Robo-Tools: Was beim Kauf zu beachten ist

Robo-Advisor Technologie für die Geldanlage wird immer mehr zur Commodity. Schon in 2015, bei der Gründungsvorbereitung für Diversifikator, gab es in den USA kostenlose Robo-Advisor Shareware  (s. z.B. wealthbot.io und diesen Blogbeitrag). Inzwischen gibt es auch in Deutschland mehrere kommerzielle Anbieter. Es ist davon auszugehen, dass immer mehr Banken, Assetmanager und andere Vermögensverwalter und auch Fondsvermittler künftig Robo-Tools nutzen werden. 

Unterschiedliche Gruppen von Anbietern

Neben „B2B“ Robospezialisten mit professionellen Zielkunden wie Fincite, Elinvar und Weadvise gibt es schon etwas länger am Markt etablierte Softwareanbieter wie aixigo (eigener Robo-Advisor siehe investify.com) und niiio (www.niiio.de; der eigene Robo unter www.niiio.com), die auch solche Services anbieten.

Hinzu kommen Robo-Advisors wie Ginmon, Growney, Investify, Scalable, United Signals, Vaamo, Whitebox und andere, die ihre ursprünglich reinen B2C (Endkundenorientierte) Plattformen auch anderen Anbietern in White Label Lösung anbieten (zu weiteren Anbietern siehe z.B.  die Digital Wealth Präsentation von micobo vom 13.12.2017 im Frankfurter Fintech Quartier).

Seit einiger Zeit bieten auch die sogenannten Pools bzw. Haftungsdächer Robo-Services bzw. Robo-Software an. Als weitere Gruppe kommen Depotbanken wie ebase mit Fintego und z.B. die DWS mit Wise und Union Investment mit MeinInvest hinzu. Auch Datenspezialisten wie vwd sind inzwischen auf der Angebotsseite zu finden.

Vier bis sieben Standard Robo-Tools

Dabei gibt es zahlreiche Gemeinsamkeiten aber auch Unterschiede in den Angeboten und viele Besonderheiten, auf die Interessenten achten sollten.

Fincite aus Mühlheim an der Ruhr, einer der B2B Pioniere in dem Markt, und Aixigo bieten Robo-Tools für 4 Bereiche an: Bei Fincite heissen sie „Analyse“ für die Kundenanalyse, „Allocate“ für die Assetallokation und Produktselektion, „Manage“ für die Orderausführung und „Interact“ und „Connect“ für Portfolioanalyse und Reporting. Aixigo nimmt eine ähnliche Aufteilung vor: „Profile“ für die Kundenanalyse und „Onboard“ für die Depoteröffnung, „Compose“ für die Assetallokation und Produktselektion, „Manage“ für die Orderausführung und „Analyse“, „Monitor“ und „Report“ für Portfolionanalyse und Reporting. Ähnlich ist es bei Elinvar mit „Portal“, „Onboarding“, „Investmentmanagement“, „Bank- und Ordermanagement“ und „Kommunikation und Reporting“.

Dazu kommt bei Fincite noch „Save“ für Sparprogramme und „Discuss“ bei aixigo für die Interaktion zwischen Anbieter und Kunde.

Unterschiedliche Anforderungen von Neu- und Bestandskunden

Natürlich unterscheiden sich die Angebote in vielerlei Hinsicht, z.B. in Bezug auf die User Experience und die dahinter liegende Technik. Dabei sind einige Dinge zu beachten: Zunächst muss man zwischen Neukunden und Bestandskunden unterscheiden. Um Neukunden zu gewinnen, darf man Interessenten vor allem bei der Kundenanalyse und dem technischen Onboarding nicht verlieren. Bei diesen Prozessschritten gibt es oft relativ viele Abbrecher, so dass ein sehr guter Kundensupport des Modulnutzers in dieser Phase sehr wichtig ist. Die Technik der Online-Legitimation und auch der Depoteröffnung ist dagegen inzwischen schon „Commodity“.

Diese Robo-Tools werden aber nur für Neuanleger (Legitimation) bzw. zur jährlichen Risikoüberprüfung genutzt, andere Tools können häufiger genutzt werden und sind eher zur Differenzierung geeignet.

Risikoanalyse meist anhand von Volatilitäts- und nicht Verlusttoleranz

Die Erfüllung regulatorischer Mindestanforderungen bei der Analyse bzw. Klassifikation von Interessenten ist selbstverständlich. Darüber hinausgehende Fragen an Interessenten verlängern den Prozess und werden daher aus UX (User Experience) Gründen kritisch gesehen. Zusatzinformationen abzufragen ist zudem nur sinnvoll, wenn diese Informationen im weiteren Prozess auch genutzt werden. Das scheint nicht immer der Fall zu sein.

Fast alle Standard-Softareangebote bestimmen die Risikotragfähigkeit von Anlegern dabei anhand von Schwankungstoleranzen (Volatillitätstoleranz) und die angeblich idealen Portfolios anhand von deren historischen Schwankungsdaten. Für Anleger sind aber die möglichen Verluste mit Kapitalanlagen relevanter als ihre Schwankungen. Ausserdem sind Anleihen in den letzten Jahrzehnten meist nur sehr wenig volatil gewesen bzw. haben gute Renditen gehabt, was sich aber künftig leicht ändern kann, so dass ein reiner Bezug auf Vergangenheitsdaten kritisch sein kann. Zudem können unterschiedliche genutzte  Zeiträume zu sehr unterschiedlichen Resultaten kommen, z.B. je nachdem, ob das Krisenjahr 2008 berücksichtigt wurde oder nicht (siehe z.B. diesen Blogbeitrag  und auch den „Pseudo-Optimierer“ auf www.diversifikator.com zu den starken Sensitivitäten klassischer Optimierungen oder diesen Blogbeitrag). 

