikation nein, Nachhaltigkeit ja? – Responsible Investment Research Blog (prof-soehnholz.com).

Disclaimer

Dieser Beitrag ist von der Soehnholz ESG GmbH erstellt worden. Die Erstellerin übernimmt keine Gewähr für die Richtigkeit, Vollständigkeit und/oder Aktualität der zur Verfügung gestellten Inhalte. Die Informationen unterliegen deutschem Recht und richten sich ausschließlich an Investoren, die ihren Wohnsitz in Deutschland haben. Sie sind nicht als Verkaufsangebot oder Aufforderung zur Abgabe eines Kauf- oder Zeichnungsangebots für Anteile der/s in dieser Unterlage dargestellten Aktie/Fonds zu verstehen und ersetzen nicht eine anleger- und anlagegerechte Beratung. Anlageentscheidungen sollten nur auf der Grundlage der aktuellen gesetzlichen Verkaufsunterlagen (Wesentliche Anlegerinformationen, Verkaufsprospekt und – sofern verfügbar – Jahres- und Halbjahresbericht) getroffen werden, die auch die allein maßgeblichen Anlagebedingungen enthalten. Die Verkaufsunterlagen des Fonds werden bei der Kapitalverwaltungsgesellschaft (Monega Kapitalanlagegesellschaft mbH), der Verwahrstelle (Kreissparkasse Köln) und den Vertriebspartnern zur kostenlosen Ausgabe bereitgehalten. Die Verkaufsunterlagen sind zudem im Internet unter www.monega.de erhältlich. Die in dieser Unterlage zur Verfügung gestellten Inhalte dienen lediglich der allgemeinen Information und stellen keine Beratung oder sonstige Empfehlung dar. Die Kapitalanlage ist stets mit Risiken verbunden und kann zum Verlust des eingesetzten Kapitals führen. Vor einer etwaigen Anlageentscheidung sollten Sie eingehend prüfen, ob die Anlage für Ihre individuelle Situation und Ihre persönlichen Ziele geeignet ist. Diese Unterlage enthält ggf. Informationen, die aus öffentlichen Quellen stammen, die die Erstellerin für verlässlich hält. Die dargestellten Inhalte, insbesondere die Darstellung von Strategien sowie deren Chancen und Risiken, können sich im Zeitverlauf ändern. Einschätzungen und Bewertungen reflektieren die Meinung der Erstellerin zum Zeitpunkt der Erstellung und können sich jederzeit ändern. Es ist nicht beabsichtigt, diese Unterlage laufend oder überhaupt zu aktualisieren. Sie stellt nur eine unverbindliche Momentaufnahme dar. Die Unterlage ist ausschließlich zur Information und zum persönlichen Gebrauch bestimmt. Jegliche nicht autorisierte Vervielfältigung und Weiterverbreitung ist untersagt.

Impactaktien: FutureVest Fondsportfolio April 2024

Impactaktien-Portfolio mit 80% SDG-Vereinbarkeit?

Impactaktien: Dauerhaft haben aktive Fonds meist schlechtere Performances als adäquate passive Benchmarks. Outperformanceversprechen sind deshalb wenig glaubhaft. Aber den meisten Untersuchungen zufolge, kann man mit nachhaltigen Aktien eine marktübliche Performance erreichen. Ich versuche deshalb, aus besonders nachhaltigen Aktien ein attraktives Portfolio mit marktüblicher Performance zu machen.

Dafür nutze ich klare Regeln, die vor allem aus Ausschlüssen, hohen Anforderungen an Best-in-Universe Umwelt-, Sozial- und Unternehmensführungs- (E, S und G) Ratings und hohen Vereinbarkeiten mit den nachhaltigen Entwicklungszielen der Vereinten Nationen (SDG) bestehen (vgl. Regeländerungen: Nachhaltig aktiv oder passiv? (prof-soehnholz.com). Die SDG-Vereinbarkeit soll sicherstellen, dass die selektierten Unternehmen eine positive Wirkung auf Umwelt oder Soziales (Impact) haben.

Impactaktien: Klare Regeln und marktübliche Performance

Seit dem Start meiner Firma Ende 2015 nutze und veröffentliche ich klare Regeln für meine Portfolios. Das hier diskutierte globale ESG SDG Portfolio habe ich Ende 2017 eingeführt. Fast alle Regeln beziehen sich auf die Aktienselektion. Für die Portfoliobildung gibt es nur zwei relevante Regeln. Erstens: Direkte Wettbewerber mit dem Hauptsitz im selben Land sind ausgeschlossen, nur für die USA darf aufgrund der Größe des Marktes zwei Wettbewerber zugelassen. Und zweitens: Alle Aktien werden annähernd gleich gewichtet. Andere Portfolioentwickler, z.B. von Indexfonds, und Portfoliomanager nutzen meistens auch Vorgaben vor allem in Bezug auf Mindest- und Maximalgrenzen für Länder- und Branchenallokationen.

Seit dem Start performt mein Portfolio – vereinfacht zusammengefasst – ähnlich wie traditionelle Small- und Midcap-Aktien.

Unternehmens-Impact: 30 Spezialisten im Portfolio

Von den 30 Unternehmen, deren Aktien aktuell in meinem ESG SDG Fondsportfolio sind, haben 11 ihren Hauptsitz in den USA. Das ist weniger als in der Vergangenheit und erheblich weniger als der US-Anteil von Vergleichsindizes. 17 sind Unternehmen aus dem Gesundheitssektor bzw. können dem SDG 3 zugeordnet werden. Das ist viel mehr als bei anderen Small-/Mid-Cap-Portfolios und auch als in den meisten anderen Impactportfolios. Der Gesundheitssektor wird jedoch durch Unternehmen mit sehr unterschiedlichen Schwerpunkten abgedeckt (siehe Grafik). Die Schwerpunkte der einzelnen Unternehmen sind: Gesundheitspersonal, Schutzhandschuhe, Labortechnik, Hörgeräte, Strahlentherapie, Krebsvorsorge, Radiologiesoftware, Grüner Star, Dental, Örthopädie, Gesundheitssoftware (B2B), Medizinische Bildgeneration, Krankenhäuser, Krankenhausservices, Apotheken, biologische Arzneiservices, und Organtransplantationsprodukte.

Acht Unternehmen sind auf Umwelt- und Energiethemen (SDG 6 und 7) fokussiert: Energiemanagement, Windenergieanlagen, Solartechnik, Solarstrom, Wasserversorgungstechnik, Wassermessgeräte, Profi-Waagen.

Weitere fünf Unternehmen können dem Segment öffentlicher Transport bzw. nachhaltige Städte und Infrastruktur (SDG 9 und 11) zugeordnet werden: Schienenfahrzeugteile, Schienenfahrzeuge, Bushersteller, Öffentlicher Transport, Telekommunikation Afrika.

Ungefähr zwei Drittel der Unternehmen haben Marktkapitalisierungen unter 5 Milliarden Euro und sind damit ziemlich niedrig kapitalisiert (Small Caps). Die restlichen Unternehmen sind mittelgroß (Mid Caps). Das ist wenig verwunderlich, denn spezialisierte Unternehmen sind einfacher höchstmöglich SDG-kompatibel und bieten weniger „Ausschluss-Aktivitäten“ an. Größere Unternehmen sind dagegen oft diversifizierter und damit auch in nicht SDG- bzw. Ausschluss-Aktivitäten involviert.

Ich habe nur wenige dieser Unternehmen in anderen Impactfonds gefunden. Das liegt einerseits wohl daran, dass es wenige vergleichbare Fonds gibt, denn viele Impactfonds sind nur auf ökologische Themen oder regional fokussiert. Andererseits sind die Aktienselektionskriterien anderer Impactfonds nennenswert anders als meine (vgl. Globale Small-Caps: Faire Benchmark für meinen Artikel 9 Fonds? – Responsible Investment Research Blog (prof-soehnholz.com)).

Impactaktien: Wieso sind gerade diese Unternehmen im Portfolio?

Als ich das Portfolio 2017 gestartet habe, hatte ich noch keine guten Daten, um Vereinbarkeiten mit den SDG zu prüfen. Deshalb habe ich Unternehmen vor allem aufgrund ihrer Zugehörigkeit zu Marktsegmenten mit einem vermuteten positiven ökologischen oder sozialen Impact ausgesucht, namentlich Gesundheit, erneuerbare und elektrische Energien, Schienen-, Wasser- und Telekommunikationsinfrastruktur, Recycling, Umwelttechnik, Wohn- und Sozialimmobilien, Arbeitsvermittlung sowie Aus- und Fortbildung.

Seit Ende 2023 bietet mein Nachhaltigkeitsdatenanbieter Clarity.ai für die sehr vielen von ihm abgedeckten Unternehmen eine SDG-Umsatzanalyse an. Seitdem nehme ich nur noch Unternehmen neu ins Portfolio auf, deren Umsätze zu mindestens 50% als SDG-vereinbar gelten.

Allerdings habe ich zunächst Unternehmen im Portfolio gelassen, bei denen meine aktivitätsbasierten Einschätzungen von der Umsatzanalyse des Ratinganbieters abwichen. Das betraf vor allem Unternehmen mit Fokus auf Wohn- und Sozialimmobilien sowie Zeitarbeit bzw. Arbeitsvermittlung. Nach einigen intensiven Diskussionen mit dem Ratinganbieter kann ich dessen Argumentationen besser nachvollziehen und habe deshalb inzwischen alle Aktien verkauft, die nach dessen Berechnung nicht mindestens 45% SDG-kompatiblen Umsatz haben. Insgesamt haben meine 30 Portfoliounternehmen aktuell etwa 80% SDG-kompatible und 0% SDG-schädliche Umsätze.

Aktuell prüfe ich, wann ich die individuelle Mindestgrenze weiter hochsetzen kann. Dabei sind 50% bzw. sogar 75% relativ einfach erreichbar und für Ende des Jahres 2024 strebe ich sogar 90% Mindest-SDG-Vereinbarkeit an.

Mein Unternehmens- und Investor-Impact: Ausblick

Ich erwarte, dass es auch künftig bei der Konzentration meines Portfolios auf Gesundheit, Energie/Umwelt und Transport/Infrastruktur bleiben wird. Die Länderallokation wird weiter schwanken, aber die USA gegenüber traditionellen Benchmarks eher unterrepräsentiert sein. Außerdem erwarte ich auch künftig einen klaren Small-Cap-Fokus. Ich bin zuversichtlich, dass Risikokennzahlen wie zwischenzeitliche Verluste und Volatilität trotzdem marktüblich ausfallen werden, denn Gesundheit gilt als defensiver Sektor.

Insgesamt bin ich sehr von den Aktivitäten der Unternehmen angetan, die in meinem Portfolio sind. Diese Unternehmen können das Leben von Menschen wirklich positiv beeinflussen (Unternehmens-Impact). Ich bin froh, dass ich fast mein ganzes Vermögen in Unternehmen aus so attraktiven Marktsegmenten investieren kann.

Allerdings können – trotz meiner hohen Selektionsanforderungen – auch diese Unternehmen noch nachhaltiger werden. Das versuche ich durch meine umfassenden Engagementaktivitäten bei aktuell 27 von 30 Unternehmen voranzubringen (vgl. „Nachhaltigkeitsinvestmentpolitik“ und „Engagementreport“ auf www.futurevest.fund).

Diese Aktivitäten sind vor allem auf Umwelt-, Sozial- und Governanceverbesserungen der Unternehmen und ihrer Stakeholder ausgerichtet. Es kann aber kaum erwartet werden, dass die Produkte oder Services meiner Portfoliounternehmen durch meine Aktivitäten (noch) besser werden.

Ob die Unternehmen bzw. ich als Investor künftig (noch) mehr Impact haben werden, ist zudem nur schwer sinnvoll messbar. Viel mehr als 90% SDG-Vereinbarkeit sind kaum zu erreichen. Mehr Unternehmens-Impact kann nur dann erzielt werden, wenn die Unternehmen wachsen. Mehr Investor-Impact ist theoretisch einfacher. Dafür müssen mehr Portfoliounternehmen mehr von meinen Vorschlägen implementieren. Daran werde ich weiter intensiv arbeiten.

Impactaktien: Disclaimer

Diese Unterlage ist von der Soehnholz ESG GmbH erstellt worden. Die Erstellerin übernimmt keine Gewähr für die Richtigkeit, Vollständigkeit und/oder Aktualität der zur Verfügung gestellten Inhalte. Die Informationen unterliegen deutschem Recht und richten sich ausschließlich an Investoren, die ihren Wohnsitz in Deutschland haben. Sie sind nicht als Verkaufsangebot oder Aufforderung zur Abgabe eines Kauf- oder Zeichnungsangebots für Anteile des in dieser Unterlage dargestellten Fonds zu verstehen und ersetzen nicht eine anleger- und anlagegerechte Beratung. Anlageentscheidungen sollten nur auf der Grundlage der aktuellen gesetzlichen Verkaufsunterlagen (Wesentliche Anlegerinformationen, Verkaufsprospekt und – sofern verfügbar – Jahres- und Halbjahresbericht) getroffen werden, die auch die allein maßgeblichen Anlagebedingungen enthalten. Die Verkaufsunterlagen werden bei der Kapitalverwaltungsgesellschaft (Monega Kapitalanlagegesellschaft mbH), der Verwahrstelle (Kreissparkasse Köln) und den Vertriebspartnern zur kostenlosen Ausgabe bereitgehalten. Die Verkaufsunterlagen sind zudem im Internet unter www.monega.de erhältlich.

Die in dieser Unterlage zur Verfügung gestellten Inhalte dienen lediglich der allgemeinen Information und stellen keine Beratung oder sonstige Empfehlung dar. Die Kapitalanlage ist stets mit Risiken verbunden und kann zum Verlust des eingesetzten Kapitals führen. Vor einer etwaigen Anlageentscheidung sollten Sie eingehend prüfen, ob die Anlage für Ihre individuelle Situation und Ihre persönlichen Ziele geeignet ist. Diese Unterlage enthält ggf. Informationen, die aus öffentlichen Quellen stammen, die die Erstellerin für verlässlich hält. Die dargestellten Inhalte, insbesondere die Darstellung von Strategien sowie deren Chancen und Risiken, können sich im Zeitverlauf ändern. Einschätzungen und Bewertungen reflektieren die Meinung der Erstellerin zum Zeitpunkt der Erstellung und können sich jederzeit ändern. Es ist nicht beabsichtigt, diese Unterlage laufend oder überhaupt zu aktualisieren. Sie stellt nur eine unverbindliche Momentaufnahme dar. Die Unterlage ist ausschließlich zur Information und zum persönlichen Gebrauch bestimmt. Jegliche nicht autorisierte Vervielfältigung und Weiterverbreitung ist untersagt.

Regeländerungen: Grafik zeigt die 3 Basis Investmentphilosophien

Regeländerungen: Nachhaltig aktiv oder passiv?

Regeländerungen: Viele Untersuchungen zeigen, dass aktiv gemanagte Portfolios typischerweise schlechter rentieren als passive (z.B. ETFs). Bei der Gründung meines Unternehmens im Jahr 2016 wollte ich deshalb nur ETFs nutzen. Allerdings habe ich weder 2016 noch heute genug ETFs gefunden, die mir persönlich nachhaltig genug sind. Deswegen habe ich besonders nachhaltige Aktien-Modellportfolios entwickelt und biete inzwischen auch einen darauf aufbauenden Investmentfonds an. Die Portfolios und der Fonds sind regelbasiert, aber nicht passiv.

Man kann jede Regel diskutieren. Vor allem mein Postulat, dass ich Regeln verändern können möchte, wird manchmal kritisch hinterfragt. In diesem Beitrag erkläre ich, warum und wie ich meine Regeln seit dem Start meiner ersten Environmental-, Social-, Governance- (ESG) und Sustainable Development Goal (SDG) Portfolios verändert habe (detaillierte Dokumentationen dazu siehe Das Soehnholz ESG und SDG Portfoliobuch und ältere Versionen im Archiv – Soehnholz ESG).

Transparent- oder intransparent regelbasiert?

Ich bin schon lange ein Fan regelbasierter Investments (vgl. z.B. Investmentfondsselektion: Regeltransparenz nach Vorne (prof-soehnholz.com)). Anders als bei diskretionär aktiv gemanagten Portfolios kann man anhand von Regeln viel besser verstehen, wie sich Portfolios verhalten. Dafür müssen die Regeln und – für die Nachvollziehbarkeit auch die Informationen, die den Regeln zugrunde liegen -transparent und einfach zugänglich sein. Eine Regel kann beispielsweise lauten, dass eine Aktie bei einem schlechten unternehmensinternen ESG-Rating verkauft werden muss. Für Unternehmensexterne ist das wenig transparent.

Ähnliches gilt für die Nutzung von Prognosen, die sich oft schon bei kleinen Inputänderungen stark verändern können und die meistens von Externen nur schwer nachvollziehbar sind.

Wenn die Regel aber lautet, dass immer die 30 Aktien von den Unternehmen mit der monatlich gemessenen höchsten Marktkapitalisierung im Portfolio sind, dann ist das ziemlich transparent.

Weder aktiv noch passiv?

Zwischen aktiv und passiv gibt es viele Zwischenformen. So sind aktiv gemanagte Fonds, die sich eng an Indizes orientieren, in Bezug auf ihre Portfolios oft kaum von passiven Indextrackern zu unterscheiden. Und manche quantitativ orientierten aktiven Investmentmanager vermarkten sich als regelbasiert. Deren Regeln werden aber meistens nicht transparent offengelegt. Vielfach sind auch die für die Regeln genutzten Daten nicht einfach durch Externe prüfbar (Blackboxes).

Selbst wenn Regeln offengelegt werden, sind sie oft sehr komplex und wenig robust, wie das bei vielen sogenannten Optimierungsmodellen der Fall ist (vgl. z.B. Kann institutionelles Investment Consulting digitalisiert werden? Beispiele (prof-soehnholz.com).

3 mögliche Investmentphilosophien

Eine Investmentphilosophie definiere ich als ein umfassendes und kohärentes System von Investmentüberzeugungen (vgl. Investmentphilosophie: Prognosefans sollten prognosefreie Portfolios nutzen (prof-soehnholz.com). Dabei unterscheide ich drei Arten von Investmentphilosophien: Diskretionäre, regelbasiert-prognosebasierte und regelbasiert-prognosefreie.

Die meisten Investoren verfolgen diskretionäre Investmentphilosophien. Für die Umsetzungen nutzen sie aktive Fonds aber auch ETFs. Manche konsequenten „Quant“-Anleger können der regelbasiert-prognosebasierten Kategorie zugeordnet werden. Die regelbasiert-prognosefreie Philosophie-Variante ist sehr selten.

Meine regelbasiert-prognosefreie ganzheitliche (Multi-Asset) Investmentphilosophie ist dieser dritten Kategorie zuzuordnen. Ich nenne sie RETRO-Philosophie. RETRO steht dabei für regel- und evidenzbasiert, transparent, robust und optimierungsfrei (Details siehe 240110-Das-Soehnholz-ESG-und-SDG-Portfoliobuch.pdf (soehnholzesg.com)).

Meine Regelbestandteile: Nur nachhaltig, nicht finanziell

Wissenschaftliches Research zum Beispiel zu aktiven und Faktorinvestments zeigt, dass es keine klaren dauerhaften Outperformancefaktoren gibt. Aber ich kann umso anspruchsvollere Nachhaltigkeitsregeln nutzen, je weniger nicht-nachhaltige (traditionelle) Kriterien ich für die Wertpapier-Selektion nutze. Deshalb verwende ich keine klassischen finanziellen sondern (fast) nur Nachhaltigkeits-Selektionskriterien (weitere Details siehe 240110-Das-Soehnholz-ESG-und-SDG-Portfoliobuch.pdf (soehnholzesg.com)).

Meine Aktienselektionsregeln für ESG-Portfolios habe ich 2016 entwickelt und 2017 für ein „Impact“-Portfolio um SDG-Regeln ergänzt.

Statische oder dynamische Regeln?

Meine RETRO- und „so nachhaltig wie möglich“ Investmentphilosophie ist seit Jahren grundsätzlich unverändert. Weil sich die (Investment-)Welt aber ständig verändert und immer wieder neue (Nachhaltigkeits-)Informationen zur Verfügung stehen, bin ich skeptisch in Bezug auf völlig starre Umsetzungsregeln. Ich möchte die Möglichkeit haben, Regeln zu verändern.

Auch Regeln von einigen Indizes, wie dem DAX, werden von Zeit zu Zeit angepasst. Dafür gibt es Gremien, die – oft diskretionär – Regeländerungen bestimmen.

Statt Änderungen von Regeln von Bestandsprodukten können auch neue statisch-regelbasierte Produkte angeboten, wenn die alten Regeln nicht mehr adäquat erscheinen. Die Tatsache, dass es mehr als 3 Millionen Investmentindizes gibt (vgl. Home – Index Industry Association), deutet darauf hin, dass das sogar oft der Fall ist.

Für meine Investmentphilosophie ist ein strukturierter (regelbasierter) kontinuierlicher (Regel-) Verbesserungsprozess (KVP) am sinnvollsten.

Meine Regeländerungen von 2017 bis 2024

Bei regelbasierten Portfolios können schon kleine Änderungen zu relativ großen Portfolioveränderungen führen (vgl. Divestments: 49 bei 30 Aktien meines Artikel 9 Fonds – Responsible Investment Research Blog (prof-soehnholz.com)). Um die Zahl von Transaktionen bzw. Kosten zu begrenzen versuche ich, meine Regeln nur graduell zu ändern.

Die Tabelle zeigt meine Selektionsregeln in den Zeilen 1 bis 7. In Zeile 8 ist meine einfache Allokationsregel aufgeführt und die letzten beiden Zeilen beinhalten meine Änderungsregeln (KVP).

Regeländerungen: Wenige Änderungsgründe

Im Rückblick habe ich vor allem deshalb Regeln geändert, weil immer mehr und bessere Nachhaltigkeitsdaten zur Verfügung standen. So habe ich meine Datenanbieter schon bei meiner ersten Auswahl im Jahr 2012 wegen eines möglichst guten Datenangebotes ausgesucht. In der Zeit vom Start meines Unternehmens im Jahr 2016 bis heute habe ich den Datenanbieter einmal gewechselt. Die Hauptgründe für den Wechsel waren mehr abgedeckte Aktien, also auch Small Caps, monatliche statt jährliche Datenaktualisierungen und die Möglichkeit der Nutzung von Best-in-Universe ESG-Ratings. Hinzu kamen im Laufe der Jahre zusätzliche Datenangebote des jeweiligen Anbieters, was vor allem für die SDG-Vereinbarkeit zu Regeländerungen geführt hat. Ein weiterer Grund für meine Regeländerungen waren (Prozess-)Vereinfachungen.

Für den von mir konzipierten und beratenen Investmentfonds wurden einige wenige zusätzliche Regelergänzungen vorgenommen, um schneller auf schlechtere Nachhaltigkeitsdaten reagieren zu können und um unterjährige Kapitalflüsse möglichst effizient managen zu können.

Resultat bisher: Marktübliche Performance und Small-Cap Fokus

Wenn man wie ich mit den nachhaltigsten Aktien startet, reduziert Diversifikation die durchschnittliche Nachhaltigkeit (vgl. 30 stocks, if responsible, are all I need (prof-soehnholz.com)). Mein bewusst nur 30 Aktien umfassendes (Fonds-)Portfolio enthält deshalb nur Aktien aus wenigen Ländern (aktuell 12) und Marktsegmenten (vor allem Gesundheit, Industrie und erneuerbare Energien). Weil kleine Unternehmen einfacher SDG-vereinbar sein können, lag mein Fokus Anfangs auf Mid.Caps, weil der damalige Ratinganbieter kaum Small-Caps abdeckte. Seit dem Ratinganbieterwechsel sind vor allem Small-Caps in meinen ESG SDG Portfolios enthalten.

Die Performance seit Auflage ist ähnlich wie die von aktiv gemanagten globalen Small- und Mid-Cap-Fonds (vgl. Globale Small-Caps: Faire Benchmark für meinen Artikel 9 Fonds? – Responsible Investment Research Blog (prof-soehnholz.com).

Regeländerungen: Ausblick

Weil ich meinen konsequenten Nachhaltigkeitsfokus beibehalten werde, erwarte ich, dass auch künftig vor allem Small-Caps im Portfolio vertreten sein werden. Da es keine typischen Allokationsregeln gibt, können Länder- und Branchenallokationen aber weiter schwanken. Sofern keine zu ausgeprägten Konzentrationen erkennbar sind, werde ich weiterhin auf Mindest- oder Maximalgrenzen für Länder und Branchen verzichten.

Interessant ist, dass es nur sehr wenige global investierende nachhaltige Small-Cap-Portfolios gibt. Ich habe deshalb bisher noch keinen Investmentfonds gefunden, mit dem mein Fonds mehr als 5 Investments gemein hat. Für nachhaltig orientierte Anleger, die nicht wie ich (fast) all ihr Vermögen in meinen Fonds anlegen möchten, ist mein Fonds deshalb eine attraktive potenzielle Portfolioergänzung.

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Der von mir beratene Fonds (SFDR Art. 9) ist auf soziale SDGs fokussiert. Ich nutze separate E-, S- und G-Best-in-Universe-Mindestratings sowie ein breites Aktionärsengagement bei aktuell 26 von 30 Unternehmen: FutureVest Equity Sustainable Development Goals R – DE000A2P37T6 – A2P37T oder Divestments: 49 bei 30 Aktien meines Artikel 9 Fonds

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Diese Unterlage ist von der Soehnholz ESG GmbH erstellt worden. Die Erstellerin übernimmt keine Gewähr für die Richtigkeit, Vollständigkeit und/oder Aktualität der zur Verfügung gestellten Inhalte. Die Informationen unterliegen deutschem Recht und richten sich ausschließlich an Investoren, die ihren Wohnsitz in Deutschland haben. Sie sind nicht als Verkaufsangebot oder Aufforderung zur Abgabe eines Kauf- oder Zeichnungsangebots für Anteile des in dieser Unterlage dargestellten Fonds zu verstehen und ersetzen nicht eine anleger- und anlagegerechte Beratung. Anlageentscheidungen sollten nur auf der Grundlage der aktuellen gesetzlichen Verkaufsunterlagen (Wesentliche Anlegerinformationen, Verkaufsprospekt und – sofern verfügbar – Jahres- und Halbjahresbericht) getroffen werden, die auch die allein maßgeblichen Anlagebedingungen enthalten. Die Verkaufsunterlagen werden bei der Kapitalverwaltungsgesellschaft (Monega Kapitalanlagegesellschaft mbH), der Verwahrstelle (Kreissparkasse Köln) und den Vertriebspartnern zur kostenlosen Ausgabe bereitgehalten. Die Verkaufsunterlagen sind zudem im Internet unter www.monega.de erhältlich. Die in dieser Unterlage zur Verfügung gestellten Inhalte dienen lediglich der allgemeinen Information und stellen keine Beratung oder sonstige Empfehlung dar. Die Kapitalanlage ist stets mit Risiken verbunden und kann zum Verlust des eingesetzten Kapitals führen. Vor einer etwaigen Anlageentscheidung sollten Sie eingehend prüfen, ob die Anlage für Ihre individuelle Situation und Ihre persönlichen Ziele geeignet ist. Diese Unterlage enthält ggf. Informationen, die aus öffentlichen Quellen stammen, die die Erstellerin für verlässlich hält. Die dargestellten Inhalte, insbesondere die Darstellung von Strategien sowie deren Chancen und Risiken, können sich im Zeitverlauf ändern. Einschätzungen und Bewertungen reflektieren die Meinung der Erstellerin zum Zeitpunkt der Erstellung und können sich jederzeit ändern. Es ist nicht beabsichtigt, diese Unterlage laufend oder überhaupt zu aktualisieren. Sie stellt nur eine unverbindliche Momentaufnahme dar. Die Unterlage ist ausschließlich zur Information und zum persönlichen Gebrauch bestimmt. Jegliche nicht autorisierte Vervielfältigung und Weiterverbreitung ist untersagt.

2023: Bild von Gerd Altmann von Pixabay

2023: Passive Allokation und ESG gut, SDG nicht gut

2023: Vereinfacht zusammengefasst haben meine Portfolioregeln in 2023 diese Wirkung gehabt: Passive Allokation und ESG gut, SDG schlecht und Trendfolge sehr schlecht…. Im Jahr 2022 hatten dagegen besonders meine Trendfolge und SDG-Portfolios gut rentiert (vgl. SDG und Trendfolge: Relativ gut in 2022).

Passives Allokations-Weltmarktportfolio 2023 mit guter Rendite

Das nicht-nachhaltige Alternatives ETF-Portfolio hat in 2023 mit 7,2% rentiert, also deutlich schlechter als Aktien insgesamt mit ca. 17%. Das regelbasierte „most passive“ Multi-Asset Weltmarkt ETF-Portfolio hat mit +9,9% trotz seines hohen Anteils an Alternatives dagegen relativ gut abgeschnitten, denn die Performance ist sogar etwas besser als die flexibler aktiver Mischfonds (+8,2%).

Das  Alternatives-ETF Portfolio (Start 2016) wird künftig nicht mehr aktiv angeboten (vgl. Alternatives: Thematic replace alternative investments (prof-soehnholz.com)). Damit ist künftig das Weltmarkt ETF-Portfolio (Start 2016) das einzige verbleibende traditionelle Portfolio im Angebot.

ESG ETF-Portfolios OK

Eine vergleichbare Performance gilt für das ebenfalls breit diversifizierte ESG ETF-Portfolio mit +9%. Das ESG ETF-Portfolio ex Bonds lag dagegen mit +12,8% aufgrund des hohen Alternatives- und geringen Tech-Anteils erheblich hinter traditionellen Aktien-ETFs. Die Rendite ist aber ganz ähnlich wie die +12,1% traditioneller aktiv gemanagter globaler Aktienfonds. Das ESG ETF-Portfolio ex Bonds Income verzeichnete ein geringeres Plus von +9,1%. Das ist etwas schlechter als die +9,8% traditioneller Dividendenfonds.

Mit +0,8% schnitt das ESG ETF-Portfolio Bonds (EUR) ähnlich wie die +1,5% für vergleichbare traditionelle Anleihe-ETFs ab. Aktive Fonds haben jedoch +4,6% erreicht. Anders als in 2022, hat meine Trendfolge mit -1,8% für das ESG ETF-Portfolio ex Bonds Trend aber nicht gut funktioniert.

SDG ETF-Portfolio: 2023 naja

Das aus thematischen Aktien-ETFs bestehende SDG ETF-Portfolio lag mit +2,6% stark hinter traditionellen Aktienanlagen zurück und das SDG ETF-Trendfolgeportfolio zeigt mit -10% eine sehr schlechte Performance. Für thematische Investments mit ökologischem Fokus lief es allerdings in 2023 generell nicht so gut.

Um das Portfolioangebot zu straffen, werden künftig nur noch 4 ESG ETF-Portfolios aktiv angeboten: Multi-Asset (Start 2016), Aktien, renditeorientierte Anleihen und sicherheitsorientierte Anleihen (alle Start 2019). Hinzu kommen, wie gehabt, die beiden SDG ETF-Portfolios (Start 2019 und 2020).

Direkte pure ESG-Aktienportfolios OK

Das aus 30 Aktien bestehende Global Equities ESG Portfolio hat +14,6% gemacht und liegt damit besser als traditionelle aktive Fonds (+12,1%) aber hinter traditionellen Aktien-ETFs, was vor allem an den im Portfolio nicht vorhandenen Mega-Techs lag. Das nur aus 5 Titeln bestehende Global Equities ESG Portfolio S war mit +8,9% etwas schlechter, liegt aber seit dem Start in 2017 immer noch vor dem 30-Aktien Portfolio.

Das Infrastructure ESG Portfolio hat -5,1% verloren und liegt damit erheblich hinter den +0,8% traditioneller Infrastrukturfonds und den +9,2% eines traditionellen Infrastruktur-ETFs. Das Real Estate ESG Portfolio hat +7,2% gewonnen, während traditionelle globale Immobilienaktien-ETFs +6,9% und aktiv gemanagte Fonds +7,9% gewonnen haben. Das Deutsche Aktien ESG Portfolio hat +6,7% zugelegt. Das wiederum liegt erheblich hinter aktiv gemanagten traditionellen Fonds mit +15,1% und nennenswert hinter vergleichbaren ETFs mit +16,2%.

Direkte ESG plus SDG-Aktienportfolios: Nicht so gut

Das auf soziale Midcaps fokussierte Global Equities ESG SDG hat mit -0,7% im Vergleich zu allgemeinen Aktienfonds sehr schlecht abgeschnitten. Das ist vor allem auf den hohen Gesundheitsanteil zurückzuführen. Das Global Equities ESG SDG Trend Portfolio hat mit -8,4% – wie die anderen Trendfolgeportfolios – besonders schlecht abgeschnitten. Das Global Equities ESG SDG Social Portfolio hat dagegen mit +10,4% im Vergleich zum Beispiel zu Gesundheits-ETFs bzw. aktiven Fonds (-0,6 bzw. -1,0%) dagegen ziemlich gut abgeschnitten.

Aufgrund mangelnder Nachfrage werden die direkten ESG-Aktienportfolios für globale Aktien, deutsche Aktien, Infrastrukturaktien und Immobilienaktien (alle Start 2016 und 2017) künftig nicht mehr aktiv angeboten, sondern nur noch die ESG + SDG-Aktienportfolios (Start 2017 und 2022).

Fondsperformance: Nicht so gut

Mein FutureVest Equity Sustainable Development Goals R Fonds (Start 2021) zeigt nach einem im Vergleich zu anderen Portfolios sehr guten Jahr 2022 (-8,1%) in 2023 mit +0,5% eine starke Underperformance gegenüber traditionellen Aktienmärkten. Das liegt vor allem an der Branchenzusammensetzung des Portfolios mit Fokus auf Gesundheit und an den relativ hohen nachhaltigen Infrastruktur- und Immobilienanteilen (weitere Informationen wie z.B. auch den aktuellen detaillierten Engagementreport siehe FutureVest Equity Sustainable Development Goals R – DE000A2P37T6 – A2P37T). Hinzu kommt, dass die sogenannten Glorreichen 7 bewusst in keinem meiner direkten Portfolios enthalten sind (vgl. Glorreiche 7: Sind sie unsozial? – Responsible Investment Research Blog (prof-soehnholz.com)). Dafür sind das letzte Quartal 2023 mit +9,4% und vor allem der Dezember mit +9,0% besonders gut gelaufen.

Anmerkungen: Die Performancedetails siehe www.soehnholzesg.com und zu allen Regeln und Portfolios siehe Das Soehnholz ESG und SDG Portfoliobuch. Benchmarkdaten: Eigene Berechnungen u.a. auf Basis von www.morningstar.de

Sustainable investment: Picture by Peggy and Marco-Lachmann-Anke from Pixabay

Sustainable investment = radically different?

Sustainable investment can be radically different from traditional investment. „Asset Allocation, Risk Overlay and Manager Selection“ is the translation of the book-title which I wrote in 2009 together with two former colleagues from FERI in Bad Homburg. Sustainability plays no role in it. My current university lecture on these topics is different.

Sustainability can play a very important role in the allocation to investment segments, manager and fund selection, position selection and also risk management. Strict sustainability can even lead to radical changes: More illiquid investments, lower asset class diversification, significantly higher concentration within investment segments, more active instead of passive mandates and different risk management. Here is why:

Central role of investment philosophy and sustainability definition for sustainable investment

Investors should define their investment philosophy as clearly as possible before they start investing. By investment philosophy, I mean the fundamental convictions of an investor, ideally a comprehensive and coherent system of such convictions (see Das-Soehnholz-ESG-und-SDG-Portfoliobuch 2023, p. 21ff.). Sustainability can be an important element of an investment philosophy.

Example: I pursue a strictly sustainable, rule-based, forecast-free investment philosophy (see e.g. Investment philosophy: Forecast fans should use forecast-free portfolios). To this end, I define comprehensive sustainability rules. I use the Policy for Responsible Investment Scoring Concept (PRISC) tool of the German Association for Asset Management and Financial Analysis (DVFA) for operationalization.

When it comes to sustainable investment, I am particularly interested in the products and services offered by the companies and organizations in which I invest or to which I indirectly provide loans. I use many strict exclusions and, above all, positive criteria. In particular, I want that the revenue or service is as compatible as possible with the Sustainable Development Goals of the United Nations (UN SDG) („SDG revenue alignment“). I also attach great importance to low absolute environmental, social and governance (ESG) risks. However, I only give a relatively low weighting to the opportunities to change investments („investor impact“) (see The Soehnholz ESG and SDG Portfolio Book 2023, p. 141ff). I try to achieve impact primarily through shareholder engagement, i.e. direct sustainability communication with companies.

Other investors, for whom impact and their own opportunities for change are particularly important, often attach great importance to so-called additionality. This means, that the corresponding sustainability improvements only come about through their respective investments. If an investor finances a new solar or wind park, this is considered additional and therefore particularly sustainable. When investing money on stock exchanges, securities are only bought by other investors and no money flows to the issuers of the securities – except in the case of relatively rare new issues. The purchase of listed bonds or shares in solar and wind farm companies is therefore not considered an impact investment by additionality supporters.

Sustainable investment and asset allocation: many more unlisted or alternative investments and more bonds?

In extreme cases, an investment philosophy focused on additionality would mean investing only in illiquid assets. Such an asset allocation would be radically different from today’s typical investments.

Better no additional allocation to illiquid investments?

Regarding additionality, investor and project impact must be distinguished. The financing of a new wind farm is not an additional investment, if other investors would also finance the wind farm on their own. This is not atypical. There is often a so-called capital overhang for infrastructure and private equity investments. This means, that a lot of money has been raised via investment funds and is competing for investments in such projects.

Even if only one fund is prepared to finance a sustainable project, the investment in such a fund would not be additional if other investors are willing to commit enough money to this fund to finance all planned investments. It is not only funds from renowned providers that often have more potential subscriptions from potential investors than they are willing to accept. Investments in such funds cannot necessarily be regarded as additional. On the other hand, there is clear additionality for investments that no one else wants to make. However, whether such investments will generate attractive performance is questionable.

Illiquid investments are also far from suitable for all investors, as they usually require relatively high minimum investments. In addition, illiquid investments are usually only invested gradually, and liquidity must be held for uncertain capital calls in terms of timing and amount. In addition, illiquid investments are usually considerably more expensive than comparable liquid investments. Overall, illiquid investments therefore have hardly any higher return potential than liquid investments. On the other hand, mainly due to the methods of their infrequent valuations, they typically exhibit low fluctuations. However, they are sometimes highly risky due to their high minimum investments and, above all, illiquidity.

In addition, illiquid investments lack an important so-called impact channel, namely individual divestment opportunities. While liquid investments can be sold at any time if sustainability requirements are no longer met, illiquid investments sometimes have to remain invested for a very long time. Divestment options are very important to me: I have sold around half of my securities in recent years because their sustainability has deteriorated (see: Divestments: 49 bei 30 Aktien meines Artikel 9 Fonds).

Sustainability advantages for (corporate) bonds over equities?

Liquid investment segments can differ, too, in terms of impact opportunities. Voting rights can be exercised for shares, but not for bonds and other investment segments. However, shareholder meetings at which voting is possible rarely take place. In addition, comprehensive sustainability changes are rarely put to the vote. If they are, they are usually rejected (see 2023 Proxy Season Review – Minerva).

I am convinced that engagement in the narrower sense can be more effective than exercising voting rights. And direct discussions with companies and organizations to make them more sustainable are also possible for bond buyers.

Irrespective of the question of liquidity or stock market listing, sustainable investors may prefer loans to equity because loans can be granted specifically for social and ecological projects. In addition, payouts can be made dependent on the achievement of sustainable milestones. However, the latter can also be done with private equity investments, but not with listed equity investments. However, if ecological and social projects would also be carried out without these loans and only replace traditional loans, the potential sustainability advantage of loans over equity is put into perspective.

Loans are usually granted with specific repayment periods. Short-term loans have the advantage that it is possible to decide more often whether to repeat loans than with long-term loans, provided they cannot be repaid early. This means that it is usually easier to exit a loan that is recognized as not sustainable enough than a private equity investment. This is a sustainability advantage. In addition, smaller borrowers and companies can probably be influenced more sustainably, so that government bonds, for example, have less sustainability potential than corporate loans, especially when it comes to relatively small companies.

With regard to real estate, one could assume that loans or equity for often urgently needed residential or social real estate can be considered more sustainable than for commercial real estate. The same applies to social infrastructure compared to some other infrastructure segments. On the other hand, some market observers criticize the so-called financialization of residential real estate, for example, and advocate public rather than private investments (see e.g. Neue Studie von Finanzwende Recherche: Rendite mit der Miete). Even social loans such as microfinance in the original sense are criticized, at least when commercial (interest) interests become too strong and private debt increases too much.

While renewable raw materials can be sustainable, non-industrially used precious metals are usually considered unsustainable due to the mining conditions. Crypto investments are usually considered unsustainable due to their lack of substance and high energy consumption.

Assuming potential additionality for illiquid investments and an impact primarily via investments with an ecological or social focus, the following simplified assessment of the investment segment can be made from a sustainability perspective:

Sustainable investment: Potential weighting of investment segments assuming additionality for illiquid investments:

Source: Soehnholz ESG GmbH 2023

Investors should create their own such classification, as this is crucial for their respective sustainable asset allocation.

Taking into account minimum capital investment and costs as well as divestment and engagement opportunities, I only invest in listed investments, for example. However, in the case of multi-billion assets with direct sustainability influence on investments, I would consider additional illiquid investments.

Sustainable investment and manager/fund selection: more active investments again?

Scientific research shows that active portfolio management usually generates lower returns and often higher risks than passive investments. With very low-cost ETFs, you can invest in thousands of securities. It is therefore no wonder that so-called passive investments have become increasingly popular in recent years.

Diversification is often seen as the only „free lunch“ in investing. But diversification often has no significant impact on returns or risks: With more than 20 to 30 securities from different countries and sectors, no better returns and hardly any lower risks can be expected than with hundreds of securities. In other words, the marginal benefit of additional diversification decreases very quickly.

But if you start with the most sustainable 10 to 20 securities and diversify further, the average sustainability can fall considerably. This means that strictly sustainable investment portfolios should be concentrated rather than diversified. Concentration also has the advantage of making voting and other forms of engagement easier and cheaper. Divestment threats can also be more effective if a lot of investor money is invested in just a few securities.

Sustainability policies can vary widely. This can be seen, among other things, in the many possible exclusions from potential investments. For example, animal testing can be divided into legally required, medically necessary, cosmetic and others. Some investors want to consistently exclude all animal testing. Others want to continue investing in pharmaceutical companies and may therefore only exclude „other“ animal testing. And investors who want to promote the transition from less sustainable companies, for example in the oil industry, to more sustainability will explicitly invest in oil companies (see ESG Transition Bullshit?).

Indices often contain a large number of securities. However, consistent sustainability argues in favor of investments in concentrated, individual and therefore mostly index-deviating actively managed portfolios. Active, though, is not meant in the sense of a lot of trading. In order to be able to exert influence by exercising voting rights and other forms of engagement, longer rather than shorter holding periods for investments make sense.

Still not enough consistently sustainable ETF offerings

When I started my own company in early 2016, it was probably the world’s first provider of a portfolio of the most consistently sustainable ETFs possible. But even the most sustainable ETFs were not sustainable enough for me. This was mainly due to insufficient exclusions and the almost exclusive use of aggregated best-in-class ESG ratings. However, I have high minimum requirements for E, S and G separately (see Glorious 7: Are they anti-social?). I am also not interested in the best-rated companies within sectors that are unattractive from a sustainability perspective (best-in-class). I want to invest in the best-performing stocks regardless of sector (best-in-universe). However, there are still no ETFs for such an approach. In addition, there are very few ETFs that use strict ESG criteria and also strive for SDG compatibility.

Even in the global Socially Responsible Investment Paris Aligned Benchmarks, which are particularly sustainable, there are still several hundred stocks from a large number of sectors and countries. In contrast, there are active global sustainable funds with just 30 stocks, which is potentially much more sustainable (see 30 stocks, if responsible, are all I need).

Issuers of sustainable ETFs often exercise sustainable voting rights and even engage, even if only to a small extent. However, most providers of active investments do no better (see e.g. 2023 Proxy Season Review – Minerva). Notably, index-following investments typically do not use the divestment impact channel because they want to replicate indices as directly as possible.

Sustainable investment and securities selection: fewer standard products and more individual mandates or direct indexing?

If there are no ETFs that are sustainable enough, you should look for actively managed funds, award sustainable mandates to asset managers or develop your own portfolios. However, actively managed concentrated funds with a strict ESG plus impact approach are still very rare. This also applies to asset managers who could implement such mandates. In addition, high minimum investments are often required for customized mandates. Individual sustainable portfolio developments, on the other hand, are becoming increasingly simple.

Numerous providers currently offer basic sustainability data for private investors at low cost or even free of charge. Financial technology developments such as discount (online) brokers, direct indexing and trading in fractional shares as well as voting tools help with the efficient and sustainable implementation of individual portfolios. However, the variety of investment opportunities and data qualities are not easy to analyze.

It would be ideal if investors could also take their own sustainability requirements into account on the basis of a curated universe of particularly sustainable securities and then have them automatically implemented and rebalanced in their portfolios (see Custom ESG Indexing Can Challenge Popularity Of ETFs (asiafinancial.com). In addition, they could use modern tools to exercise their voting rights according to their individual sustainability preferences. Sustainability engagement with the securities issuers can be carried out by the platform provider.

Risk management: much more tracking error and ESG risk monitoring?

For sustainable investments, sustainability metrics are added to traditional risk metrics. These are, for example, ESG ratings, emissions values, principal adverse indicators, do-no-significant-harm information, EU taxonomy compliance or, as in my case, SDG compliance and engagement success.

Sustainable investors have to decide how important the respective criteria are for them. I use sustainability criteria not only for reporting, but also for my rule-based risk management. This means that I sell securities if ESG or SDG requirements are no longer met (see Divestments: 49 bei 30 Aktien meines Artikel 9 Fonds).

The ESG ratings I use summarize environmental, social and governance risks. These risks are already important today and will become even more important in the future, as can be seen from greenwashing and reputational risks, for example. Therefore, they should not be missing from any risk management system. SDG compliance, on the other hand, is only relevant for investors who care about how sustainable the products and services of their investments are.

Voting rights and engagement have not usually been used for risk management up to now. However, this may change in the future. For example, I check whether I should sell shares if there is an inadequate response to my engagement. An inadequate engagement response from companies may indicate that companies are not listening to good suggestions and thus taking unnecessary risks that can be avoided through divestments.

Traditional investors often measure risk by the deviation from the target allocation or benchmark. If the deviation exceeds a predefined level, many portfolios have to be realigned closer to the benchmark. If you want to invest in a particularly sustainable way, you have to have higher rather than lower traditional benchmark deviations (tracking error) or you should do without tracking error figures altogether.

In theory, sustainable indices could be used as benchmarks for sustainable portfolios. However, as explained above, sustainability requirements can be very individual and, in my opinion, there are no strict enough sustainable standard benchmarks yet.

Sustainability can therefore lead to new risk indicators as well as calling old ones into question and thus also lead to significantly different risk management.

Summary and outlook: Much more individuality?

Individual sustainability requirements play a very important role in the allocation to investment segments, manager and fund selection, position selection and risk management. Strict sustainability can lead to greater differences between investment mandates and radical changes to traditional mandates: A lower asset class diversification, more illiquid investments for large investors, more project finance, more active rather than passive mandates, significantly higher concentration within investment segments and different risk management with additional metrics and significantly less benchmark orientation.

Some analysts believe that sustainable investment leads to higher risks, higher costs and lower returns. Others expect disproportionately high investments in sustainable investments in the future. This should lead to a better performance of such investments. My approach: I try to invest as sustainably as possible and I expect a normal market return in the medium term with lower risks compared to traditional investments.

First published in German on www.prof-soehnholz.com on Dec. 30th, 2023. Initial version translated by Deepl.com

Sustainable investment: Picture by Peggy and Marco-Lachmann-Anke from Pixabay

Nachhaltige Geldanlage = Radikal anders?

Nachhaltige Geldanlage kann radikal anders sein als traditionelle. „Asset Allocation, Risiko-Overlay und Manager-Selektion: Das Diversifikationsbuch“ heißt das Buch, dass ich 2009 mit ehemaligen Kollegen der Bad Homburger FERI geschrieben habe. Nachhaltigkeit spielt darin keine Rolle. In meiner aktuellen Vorlesung zu diesen Themen ist das anders. Nachhaltigkeit kann eine sehr wichtige Rolle spielen für die Allokation auf Anlagesegmente, die Manager- bzw. Fondsselektion, die Positionsselektion und auch das Risikomanagement (Hinweis: Um die Lesbarkeit zu verbessern, gendere ich nicht).

Strenge Nachhaltigkeit kann sogar zu radikalen Änderungen führen: Mehr illiquide Investments, erheblich höhere Konzentration innerhalb der Anlagesegmente, mehr aktive statt passive Mandate und ein anderes Risikomanagement. Im Folgenden erkläre ich, wieso:

Zentrale Rolle von Investmentphilosophie und Nachhaltigkeitsdefinition für die nachhaltige Geldanlage

Dafür starte ich mit der Investmentphilosophie. Unter Investmentphilosophie verstehe ich die grundsätzlichen Überzeugungen eines Geldanlegers, idealerweise ein umfassendes und kohärentes System solcher Überzeugungen (vgl.  Das-Soehnholz-ESG-und-SDG-Portfoliobuch 2023, S. 21ff.). Nachhaltigkeit kann ein wichtiges Element einer Investmentphilosophie sein. Anleger sollten ihre Investmentphilosophie möglichst klar definieren, bevor sie mit der Geldanlage beginnen.

Beispiel: Ich verfolge eine konsequent nachhaltige regelbasiert-prognosefreie Investmentphilosophie. Dafür definiere ich umfassende Nachhaltigkeitsregeln. Zur Operationalisierung nutze ich das Policy for Responsible Investment Scoring Concept (PRISC) Tool der Deutschen Vereinigung für Asset Management und Finanzanalyse (DVFA, vgl. Standards – DVFA e. V. – Der Berufsverband der Investment Professionals).

Für die nachhaltige Geldanlage ist mir vor allem wichtig, was für Produkte und Services die Unternehmen und Organisationen anbieten, an denen ich mich beteilige oder denen ich indirekt Kredite zur Verfügung stelle. Dazu nutze ich viele strenge Ausschlüsse und vor allem Positivkriterien. Dabei wird vor allem der Umsatz- bzw. Serviceanteil betrachtet, der möglichst gut mit Nachhaltigen Entwicklungszielen der Vereinten Nationen (UN SDG) vereinbar ist („SDG Revenue Alignment“). Außerdem lege ich viel Wert auf niedrige absolute Umwelt-, Sozial- und Governance-Risiken (ESG). Meine Möglichkeiten zur Veränderung von Investments („Investor Impact“) gewichte ich aber nur relativ niedrig (vgl. Das-Soehnholz-ESG-und-SDG-Portfoliobuch 2023, S. 141ff). Impact möchte ich dabei vor allem über Shareholder Engagement ausüben, also direkte Nachhaltigkeitskommunikation mit Unternehmen.

Andere Anleger, denen Impact- bzw. eigene Veränderungsmöglichkeiten besonders wichtig sind, legen oft viel Wert auf sogenannte Additionalität bzw. Zusätzlichkeit. Das bedeutet, dass die entsprechenden Nachhaltigkeitsverbesserungen nur durch ihre jeweiligen Investments zustande gekommen sind. Wenn ein Anleger einen neuen Solar- oder Windparkt finanziert, gilt das als additional und damit als besonders nachhaltig. Bei Geldanlagen an Börsen werden Wertpapiere nur anderen Anlegern abgekauft und den Herausgebern der Wertpapiere fließt – außer bei relativ seltenen Neuemissionen – kein Geld zu. Der Kauf börsennotierter Anleihen oder Aktien von Solar- und Windparkunternehmen gilt bei Additionalitätsanhängern deshalb nicht als Impact Investment.

Nachhaltige Geldanlage und Asset Allokation: Viel mehr nicht-börsennotierte bzw. alternative Investments und mehr Anleihen?

Eine additionalitätsfokussierte Investmentphilosophie bedeutet demnach im Extremfall, nur noch illiquide zu investieren. Die Asset Allokation wäre radikal anders als heute typische Geldanlagen.

Lieber keine Mehrallokation zu illiquiden Investments?

Aber wenn Additionalität so wichtig ist, dann muss man sich fragen, welche Art von illiquiden Investments wirklich Zusätzlichkeit bedeutet. Dazu muss man Investoren- und Projektimpact trennen. Die Finanzierung eines neuen Windparks ist aus Anlegersicht dann nicht zusätzlich, wenn andere Anleger den Windpark auch alleine finanzieren würden. Das ist durchaus nicht untypisch. Für Infrastruktur- und Private Equity Investments gibt es oft einen sogenannten Kapitalüberhang. Das bedeutet, dass über Fonds sehr viel Geld eingesammelt wurde und um Anlagen in solche Projekte konkurriert.

Selbst wenn nur ein Fonds zur Finanzierung eines nachhaltgien Projektes bereit ist, wäre die Beteiligung an einem solchen Fonds aus Anlegersicht dann nicht additional, wenn alternativ andere Anleger diese Fondsbeteiligung kaufen würden. Nicht nur Fonds renommierter Anbieter haben oft mehr Anfragen von potenziellen Anlegern als sie akzeptieren wollen. Investments in solche Fonds kann man nicht unbedingt als additional ansehen. Klare Additionalität gibt es dagegen für Investments, die kein anderer machen will. Ob solche Investments aber attraktive Performances versprechen, ist fragwürdig.

Illiquide Investments sind zudem längst nicht für alle Anleger geeignet, denn sie erfordern meistens relativ hohe Mindestinvestments. Hinzu kommt, dass man bei illiquiden Investments in der Regel erst nach und nach investiert und Liquidität in Bezug auf Zeitpunkt und Höhe unsichere Kapitalabrufe bereithalten muss. Außerdem sind illiquide meistens erheblich teurer als vergleichbare liquide Investments. Insgesamt haben damit illiquide Investments kaum höhere Renditepotenziale als liquide Investments. Durch die Art ihrer Bewertungen zeigen sie zwar geringe Schwankungen. Sie sind durch ihre hohen Mindestinvestments und vor allem Illiquidität aber teilweise hochriskant.

Hinzu kommt, dass illiquiden Investments ein wichtiger sogenannter Wirkungskanal fehlt, nämlich individuelle Divestmentmöglichkeiten. Während liquide Investments jederzeit verkauft werden können wenn Nachhaltigkeitsanforderungen nicht mehr erfüllt werden, muss man bei illiquiden Investments teilweise sehr lange weiter investiert bleiben. Divestmentmöglichkeiten sind sehr wichtig für mich: Ich habe in den letzten Jahren jeweils ungefähr die Hälfte meiner Wertpapiere verkauft, weil sich ihre Nachhaltigkeit verschlechtert hat (vgl. Divestments: 49 bei 30 Aktien meines Artikel 9 Fonds – Responsible Investment Research Blog (prof-soehnholz.com)).

Nachhaltigkeitsvorteile für (Unternehmens-)Anleihen gegenüber Aktien?

Auch liquide Anlagesegmente können sich in Bezug auf Impactmöglichkeiten unterscheiden. Für Aktien kann man Stimmrechte ausüben (Voting), für Anleihen und andere Anlagesegmente nicht. Allerdings finden nur selten Aktionärsversammlungen statt, zu denen man Stimmrechte ausüben kann. Zudem stehen nur selten umfassende Nachhaltigkeitsveränderungen zur Abstimmung. Falls das dennoch der Fall ist, werden sie meistens abgelehnt (vgl. 2023 Proxy Season Review – Minerva-Manifest).

Ich bin überzeugt, dass Engagement im engeren Sinn wirkungsvoller sein kann als Stimmrechtsausübung. Und direkte Diskussionen mit Unternehmen und Organisationen, um diese nachhaltiger zu machen, sind auch für Käufer von Anleihen möglich.

Unabhängig von der Frage der Liquidität bzw. Börsennotiz könnten nachhaltige Anleger Kredite gegenüber Eigenkapital bevorzugen, weil Kredite speziell für soziale und ökologische Projekte vergeben werden können. Außerdem können Auszahlungen von der Erreichung von nachhaltigen Meilensteinen abhängig gemacht werden können. Letzteres kann bei Private Equity Investments aber ebenfalls gemacht werden, nicht jedoch bei börsennotierten Aktieninvestments. Wenn ökologische und soziale Projekte aber auch ohne diese Kredite durchgeführt würden und nur traditionelle Kredite ersetzen, relativiert sich der potenzielle Nachhaltigkeitsvorteil von Krediten gegenüber Eigenkapital.

Allerdings werden Kredite meist mit konkreten Rückzahlungszeiten vergeben. Kurz laufende Kredite haben dabei den Vorteil, dass man öfter über die Wiederholung von Kreditvergaben entscheiden kann als bei langlaufenden Krediten, sofern man sie nicht vorzeitig zurückbezahlt bekommen kann. Damit kann man aus einer als nicht nachhaltig genug erkannter Kreditvergabe meistens eher aussteigen als aus einer privaten Eigenkapitalvergabe. Das ist ein Nachhaltigkeitsvorteil. Außerdem kann man kleinere Kreditnehmer und Unternehmen wohl besser nachhaltig beeinflussen, so dass zum Beispiel Staatsanleihen weniger Nachhaltigkeitspotential als Unternehmenskredite haben, vor allem wenn es sich dabei um relativ kleine Unternehmen handelt.

In Bezug auf Immobilien könnte man annehmen, dass Kredite oder Eigenkapital für oft dringend benötigte Wohn- oder Sozialimmobilien als nachhaltiger gelten können als für Gewerbeimmobilien. Ähnliches gilt für Sozialinfrastruktur gegenüber manch anderen Infrastruktursegmenten. Andererseits kritisieren manche Marktbeobachter die sogenannte Finanzialisierung zum Beispiel von Wohnimmobilien (vgl. Neue Studie von Finanzwende Recherche: Rendite mit der Miete) und plädieren grundsätzlich für öffentliche statt private Investments. Selbst Sozialkredite wie Mikrofinanz im ursprünglichen Sinn wird zumindest dann kritisiert, wenn kommerzielle (Zins-)Interessen zu stark werden und private Verschuldungen zu stark steigen.

Während nachwachsende Rohstoffe nachhaltig sein können, gelten nicht industriell genutzte Edelmetalle aufgrund der Abbaubedingungen meistens als nicht nachhaltig. Kryptoinvestments werden aufgrund fehlender Substanz und hoher Energieverbräuche meistens als nicht nachhaltig beurteilt.

Bei der Annahme von potenzieller Additionalität für illiquide Investments und Wirkung vor allem über Investments mit ökologischem bzw. sozialem Bezug kann man zu der folgenden vereinfachten Anlagesegmentbeurteilung aus Nachhaltigkeitssicht kommen:

Nachhaltige Geldanlage: Potenzielle Gewichtung von Anlagesegmenten bei Annahme von Additionalität für illiquide Investments und meine Allokation

Quelle: Eigene Darstellung

Anleger sollten sich ihre eigene derartige Klassifikation erstellen, weil diese entscheidend für ihre jeweilige nachhaltige Asset Allokation ist. Unter Berücksichtigung von Mindestkapitaleinsatz und Kosten sowie Divestment- und Engagementmöglichkeiten investiere ich zum Beispiel nur in börsennotierte Investments. Bei einem Multi-Milliarden Vermögen mit direkten Nachhaltigkeits-Einflussmöglichkeiten auf Beteiligungen würde ich zusätzliche illiquide Investments aber in Erwägung ziehen. Insgesamt kann strenge Nachhaltigkeit also auch zu wesentlich geringerer Diversifikation über Anlageklassen führen.

Nachhaltige Geldanlage und Manager-/Fondsselektion: Wieder mehr aktive Investments?

Wissenschaftliche Forschung zeigt, dass aktives Portfoliomanagement meistens geringe Renditen und oft auch höhere Risiken als passive Investments einbringt. Mit sehr günstigen ETFs kann man in tausende von Wertpapieren investieren. Es ist deshalb kein Wunder, dass in den letzten Jahren sogenannte passive Investments immer beliebter geworden sind.

Diversifikation gilt oft als der einzige „Free Lunch“ der Kapitalanlage. Aber Diversifikation hat oft keinen nennenswerten Einfluss auf Renditen oder Risiken. Anders ausgedrückt: Mit mehr als 20 bis 30 Wertpapieren aus unterschiedlichen Ländern und Branchen sind keine besseren Renditen und auch kaum niedrigere Risiken zu erwarten als mit hunderten von Wertpapieren. Anders ausgedrückt: Der Grenznutzen zusätzlicher Diversifikation nimmt sehr schnell ab.

Aber wenn man aber mit den nachhaltigsten 10 bis 20 Wertpapiern startet und weiter diversifiziert, kann die durchschnittliche Nachhaltigkeit erheblich sinken. Das bedeutet, dass konsequent nachhaltige Geldanlageportfolios eher konzentriert als diversifiziert sein sollten. Konzentration hat auch den Vorteil, dass Stimmrechtsausübungen und andere Formen von Engagement einfacher und kostengünstiger werden. Divestment-Androhungen können zudem wirkungsvoller sein, wenn viel Anlegergeld in nur wenige Wertpapiere investiert wird.

Nachhaltigkeitspolitiken können sehr unterschiedlich ausfallen. Das zeigt sich unter anderem bei den vielen möglichen Ausschlüssen von potenziellen Investments. So kann man zum Beispiel Tierversuche in juristisch vorgeschriebene, medizinisch nötige, kosmetische und andere unterscheiden. Manche Anleger möchten alle Tierversuche konsequent ausschließen. Andere wollen weiterhin in Pharmaunternehmen investieren und schließen deshalb vielleicht nur „andere“ Tierversuche aus. Und Anleger, welche die Transition von wenig nachhaltigen Unternehmen zum Beispiel der Ölbranche zu mehr Nachhaltigkeit fördern wollen, werden explizit in Ölunternehmen investieren (vgl. ESG Transition Bullshit? – Responsible Investment Research Blog (prof-soehnholz.com)).

Indizes enthalten oft sehr viele Wertpapiere. Konsequente Nachhaltigkeit spricht aber für Investments in konzentrierte, individuelle und damit meist indexabweichende aktiv gemanagte Portfolios. Dabei ist aktiv nicht im Sinne von viel Handel gemeint. Um über Stimmrechtsausübungen und andere Engagementformen Einfluss ausüben zu können, sind eher längere als kürzere Haltedauern von Investments sinnvoll.

Immer noch nicht genug konsequent nachhaltige ETF-Angebote

Bei der Gründung meines eigenen Unternehmens Anfang 2016 war ich wahrscheinlich weltweit der erste Anbieter eines Portfolios aus möglichst konsequent nachhaltigen ETFs. Aber auch die nachhaltigsten ETFs waren mir nicht nachhaltig genug. Grund waren vor allem unzureichende Ausschlüsse und die fast ausschließliche Nutzung von aggregierten Best-in-Class ESG-Ratings. Ich habe aber hohe Mindestanforderungen an E, S und G separat (vgl. Glorreiche 7: Sind sie unsozial? – Responsible Investment Research Blog (prof-soehnholz.com). Ich interessiere mich auch nicht für die am besten geraten Unternehmen innerhalb aus Nachhaltigkeitssicht unattraktiven Branchen (Best-in-Class). Ich möchte branchenunabhängig in die am besten geraten Aktien investieren (Best-in-Universe). Dafür gibt es aber auch heute noch keine ETFs. Außerdem gibt es sehr wenige ETFs, die strikte ESG-Kriterien nutzen und zusätzlich SDG-Vereinbarkeit anstreben.

Auch in den in besonders konsequent nachhaltigen globalen Socially Responsible Paris Aligned Benchmarks befinden sich noch mehrere hundert Aktien aus sehr vielen Branchen und Ländern. Aktive globale nachhaltige Fonds gibt es dagegen schon mit nur 30 Aktien, also potenziell erheblich nachhaltiger (vgl. 30 stocks, if responsible, are all I need – Responsible Investment Research Blog (prof-soehnholz.com)).

Emittenten nachhaltiger ETFs üben oft nachhaltige Stimmrechtsausübungen und sogar Engagement aus, wenn auch nur in geringem Umfang. Das machen die meisten Anbieter aktiver Investments aber auch nicht besser (vgl. z.B. 2023 Proxy Season Review – Minerva-Manifest). Indexfolgende Investments nutzen aber typischerweise den Impactkanal Divestments nicht, weil sie Indizes möglichst direkt nachbilden wollen.

Nachhaltige Geldanlage und Wertpapierselektion: Weniger Standardprodukte und mehr individuelle Mandate oder Direct Indexing?

Wenn es keine ETFs gibt, die nachhaltig genug sind, sollte man sich aktiv gemanagte Fonds suchen, nachhaltige Mandate an Vermögensverwalter vergeben oder seine Portfolios selbst entwickeln. Aktiv gemanagte konzentrierte Fonds mit strengem ESG plus Impactansatz sind aber noch sehr selten. Das gilt auch für Vermögensverwalter, die solche Mandate umsetzen könnten. Außerdem werden für maßgeschneiderte Mandate oft hohe Mindestanlagen verlangt. Individuelle nachhaltige Portfolioentwicklungen werden dagegen zunehmend einfacher.

Basis-Nachhaltigkeitsdaten werden aktuell von zahlreichen Anbietern für Privatanleger kostengünstig oder sogar kostenlos angeboten. Finanztechnische Entwicklungen wie Discount-(Online-)Broker, Direct Indexing und Handel mit Bruchstücken von Wertpapieren sowie Stimmrechtsausübungstools helfen bei der effizienten und nachhaltigen Umsetzung von individuellen Portfolios. Schwierigkeiten bereiten dabei eher die Vielfalt an Investmentmöglichkeiten und mangelnde bzw. schwer zu beurteilende Datenqualität.

Ideal wäre, wenn Anleger auf Basis eines kuratierten Universums von besonders nachhaltigen Wertpapieren zusätzlich eigene Nachhaltigkeitsanforderungen berücksichtigen können und dann automatisiert in ihren Depots implementieren und rebalanzieren lassen (vgl. Custom ESG Indexing Can Challenge Popularity Of ETFs (asiafinancial.com). Zusätzlich könnten sie mit Hilfe moderner Tools ihre Stimmrechte nach individuellen Nachhaltigkeitsvorstellungen ausüben. Direkte Nachhaltigkeitskommunikation mit den Wertpapieremittenten kann durch den Plattformanbieter erfolgen.

Risikomanagement: Viel mehr Tracking-Error und ESG-Risikomonitoring?

Für nachhaltige Geldanlagen kommen zusätzlich zu traditionellen Risikokennzahlen Nachhaltigkeitskennzahlen hinzu, zum Beispiel ESG-Ratings, Emissionswerte, Principal Adverse Indicators, Do-No-Significant-Harm-Informationen, EU-Taxonomievereinbarkeit oder, wie in meinem Fall, SDG-Vereinbarkeiten und Engagementerfolge.

Nachhaltige Anleger müssen sich entscheiden, wie wichtig die jeweiligen Kriterien für sie sind. Ich nutze Nachhaltigkeitskriterien nicht nur für das Reporting, sondern auch für mein regelgebundenes Risikomanagement. Das heißt, dass ich Wertpapiere verkaufe, wenn ESG- oder SDG-Anforderungen nicht mehr erfüllt werden.

Die von mir genutzten ESG-Ratings messen Umwelt-, Sozial- und Unternehmensführungsrisiken. Diese Risiken sind heute schon wichtig und werden künftig noch wichtiger, wie man zum Beispiel an Greenwashing- und Reputationsrisiken sehen kann. Deshalb sollten sie in keinem Risikomanagement fehlen. SDG-Anforderungserfüllung ist hingegen nur für Anleger relevant, denen wichtig ist, wie nachhaltig die Produkte und Services ihrer Investments sind.

Stimmrechtsausübungen und Engagement wurden bisher meistens nicht für das Risikomanagement genutzt. Das kann sich künftig jedoch ändern. Ich prüfe zum Beispiel, ob ich Aktien bei unzureichender Reaktion auf mein Engagement verkaufen sollte. Eine unzureichende Engagementreaktion von Unternehmen weist möglicherweise darauf hin, dass Unternehmen nicht auf gute Vorschläge hören und damit unnötige Risiken eingehen, die man durch Divestments vermeiden kann.

Traditionelle Geldanleger messen Risiko oft mit der Abweichung von der Soll-Allokation bzw. Benchmark. Wenn die Abweichung einen vorher definierten Grad überschreitet, müssen viele Portfolios wieder benchmarknäher ausgerichtet werden. Für nachhaltige Portfolios werden dafür auch nachhaltige Indizes als Benchmark genutzt. Wie oben erläutert, können Nachhaltigkeitsanforderungen aber sehr individuell sein und es gibt meiner Ansicht nach viel zu wenige strenge nachhaltige Benchmarks. Wenn man besonders nachhaltig anlegen möchte, muss man dementsprechend höhere statt niedrigere Benchmarkabweichungen (Tracking Error) haben bzw. sollte ganz auf Tracking Error Kennzahlen verzichten.

Nachhaltigkeit kann also sowohl zu neuen Risikokennzahlen führen als auch alte in Frage stellen und damit auch zu einem erheblich anderen Risikomanagement führen.

Nachhaltige Geldanlage – Zusammenfassung und Ausblick: Viel mehr Individualität?

Individuelle Nachhaltigkeitsanforderungen spielen eine sehr wichtige Rolle für die Allokation auf Anlagesegmente, die Manager- bzw. Fondsselektion, die Positionsselektion und auch das Risikomanagement. Strenge Nachhaltigkeit kann zu stärkeren Unterschieden zwischen Geldanlagemandaten und radikalen Änderungen gegenüber traditionellen Mandaten führen: Geringere Diversifikation über Anlageklassen, mehr illiquide Investments für Großanleger, mehr Projektfinanzierungen, mehr aktive statt passive Mandate, erheblich höhere Konzentration innerhalb der Anlagesegmente und ein anderes Risikomanagement mit zusätzlichen Kennzahlen und erheblich geringerer Benchmarkorientierung.

Manche Analysten meinen, nachhaltige Geldanlage führt zu höheren Risiken, höheren Kosten und niedrigeren Renditen. Andere erwarten zukünftig überproportional hohe Anlagen in nachhaltige Investments. Das sollte zu einer besseren Performance solcher Investments führen. Meine Einstellung: Ich versuche so nachhaltig wie möglich zu investieren und erwarte dafür mittelfristig eine marktübliche Rendite mit niedrigeren Risiken im Vergleich zu traditionellen Investments.

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Achtung: Werbung für meinen Fonds

Mein Fonds (Art. 9) ist auf soziale SDGs fokussiert. Ich nutze separate E-, S- und G-Best-in-Universe-Mindestratings sowie ein breites Aktionärsengagement bei derzeit 27 von 30 Unternehmen: FutureVest Equity Sustainable Development Goals R – DE000A2P37T6 – A2P37T oder Divestments: 49 bei 30 Aktien meines Artikel 9 Fonds

Glorreiche 7 Best-in-Universe ESG-Ratings

Glorreiche 7: Sind sie unsozial?

Glorreiche 7 werden die Megaunternehmen Alphabet, Amazon, Apple, Meta, Microsoft, Nvidia und Tesla genannt. Sie haben im Jahr 2022 und bis Juli 2023 besonders gute Aktienkursentwicklungen gehabt (vgl. Marktanalyse: Was ist los mit den Glorreichen Sieben? | Morningstar). Ich habe bewusst keinen dieser Werte in meinen direkten Aktienportfolios und auch nur sehr wenig Allokation dazu in meinen SDG ETF-Portfolios.

Glorreiche 7: Kein expliziter Ausschluss

Dabei schließe ich die „Glorreichen 7“ nicht explizit aus meinen Geldanlageportfolios aus. Sie sind aufgrund ihrer hohen Aktienindexallokationsanteile in meinen traditionellen passiven Allokationsportfolios enthalten. Auch in den ESG ETF-Portfolios sind die meisten der Glorreichen 7 zu finden, weil sie in den von mir genutzten ESG-ETFs enthalten sind. In meinen selbst zusammengestellten direkten Aktienportfolios findet sich jedoch keine der „Glorreichen 7“ Aktien.

Das liegt daran, dass meine ESG-Anforderungen erheblich strenger sind als die der meisten nachhaltigen ETFs. Nachhaltigkeit wird oft anhand von ESG-Ratings gemessen. Dabei werden Umwelt- Sozial- und Unternehmensführungsrisiken zu einer Kennzahl zusammengefasst. Nachhaltige ETFs nutzen meistens aggregierte Best-in-Class ESG-Ratings.

Best-in-Class heißt, dass die Ratings innerhalb der jeweiligen „Klassen“, meist Branchen, untereinander verglichen werden. So kann ein Autohersteller wie Tesla im Vergleich zu anderen Autoherstellern relativ geringe ESG-Risiken haben. Im Vergleich zu Herstellern von Personenzügen oder Fahrrädern kann das jedoch ganz anders aussehen. Wenn Ratings aller Unternehmen branchenunabhängig miteinander verglichen werden, nennt man das Best-in-Universe Ansatz.

ETF-Anbieter nutzen oft Mindestanforderungen an solche Ratings für ihre Wertpapierauswahl und/oder deren Gewichtung. Das geschieht zum Beispiel, indem nur Wertpapiere solcher Unternehmen zugelassen sind, die zur besseren Hälfte der jeweilig ESG-gerateten gehören.

Glorreiche 7: Relativ große Abweichungen bei Sozial- und Umweltratings

Die „Glorreichen 7“ scheinen auf den ersten Blick ziemlich nachhaltig zu sein. Sie erreichen Anfang November 2023 nach Best-in-Class Ansatz jeweils mindestens 55 von maximal 100 Punkten meines Ratinganbieters Clarity.ai. Apple liegt sogar über 70 und auch Microsoft schneidet sehr gut ab. Bei der Nutzung eines vergleichbaren aggregierten Best-in-Universe Ratings sinkt das durchschnittliche Rating zwar, aber alle sieben Werte liegen noch über 50.

Für meine Portfolios sind aber jeweils E, S und G-Mindestratings von 50 erforderlich, denn ich möchte kein Unternehmen im Portfolio haben, das überdurchschnittlich hohe ökologische, soziale oder Unternehmensführungsrisiken hat.

Bei Nutzung der separierten Best-in-Class Ratings meines Anbieters dürften Alphabet, Amazon, Meta und Tesla nicht ins Portfolio aufgenommen werden, weil die Sozialratings jeweils unter 50 liegen. Nur Apple, Microsoft und NVIDIA haben E, S und G Best-in-Class Ratings von jeweils mindestens 50.

Best-in-Universe sind viel anspruchsvoller als Best-in-Class Ratings

Das sieht bei der Nutzung von Best-in-Universe Ratings anders aus. NVIDIA zum Beispiel hat ein durchschnittliches ökologisches Rating im Vergleich zu anderen Halbleiterherstellern. Aber im Vergleich zu allen börsennotierten Unternehmen (BiU-Ansatz) liegt NVIDIA erheblich unter meiner Mindestanforderung von 50. Ähnliches gilt für Apple und Microsoft mit Best-in-Universe-Sozialratings unterhalb der 50.

Bei der Nutzung von Best-in-Universe Ratings liegen Alphabet, Meta und Tesla sogar unterhalb von 40. Ökologische und Unternehmensführungsrisiken werden dagegen bis auf das Umweltrating von NVIDIA auch nach Best-in-Universe Ansatz mit über 50 bewertet.

ESG-Ratings setzen sich aus Dutzenden von Einzelkriterien zusammen und variieren deshalb oft von Anbieter zu Anbieter. Die Ratings meines Anbieters sind aber gut nachvollziehbar. So wird bei Alphabet unter anderem eine fehlende „Freedom of Association“-Politik und der niedrige gewerkschaftliche Organisationsgrad kritisiert, bei Amazon werden Bezahlung und Arbeitsbelastung aufgeführt, bei Apple Vorkommnisse (Incidents) in Zusammenhang mit Produktwerbung, bei Meta die geringe Anzahl von Frauen an den Mitarbeitenden und Managementpositionen, bei Microsoft Themen des Kundendatenschutzes, bei Tesla Produktqualitäts- und Sicherheitsthemen und bei NVIDIA eine geringe Wasserrecyclingquote.

Fehlende Vergleiche von Best-in-Universe Ratings

Das ist durchaus auch für Anleger relevant, die nicht besonders an Nachhaltigkeit interessiert sind. Denn mit ESG-Ratings werden Umwelt-, Sozial- und Unternehmensführungsrisiken gemessen. Und an niedrigen derartigen Risiken sollten auch traditionelle Geldanleger interessiert sein.

Für meine direkten Aktienportfolios ist meine selbst gesetzte Regel klar: Weil keine der „Glorreichen 7“ nach Best-in-Universe Ansatz bei Umwelt-, Sozial- und Governanceratings zugleich über 50 liegt, darf ich keine davon in meine Portfolios aufnehmen.

Bisher habe ich noch keine systematischen Vergleiche von Best-in-Class und Best-in-Universe Ratings gesehen. Meine Analysen nur auf Basis der Glorreichen 7 und nur mit Daten von Anfang November 2023 zeigen Folgendes: Bei den aggregierten ESG-Ratings liegen die Best-in-Universe Ratings im Schnitt um etwa 7 Prozentpunkte unter den Best-in-Class Werten. Bei den Governanceratings gibt es kaum Unterschiede zwischen den beiden Ansätzen. Die Best-in-Universe-Umweltratings der 7 Aktien fallen sogar um 5 Prozentpunkte besser aus, während die Best-in-Universe-Sozialratings sogar 16 Prozentpunkte schlechter sind als die Best-in-Class Sozialratings. Unterschiede für andere Unternehmen sind sogar teilweise noch stärker, wie eine vergleichbare Analyse der 30 Small- und Midcaps meines Fonds ergab.

Warum andere vor allem Best-in-Class Ratings nutzen

Geldanlageanbieter nutzen in der Regel einen Best-in-Class Ansatz. Das liegt daran, dass sie meist über mehrere Branchen gestreute Portfolios anbieten wollen. Mit dem Best-in-Class Ansatz können sie das einfach erreichen. Bei einem konsequenten Best-in-Universe Ansatz so wie ich ihn nutze, müssten viele Marktsegmente aufgrund ihrer hohen ESG-Risiken ganz entfallen.

Generell gilt: Konzentrierte (Best-in-Universe) Ansätze können nachhaltiger sein als stark diversifizierte Portfolios. Grund: Wenn man so wie ich mit den nachhaltigsten Aktien startet, reduziert zusätzliche Diversifikation die durchschnittliche Nachhaltigkeit. Der Grenznutzen weiterer Diversifikation für Risikoreduktion ist aber sehr gering und abnehmend (vgl. dazu 30 stocks, if responsible, are all I need – Responsible Investment Research Blog (prof-soehnholz.com)).

Privatanleger haben typischerweise keinen Zugang zu Best-in-Universe Ratings. Ich weiß jedenfalls nicht, in welcher frei zugänglichen Datenbank man Investmentfonds finden kann, die einen Best-in-Universe Ansatz oder separate E, S und G Mindestratings nutzen.

Glorreiche 7: Geringe Allokation in meinen SDG ETF-Portfolios

Für meine SDG ETF-Portfolios schließe ich die Glorreichen 7 ebenfalls nicht explizit aus. Aber ich versuche, nur eine geringe Allokation zu den Glorreichen 7 haben. Das mache ich jedoch eher aus Diversifikations- als aus Nachhaltigkeitsgründen. Kerninvestments enthalten typischerweise bereits hohe Alloaktionen zu den Glorreichen 7. Und meine SDG-ETF Portfolios sind als Ergänzung bzw. Satelliteninvestments für Kerninvestments gedacht.

Deshalb versuche ich, Überschneidungen der SDG ETFs mit typischen Kerninvestments und auch untereinander möglichst gering zu halten. Das ist gar nicht so einfach, weil viele SDG-aligned bzw. Themen-ETFs teilweise mehrere der Glorreichen 7 enthalten. Allerdings suche ich vor allem ETFs mit möglichst vielen sogenannten SDG-aligned Pure Plays. Und fokussierte Unternehmen sind meist eher klein. Deshalb nutze ich nur ETFs mit Fokus auf kleine und mittlere Marktkapitalisierungen. Darum enthalten diese meist keine der Glorreichen 7. Und so ist es mir auch in diesem Jahr gelungen, ETFs zu den Themen Dekarbonisierung, Energie, Ernährung, Gesundheit, Immobilien, Pharmazie, Smarte Städte und Wasser zu finden, die untereinander kaum Überschneidungen aufweisen.

Divestment: Arrows by vectyard from Pixabay

Divestments: 49 bei 30 Aktien meines Artikel 9 Fonds

18 Divestments wegen unerwünschter Aktivitäten oder Länder

Divestments erfolgen bei regelbasierten Investments, wenn Regeln nicht mehr eingehalten werden. Mein regelbasieter Artikel 9 Fonds „FutureVest Equities Sustainable Development Goals R“ enthält nur die aus meiner Sicht nachhaltigsten 30 Aktien. Ich prüfe laufend, ob meine Nachhaltigkeitsanforderungen noch erfüllt werden. Einmal pro Jahr analysiere ich zudem anhand aller mir zur Verfügung stehenden (immer mehr) Nachhaltigkeitsdaten aller Aktien, ob ich meine Nachhaltigkeitsanforderungen weiter erhöhen kann.

Seit dem Fondsstart im August 2021 habe ich bis Mitte November 2023 insgesamt 49 Aktien komplett verkauft (Divestments). Das ist mehr, als erwartet. Hier sind die Gründe:

13 der Verkäufe sind auf unerwünschte Aktivitäten der jeweiligen Unternehmen zurückzuführen. Die meisten derartigen Divestments erfolgten zum Jahreswechsel 2022/2023. Grund war, dass ich seitdem nicht nur grausame und kosmetische, sondern auch medizinische Tierversuche und Aktivitäten in Bezug auf Genmanipulierte Organismen (GMO) ausgeschlossen habe. Das war möglich, weil ich auch mit diesen neuen Ausschlüssen genug Aktien identifizieren konnte, die alle meine Selektionskriterien erfüllten. Hinzu kam, dass damit vor allem große Unternehmen der Gesundheitsbranche ausgeschlossen wurden. Das führte zu einer Verringerung des bis dahin besonders hohen Gesundheitsanteils und einer erheblich niedrigeren durchschnittlichen Kapitalisierung der Unternehmen im Fonds.

Durch den zunehmenden Smallcap-Anteil wurde auch die Überlappung mit gängigen Indizes und auch mit anderen konzeptionell grundsätzlich ähnlichen Fonds reduziert (und damit auch die sogenannte Active Share erhöht). Damit wurde der Fonds als Beimischung für Portfolios (noch) interessanter. Eine Mitte des Jahres durchgeführte Analyse ergab eine Active Share von über 99% und nur maximal 4 gleiche Aktien mit anderen Nachhaltigkeitsfonds.

Seit der Fondsauflage konnte auch die Anforderung an zulässige Länder erhöht werden. So werden nur Aktien mit Hauptsitz oder Hauptbörsennotiz in einem Land mit hoher Rechtssicherheit zugelassen. Nachdem ursprünglich noch 50% aller Länder akzeptiert wurden, wurde die Grenze später auf 40% verschärft. Auslöser für die Regeländerung war die für mich überraschende Entwicklung, dass China erstmals zu den Top 50% gezählt wurde. Aufgrund von zunehmend wahrgenommenen direkten Eingriffen chinesischer Behörden, wollte ich chinesische Aktien aber weiterhin ausschließen. Durch die Regelverschärfung mussten insgesamt 5 Aktien aus Südafrika und Italien aus dem Portfolio genommen werden, denn diese Länder gehören nicht zu den Top 40% nach „Rule of Law“.

16 der 17 Verkäufe erfolgten aufgrund von Regeländerungen zum Selektionszeitpunkt und nur ein Aktivitätsausschluss erfolgte unterjährig, weil eine unerwünschte Aktivität erstmals bekannt wurde.

23 Divestments wegen Sozial- bzw. Umweltratings

Von den 23 Verkäufen aufgrund von E, S bzw. G-Ratings erfolgten 17 zum Jahresende und 6 ungeplant unterjährig. Unterjährige Ratings, die unter unsere Mindestanforderungen fallen, werden zunächst geprüft. Dazu erfolgt oft eine Rücksprache mit dem Ratinganbieter und/oder dem Unternehmen selbst. Die Prüfung kann einige Wochen dauern. Zudem erfolgt ein unterjähriger Verkauf typischerweise nur, wenn die Ratingänderung mehr als 10% ausmacht, also zum Beispiel das Sozialrating von 50 auf unter 45 fällt. Für ein Divestment ist zudem normalerweise erforderlich, dass Aktien, die ebenfalls alle Anforderungen erfüllen, mit nennenswert besseren Ratings zur Verfügung stellen. Wenige Monate vor geplanten Jahresselektionen findet ebenfalls kein schneller Verkauf mehr statt, weil zunächst mögliche Regeländerungen abgewartet werden sollen. Bei Jahreselektionen dagegen stehen typischerweise genug Aktien zur Verfügung, die besser geratet sind und die dann auch Aktien ersetzen können, die noch ausreichende Ratings aufweisen.

Normalerweise erwarten wir, dass gerade die von uns selektieren besonders nachhaltigen Unternehmen sich weiterhin anstrengen noch nachhaltiger zu werden. Andererseits bemühen sich immer mehr Unternehmen um Nachhaltigkeit. Datenupdates des Hauptratinganbieters sollten trotzdem insgesamt eher zu besseren als schlechteren Ratings für die von uns selektierten Aktien führen. Das war jedoch 2023 nicht der Fall. Etliche Ratings der von uns selektierten Unternehmen haben sich unterjährig teilweise erheblich verschlechtert, so dass wir keine Nachrücker mehr hatten, die alle unsere Mindestanforderungen erfüllten. Wir haben unsere jährliche Aktienselektion, die normalerweise zu Jahresende stattfindet, deshalb auf Ende September vorgezogen.

Von den 23 ESG-Ratingbedingten Divestments entfielen zwei Drittel auf Sozial- und ein Drittel auf Umweltratings, während Governanceratings nicht zu Divestments geführt haben. Das ist nicht überraschend, denn die meisten Aktien des Fonds sind eher sozial- als ökologieorientiert und weisen damit auch höhere Sozialrisiken aus. Governanceratings sind zudem meist ziemlich stabil. Außerdem wurden sie von uns bis September 2023 zudem zum Ranking der zulässigen Aktien genutzt, so dass die Mindestgovernanceratings der Aktien im Fonds höher waren als die ökologischen oder Sozialmindestratings.

8 Divestments wegen Übernahmen, SDG-Alignment und Kursverlusten

Drei weitere Verkäufe erfolgten, weil die entsprechenden Unternehmen übernommen wurden. Zwei weitere Aktien wurden verkauft, weil sie unsere Anforderungen an die Vereinbarkeit mit den nachhaltigen Entwicklungszielen der Vereinten Nationen nicht mehr erfüllten. Zudem wurden Aufgrund unterjähriger Verluste oberhalb der von uns akzeptierten (relativ hohen) Grenze drei weitere Aktien aus dem Fonds genommen. „Maximaler Verlust“, der einzige „kommerzielle“ beziehungsweise „nicht-nachhaltige“ Regelbestandteil führte also nur zu einem sehr geringen Portfolioturnover.

Zwei dieser sieben Verkäufe erfolgten unterjährig aufgrund von Übernahmen der betreffenden Unternehmen, die sechs anderen im Rahmen der jährlichen Neuselektion. Aufgrund von mangelnder Reaktion auf Engagementversuche wurde bisher noch kein Unternehmen aus dem Fonds ausgeschlossen.

Regeländerungen für 2024 u.a. zur Turnover-Reduktion

Die jährliche Selektion wird vor allem genutzt, um Verschärfungen der Nachhaltigkeitsregeln zu prüfen. Bei der für 2024 etwas vorgezogenen Selektion konnte zum Beispiel das von Ratinganbieter neu zur Verfügung gestellte Kriterium SDG-Umsätze genutzt werden. In der Vergangenheit wurde für das gewünschte möglichst hohe SDG-Alignment nach entsprechenden Branchen bzw. Unternehmensaktivitäten gesucht und zusätzlich Mindestanforderungen an das SDG-Risiko gestellt.

Mit der Festlegung auf mindestens 50% SDG-Umsätze auf Basis der Analyse des Ratinganbieters Clarity.ai wurden die Regeln objektiviert. Gewünscht wären 100% SDG-Alignment, wie es auch für die meisten Portfoliounternehmen ausgewiesen wird. Allerdings konnten nicht genug Unternehmen gefunden werden, die 100% SDG-Alignment sowie die Erfüllung aller anderen Selektionskriterien aufwiesen. Außerdem ist für uns nicht nachvollziehbar, warum zum Beispiel für Sozialimmobilien- und einige Infrastrukturanbieter von dem von uns genutzten Ratinganbieter kein ausreichendes SDG-Alignment ausgewiesen wird. Auch für Arbeitsvermittlungsunternehmen gehen wir weiter von einem guten SDG-Alignment aus und auch diese werden vom Ratinganbieter nicht so klassifiziert. Wir haben uns deshalb entschieden, zumindest bis zur nächsten jährlichen Selektion Ende 2024 solche Unternehmen weiter im Portfolio zu behalten, auch wenn die ausgewiesenen SDG-Umsätze unter 50% liegen.

Die Neuselektion wurde auch deshalb vorgezogen, weil das SDG-Risikorating ab Oktober 2023 nicht mehr zur Verfügung gestellt wird, aber noch für die Selektion genutzt werden sollte.  

Andere, kleinere Regeländerungen wurden aus analysetechnischen Gründen gemacht. So werden nicht mehr tausende potenzielle Unternehmen auf maximale Verluste geprüft, sondern nur noch, ob der maximale Kursverlust über 50% liegt. 50% wurde gewählt, weil im Vorjahr ein Viertel der unsere sonstigen Regeln erfüllenden Unternehmen mehr als 50% Kursverlust aufwies und somit ausgeschlossen wurde. Ähnliches erfolgte in Bezug auf die Mindestratinganforderungen an den zweiten Ratinganbieter. In der Vergangenheit durfte Aktien im Portfolio nicht zu den schlechtesten 25% gehören und bei der aktuellen Selektion wurde ein E, S und G Ratings von mindestens 33/100 angesetzt. Auch das entspricht ungefähr den Vorjahres-Cutoffs.   

Insgesamt kam es aufgrund der neuen Selektionskriterien zum Ersatz von 10 Aktien, was etwas unterhalb des hohen vorjährigen Austauschs lag. Weil 2022 erstmals mit dem Shareholder Engagement begonnen wurde und in 2023 auf alle Unternehmen ausgedehnt wurde, soll künftig der Turnover im Fonds idealerweise weiter sinken. Grund dafür ist, dass Shareholder Engagement relativ lange braucht, um zu wirken. Ich strebe zwar an, auch mit Unternehmen, deren Aktien nicht mehr im Portfolio sind, weiter im Dialog zu bleiben, aber der Engagementfokus liegt natürlich auf den Unternehmen im Bestand.

10 Verkäufe im 4. Quartal 2023 und Portfolioauswirkungen

Die Gründe für die zehn oben bereits mitgezählten Divestments im vierten Quartal 2023 sind ebenfalls unterschiedlich. Für sechs Aktien wurde Ersatz mit besseren Sozialratings gefunden und für zwei Aktien welche mit besseren Umweltratings. Bei einem weiteren Unternehmen haben inzwischen vom Ratinganbieter bestätigte unerwünschte Aktivitäten zum Ausschluss geführt und bei einem anderen der maximale Verlust.

Erwähnenswert ist noch, dass zwei Aktien schon früher im Portfolio waren und jetzt wieder re-investiert werden. Eine davon wurde in einer früheren Jahresselektion ausgeschlossen, weil es andere Unternehmen mit aus meiner Sicht besserer Vereinbarkeit mit den SDGs gab. Clarity-Daten zeigen für diese Gesellschaft aber aktuell über 95% Umsatzvereinbarkeit mit den SDG und sehr gute ESG-Ratings. Die andere Aktie wurde verkauft, weil sie in der Vergangenheit einen Kursverlust größer 50% hatte, der jetzt außerhalb der betrachteten 12-Monatsperiode liegt.

Insgesamt führten diese Änderungen dazu, dass sich der USA-Anteil etwas senkt aber immer noch bei knapp 50% liegt. Dafür stieg der vorher relativ geringe Anteil von ökologisch fokussierten Aktien auf über ein Drittel an. Vor allem aber haben inzwischen 2/3 der Aktien eine Marktkapitalisierung von maximal fünf Milliarden Euro und nur noch drei über 20 Milliarden.

Weiterführende Beiträge

30 stocks, if responsible, are all I need (8-2022)

Mein Artikel 9 Fonds: Noch nachhaltigere Regeln (2-2022)    

Artikel 9 Fonds: Kleine Änderungen mit großen Wirkungen? (3-2023)

Active or impact investing? (6-2023)

Noch eine Fondsboutique? (8-2023)

www.futurevest.fund

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Impactinvsting ideas illustrated by picture of tree by umut avci from Puxabay

Impactinvesting ideas – Researchblog #145

Impactinvesting ideas: 12x new research on terrorism, migrants, emissions, innovations, ESG-ratings, sustainable debt, impactinvesting, directors, ETFs, gamification and concentration by Timo Busch, Harald Hau, Ulrich Hege, Thorsten Hens and many more (#: SSRN downloads on Sept. 28th, 2023)

Social research

Terror success: Terrorism and Voting: The Rise of Right-Wing Populism in Germany by Navid Sabet, Marius Liebald, Guido Friebel as of Sept. 25th, 2023 (#15): “… we find that successful (Sö terror) attacks lead to significant increases in the vote share for the right-wing, populist Alternative für Deutschland (AfD) party. Our results are predominantly observable in state elections, though attacks that receive high media coverage increase the AfD vote share in Federal elections. These patterns hold even though most attacks are motivated by right-wing causes and target migrants. Using a longitudinal panel of individuals, we find successful terror leads individuals to prefer the AfD more and worry more about migration” (abstract).

Integration deficits: The Integration of Migrants in the German Labor Market: Evidence over 50 Years by Paul Berbée and Jan Stuhler as of Sept. 25th, 2023 (#47): “First, employment profiles tend to be concave, with low initial employment but rapidly increasing employment in the first years after arrival (convergence). However, income gaps widen with more time in Germany (divergence). … Second, for most groups the employment gaps do not close, despite the initial catch-up. … Third, the income and employment gaps close partially in the second generation, but the employment gaps shrink by only 25% and remain large for some groups. Finally, the perhaps most striking observation is the sudden collapse of employment among earlier arrivals from Turkey in the early 1990s. … The employment shares of the refugees arriving around 2015 are similar to earlier refugee cohorts, despite the unusual favorable labor market conditions and the increased focus on integration policies. Their predicted long-term gaps in employment (about 20-25 pp.) are more than twice as large as the corresponding gap for Ukrainian refugees (about 10 pp.). … Summing up, immigration has become indispensable for the German economy, and the experience from more than 50 years shows that many migrant groups achieve substantial employment rates and incomes. However, barriers to integration persist, and while integration policies have improved along some dimensions, as yet we see no systematic improvements in integration outcomes over time (“p. 36/37).

Ecological research

Loose commitments: Behind Schedule: The Corporate Effort to Fulfill Climate Obligations by Joseph E. Aldy, Patrick Bolton, Zachery M. Halem, and Marcin Kacperczyk as of Sept. 20th, 2023 (#66):  “We analyze corporate commitments to reduce carbon emissions. We show that companies in their decisions to commit are more driven by external shareholder pressure and reputational concerns rather than economic motives due to cost of capital effects. We further show that many companies focus on short-term pledges many of which get revised over time. Despite the growth in commitment movement, we find that most companies have fallen behind on their commitments for reasons that could be both systematic and idiosyncratic in nature“ (abstract).

Innovative suppliers: Climate Innovation and Carbon Emissions: Evidence from Supply Chain Networks by Ulrich Hege, Kai Li, and Yifei Zhang as of Sept. 14th, 2023 (#83): “… we ask (i) whether climate innovation invented by a supplier firm allows its customer firms to reduce CO2 emissions, and (ii) whether climate innovation facilitates the acquisition of new business customers and what types of customers. We find that climate innovations help customer firms to reduce carbon emissions …. Emissions savings are accentuated for high-emission firms and firm with stronger environmental concerns. … We show that customer firms generally have a strong preference for suppliers’ climate innovations. Moreover, we show that climate innovation allows suppliers to expand their customer base. We find that the capacity to attract new customers is more pronounced for customers with a strong preference for reducing their carbon footprint: these include firms with a strong preference for environmental protection, measured by their high environmental scores in their ESG ratings, but also firms with elevated GHG emissions that presumably anticipate regulatory or investor pressure to curtail their GHG emissions“ (p. 31/32). My comment regarding supplier relations see Supplier engagement – Opinion post #211 – Responsible Investment Research Blog (prof-soehnholz.com)

ESG investment research: Impactinvesting ideas

E-Rating divergence: Environmental data and scores: Lost in translation by Enrico Bernardini, Marco Fanari, Enrico Foscolo, and Francesco Ruggiero from the Bank of Italy as of Sept. 19th, 2023 (#26): “… we find that environmental data have meaningful, although limited, explanatory power for the E-scores. … the scores of some providers are more related to raw data …. We identify some variables as significant and common across several providers, such as forward-looking measures like the presence of reduction targets for emissions and resource use as well as environmental and renewable energy policies. … We find the latent component to be heterogeneous across providers and this evidence may be due to different materiality in the providers’ assessments. Indeed, some providers focus their analysis on how the corporate financial conditions are affected by environmental issues, while others consider how corporate conduct can affect environmental conditions and others consider both perspectives (”double materiality”)” (p. 20).

More “sustainable” debt: Do Sustainable Companies Receive More Debt? The Role of Sustainability Profiles and Sustainability-related Debt Instruments by Julia Meyer and Beat Affolter as of Aug. 20th, 2023 (#89): “We have made use of three different sources of data to classify companies into one of three groups: (i) companies avoiding ESG risks (using the ESG rating), (ii) companies contributing to the SDGs (SDG score), and (iii) companies committed to transformation (SBTi targets or commitments). First, our results show that sustainability-related debt is largely issued by sustainable companies in all three dimensions. — Secondly, … we find a significant increase in levels of debt for more sustainable companies in all three dimensions. However, this increase seems not to be linked to the issuance of sustainability related debt instruments …. Our results, therefore, indicate that lenders have started to incorporate sustainability and transformation assessments over time and that good sustainability performance (again in all three dimensions) has led to additional debt financing compared to companies with a low sustainability performance” (p. 20).

Impactinvesting ideas: Research

Reactions to pollution: Sustainable Investing in Imperfect Markets by Thorsten Hens and Ester Trutwin as of Sept. 21st, 2023 (#42): “Given that the price for polluting the environment is too low, we show that impact investing can lead to a second-best solution. If at the margin the technology is ”clean”, investment should be increased while a capital reduction is appropriate if at the margin the firm’s technology is ”dirty”. However, sustainable investing requires households to anticipate the firm’s pollution activity. Therefor we show how the same solution can be implemented with ESG investing in which the burden of knowledge lies on the rating agency. Finally, we indicate that the first-best solution can be achieved by sustainable consumption” (abstract) My comment on impactinvesting ideas see Active or impact investing? – (prof-soehnholz.com)

Few Institutional directors: Do Institutional Directors Matter? by Heng Geng, Harald Hau, Roni Michaely, and Binh Nguyen as of Feb. 21st, 2023 (#168): “We find that board representation by institutional investors is relatively rare in U.S. public firms compared to the high institutional ownership in U.S. public firms. Only 7.61% of Compustat firm-years from 1999-2016 feature at least one institutional director representing an institutional shareholder owning more than 1% of outstanding shares. Second, Additional analyses indicate that banks, sophisticated investors (e.g., hedge funds, private equity), and activist shareholders are likely to obtain board seats. By contrast, large retail funds generally do not seek board representation. Common institutional directors representing the so-called “Big Three” asset management companies, which are concerned most for the potential antitrust implications, are only found in only 37 intra-industry firm pairs. Our third set of results reveals that rival firms sharing institutional investors rarely feature joint board representation by the same institutional investor. More importantly, in the rare cases of joint board representation, we do not find evidence that such overlapping board representation is related to higher profit margins than what is already predicted by common institutional ownership in a firm pair” (p. 23/24). My comment: Selecting adequate board directors is one of many potential of impactinvesting ideas

Practical Impactinvesting ideas: Principles for Impact Investments: Practical guidance for measuring and assessing the life cycle, magnitude, and tradeoffs of impact investments by Timo Busch, Eric Pruessner and Hendrik Brosche as of Sept. 26th, 2023 (#62): “For the impact life cycle, we propose a clear set of principles that create a standard for how impact-aligned and impact-generating investments should measure and assess impact. Regarding the topic of impact magnitude, the principles provide guidance for how large a company impact must be for impact investments to be considered significant. Ideally by using thresholds to determine the magnitude of a company impact, impact investments are directly connected to sustainable development objectives“ (p. 19).

Other investment research

ETF effects: Rise of Passive Investing – Effects on Price Level, Market Volatility, and Price Informativeness by Paweł Bednarek as of Sept. 12th, 2023 (#117): “I find that the growth of passive investing did not increase the overall price level, thus contradicting the common ETF bubble hypothesis, which postulated that rapid growth in passive strategies may lead to the detachment of prices of these securities from fundamentals. … We estimate that about 10% of current market volatility can be attributed to the rise of passive investing. It also resulted in diminished price informativeness due to weakened information acquisition. Further reduction in passive management fees will strengthen these effects“ (abstract).

The bank wins: The Gamification of Banking by Colleen Baker and Christopher K. Odinet as of Sept. 26th, 2023 (#42): “After providing an overview of gamification in general, we examined its rise in the context of stock trading … We next turned to early appearances of gamification in banking … we think that its pace is about to accelerate. Our perspective is supported by a number of examples involving banks and fintechs partnering or combining to offer banking services through a game-like interface. As in Truist’s case, bank-fintech partnerships are on the cusp of the gamification of banking that we predict will develop in three stages, culminating with meg one-stop-shop financial intermediary platforms anchored by cloud computing service providers“ (p. 39/40).

Better >10 stocks: Underperformance of Concentrated Stock Positions by Antti Petajisto as of Aug. 28th, 2023 (#473): “… we find that the median stock has underperformed the cap-weighted market portfolio by 7.9% over rolling ten-year investment periods (or 0.82% per year) since 1926. The relative underperformance over rolling ten-year periods increases to 17.8% (or 1.94% per year) when considering only stocks whose performance ranked in the top 20% over the prior five years. … the observed underperformance of the median stock applies across all industry groups and among both the smallest and largest stocks“ (p. 18/19). My comment: In this research concentrated means 10% or higher allocation to every stock. Here you find more research and my opinion: 30 stocks, if responsible, are all I need – Responsible Investment Research Blog (prof-soehnholz.com)

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Advert for German investors:

Sponsor my research by investing in and/or recommending my global small/midcap mutual fund (SFDR Art. 9). The fund focuses on social SDGs and uses separate E, S and G best-in-universe minimum ratings and broad shareholder engagement with currently 29 of 30 engaged companiesFutureVest Equity Sustainable Development Goals R – DE000A2P37T6 – A2P37T

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Grüner Chip als Bild von Chenspec von Pixabay für nachhaltige AI

AI: Wie können nachhaltige AnlegerInnen profitieren?

AI (Artificial Intelligence oder KI für künstliche Intelligenz) kann theoretisch helfen, mehr, bessere, aktuellere und kostengünstigere Informationen für nachhaltige Investments zu generieren. Die Frage ist, wie das erreicht werden kann. Hier sind meine Ideen:

………. ….. Hinweise: Ich nutze Daten von Clarity.ai und ESGBook und berate Allindex, die auch Search4Stocks anbieten. Der Text basiert auf einem Beitrag für GitexIMpact (siehe How can sustainable investors benefit from artificial intelligence? – GITEX Impact – Leading ESG Event 2023), der mit Hilfe von Deepl übersetzt wurde und auf LinkedIn als Artikel veröffentlicht wurde. Das Foto des zugehörigen Blogbeitrags stammt von Pixabay. …………………………………..……

KI ist nicht klar definiert. In diesem Artikel unterscheide ich nicht zwischen maschinellem Lernen, Deep Learning und KI. Vereinfachend unterscheide ich auch nicht zwischen Umwelt-, Sozial- und Governance-Investitionen (ESG) sowie Impact Investing oder anderen nachhaltigen Investitionsansätzen.

Gleiche Renditen mit geringeren Risiken durch AI?

Die wichtigste Frage aus AnlegerInnensicht ist meistens, ob KI dazu beitragen kann, die Renditen zu verbessern. In der Vergangenheit wurden enorme Mengen an Gehirn- und Computerleistung und Geld investiert, um höhere Renditen als die Märkte zu erzielen. Viele quantitative traditionelle Investoren mit teilweise tiefen Taschen haben meistens vergeblich versucht, passive Benchmarks zu übertreffen (vgl. Kapitalanlage – Kann man den Markt schlagen? Teil 5 (roboadvisor-portal.com)). Ich erwarte nicht, dass die KI daran etwas ändern wird.

Aber KI kann dazu beitragen, Geldanlagerisiken zu verringern, insbesondere Nachhaltigkeitsrisiken. Diese Risiken können zum Beispiel mit Umwelt-, Sozial- und Governance-Ratings gemessen werden. ESG-Ratings beruhen oft auf einer Vielzahl von Daten und unstrukturierten Informationen aus allen möglichen Formaten, wie z. B. Videokonferenzen von Unternehmen mit Aktienanalysten. Mit KI ist es einfacher, mehr Emittenten von Anlageprodukten und mehr ratingrelevante Daten pro Emittent zu erfassen sowie die Ratings häufiger zu aktualisieren. ESG Book und Clarity.ai sind frühe Anbieter solcher KI-basierten ESG-Ratings.

Wenn KI dazu beiträgt, Anlagerisiken zu verringern, können die risikobereinigten Anlegerrenditen besser werden. Ich bezweifle jedoch, dass das (Overlay-)Risikomanagement von Portfolios durch KI wesentlich verbessert werden kann. In der Vergangenheit haben häufigere oder komplexere Risikosignale zur Änderung von Portfolios in der Regel nicht zu einer höheren Portfolioperformance geführt (vgl. Abschnitt Risiko-Overlay in Asset Allocation, Risiko-Overlay und Manager-Selektion: Das Diversifikationsbuch | SpringerLink).

AI ermöglicht andere Portfolios und zielgerichteteres Marketing

Durch die Nutzung der KI-basierten ESG-Daten von Clarity kann ich mein Portfolio aus etwa zwanzigtausend Aktien mit umfassenden ESG-Daten zusammenstellen (vgl. Noch eine Fondsboutique? – Responsible Investment Research Blog (prof-soehnholz.com)). So kann ich Portfolios aus Aktien mit geringen Kapitalisierungen (Small Caps) zusammenstellen, für die traditionelle ESG-Rater typischerweise keine Daten liefern. Durch die KI-basierte häufige Aktualisierung der ESG-Daten kann ich zudem schneller reagieren als es bei traditionellen ESG-Ratings mit jährlichen Aktualisierungen der Fall ist. KI kann natürlich auch mit nicht-Nachhaltigkeitsinformationen helfen.

Mehr Auswahlmöglichkeiten bedeutet auch mehr Individualisierungsmöglichkeiten. Es ist bekannt, dass Kunden länger in maßgeschneiderte Anlagen investiert bleiben als in Standard-Anlagen. Insgesamt kann deshalb eine auf KI basierende individuelle Portfolioanpassung für Anleger und Anbieter gleichermaßen attraktiv.

Es liegt auf der Hand, dass KI dazu beitragen kann, Marketingaktivitäten besser auf individuelle Bedürfnisse, auch die von nachhaltigen Investoren, abzustimmen. Maßgeschneidertes Marketing könnte durch KI so billiger und inhaltlich besser und damit überzeugender werden.

KI kann wahrscheinlich auch dazu beitragen, die Finanzbildung und Anlageberatung zu verbessern. Mit Hilfe von KI sollte es für AnlegerInnen einfacher werden, die vielen verschiedenen Facetten nachhaltiger Anlagen besser zu verstehen. Dies könnte zum Beispiel durch KI-basierte Antworten auf Anlegerfragen erreicht werden. Large Language Modelle (LLM) wie Bing, ChatGPT oder Google Bard sollten für solche Themen gut geeignet sein. Einfachen Fragen wie „Kann man mit ESG-Investments Outperformance erreichen“ können mit Standard-Antworten auf häufig geäußerte Fragen (FAQ) beantwortet werden. AI kann aber helfen, wenn es darum geht, zum Beispiel SRI- mit ESG- oder SDG-Fonds zu vergleichen.

Außerdem kann KI dazu beitragen, häufigere und detailliertere Berichte über nachhaltige Anlagen für Kunden zu erstellen. Auch das könnte dazu beitragen, den Umsatz zu steigern und Kunden zu binden. Aber mehr und häufigere Informationen können auch ein Verkaufsrisiko darstellen. In der Regel gibt es zu jeder Anlage auch negative Informationen. Wenn Anleger zusätzliche (KI-basierte) Negativinformationen über mehrere Portfoliobestandteile erhalten, werden sie möglicherweise ganz auf den Versuch verzichten, nachhaltig zu investieren. Meine Empfehlung für solche Fälle ist: Versuchen Sie, so nachhaltig zu investieren, wie Sie können. Auch wenn dies nicht perfekt ist, so ist es doch nachhaltiger als traditionelles Investieren.

Direkte AI-basierte ESG-Indexierung und Portfolio-Selbstanpassung

Meiner Meinung nach gibt es ein noch attraktiveres Angebot als die anbieterbasierte Portfolioindividualisierung, nämlich Portfolioanpassungen durch Anleger selbst. Ich plädiere für die Selbstanpassung besonders für nachhaltige Geldanlagen (vgl. „Custom ESG Indexing Can Challenge Popularity Of ETFs”).

Portfolios auf der grünen Wiese zu erstellen, dürfte für die meisten Anleger schwierig sein. Doch auch dafür gibt es schon KI-Angebote. Search4Stocks von Allindex.com ist ein Beispiel für ein entsprechendes kostenloses KI-basiertes Tool. Alternativ können Standard-Portfolios als Ausgangsbasis für Individualisierungen genutzt werden.

Direkte bzw. benutzerdefinierte ESG-Indizierung ermöglicht es Anlegern, ein regelbasiertes nachhaltiges Startportfolio („Index“) individuell anzupassen. Man könnte zwar auch mit nicht-regelbasierten Portfolios starten, aber die sind für Anleger meistens schwieriger nachvollziehbar. Auch eine starke Vorselektion der Ausgangsportfolios ist sinnvoll, damit Anleger ihre Anpassungen auf Basis von wenigen Dutzend und nicht einigen hundert Investments starten.

Für die Selbstanpassung können Nachhaltigkeitsinformationen genutzt werden. Portfolioanbieter können (KI-basierte) aktuelle Informationen zu ESG-Ratings oder Kontroversen in Bezug auf Portfoliobestandteile zur Verfügung stellen. Basierend auf solchen Informationen sollte es auch ohne detaillierte Finanzbildung einfach sein, Aktien aus den Startportfolio auszuschließen. KI kann auch eingesetzt werden, um Stimmrechtsausübungen und individuelle Engagements von Anlegern oder Aktionären bei Zielunternehmen zu unterstützen.

Selbst-angepasste nachhaltige Portfolios können wahrscheinlich sogar noch „klebriger“ sein als maßgeschneiderte Angebote von Anbietern und deshalb trotz des zusätzlichen Aufwands auch für Anbieter attraktiv sein.

Künstliche Intelligenz mit Nachteilen, aber positive Aspekte überwiegen

Da es nicht genügend gut ausgebildete ExpertInnen für nachhaltiges Investieren gibt, kann KI helfen, Lücken zu füllen und so zu mehr nachhaltigen Investments führen. Arbeitsplätze bei traditionellen Finanzunternehmen könnten durch KI jedoch gefährdet sein. Negativ sind auch Daten- und Knowhow-Sicherheitsprobleme und dass KI-Anwendungen viel Energie verbrauchen können, insbesondere wenn sie Bilder und Videos erstellen. Aber insgesamt könnte KI für nachhaltige Investitionen mehr Vorteile als Nachteile bringen.