Meist einfache Allokationen aus Aktien und „risikoarmen“ Anleihen

Auch bei der Assetallokation sind oft nicht so viele Unterschiede zu finden: Anleihen werden als weitgehende risikolos angesehen und Aktien sind für die Rendite zuständig. Je nach Anzahl der gewünschten Risikoprofile werden Mischungen von 20 Prozent Aktien bis zu 100 Prozent Aktien angeboten. Manchmal findet man noch Rohstoff-Future-Produkte in den Portfolios und Immobilienaktien. Es gibt nur wenige Ausnahmen. So nutzt Liqid auch klassische alternative Anlagen, das aber erst ab relativ hohen Mindestinvestments.

Manche Robo-Advisors bieten inzwischen auch Themenportfolios an.

Meist werden nur liquide replizierende ETFs genutzt

Auch bei der Produktselektion gab es zunächst kaum Unterschiede. Meistens wird nur auf ETFs zurückgegriffen. Die ETFs sollen meistens replizierend („Derivatefrei“) und nicht synthetisch sein und möglichst kostengünstig und liquide, dabei handeln einige Anbieter kaum und ETF-Liquidität müsste daher nicht so wichtig für sie sein. Auf Risiken von Wertpapierleihen von ETFs, die nicht so häufig kritisiert wurden wie Derivatenutzung,  wird manchmal  dagegen nur im „Kleingedruckten“ hingewiesen.

Inzwischen gibt es einige – zumeist „abhängige“ Robo-Advisors, die auch aktive Fonds berücksichtigen. Das führt zu relativ teuren Portfolios.

Zunehmend kommen auch Robo-Advisors an den Markt, die „aktiv“ einzelne Aktien selektieren und zu Portfolios kombinieren. Die Portfolios werden oft „aktiv“ gemanagt, was ebenfalls typischerweise zu relativ hohen Gebühren führt.

Auf die effiziente Orderausführung achten

Offenbar ist eine effiziente Order-Umsetzung nicht so einfach. Aktueller Marktführer in Bezug auf Robo-Kooperationspartner und durch die Zusammenarbeit mit Scalable wohl auch in Bezug auf die Assets under Management ist die Baader Bank. Mit einigem Abstand folgen die DAB und ebase. Auch die Sutor Bank, die FFB und die ING-DiBa haben konzernunabhängige Robo-Advisors als Kunden. Andere Onlinebanken, Retail-Depotbanken und sogenannte Vermögensverwalter-Banken sind bisher dagegen öffentlich noch kaum in Erscheinung getreten. Aber sie arbeiten an den Themen, wie zum Beispiel diverse Vorträge auf dem Fondskongress in Mannheim vom Januar zeigen.

Zu den Orderingtools zählen auch sogenannte Rebalanzierungstools. Je nach Konzept werden Robo-Portfolios unterschiedlich oft rebalanziert. Der „Aktivitätsindex“ von brokervergleich.de für Februar 2017 bis Januar 2018 zeigt, wie oft es in den Depots zu Umschichtungen kommt: „Während GINMON bisher keinen einzigen Kauf beziehungsweise Verkauf tätigte, sind zum Beispiel Whitebox und Scalable Capital zeitweise sehr aktiv“ heisst es dort.

Besonders bei vielen Umschichtungen braucht man eine gut funktionierende Rebalanzierungssoftware und für kleine Anlagevermögen auch die Möglichkeit, „Bruchteile“ von ETFs bzw. Aktien  umzusetzen, denn die mit Rebalanzierungen verbundenen Transaktionskosten können für Anleger oder Anbieter sehr hoch sein, wenn die Depotbank keine effiziente Umsetzungsmöglichkeit bietet.

Einige der Depotbanken haben (noch) keine effizienten standardisierten Vermögensverwaltungsprozesse und manche wickeln nur Fonds und keine Einzelwertpapierportfolios ab.

In den USA wird von Robo-Advisors auch noch Tax Loss Harvesting angeboten. Steuerinduzierte Verkäufe bzw. Käufe von Portfoliobestandteilen sind jedoch in Deutschland aktuell nicht attraktiv.

Defizite bei Analyse- und Reportingtools

Portfolioanalyse- und Reportingtools hänge stark davon ab, was die jeweilige Depotbank an Daten liefern kann. In Bezug auf adäquate Benchmarks und Peergroups aber auch einfache Faktoranalysen ist hier offenbar noch Einiges zu tun. Nur wenige Robo-Advisors liefern genug gute Informationen, Daten und Tools, um intensive Analysen vor einer Investition zu ermöglichen. In kaum einem Fall können Endanleger die Assetallokationen und Wertpapierselektionen sowie das Risikomanagement vorab ordentlich prüfen.

In Bezug auf Kommunikationstools gibt es heute dagegen schon sehr kostengünstige Lösungen für Onlinechats. Gute Standard-Chatbots habe ich dagegen noch nicht gesehen. Aber das wird sicher noch kommen.

Die Wahl der richtigen Partner ist sehr wichtig

Wenn man einen „eigenen“ Robo-Advisor entwickelt, steht die Definition der Vertriebsstrategie an erster Stelle (s. z.B. diesen Blogbeitrag). Erst danach sollte die Definition der Anlagestrategie und anschliessend die Selektion der Depotbank folgen. Der Robo-Software-Lieferant und die passenden Robo-Tools können zuletzt ausgewählt werden. Wenn man keine eigenen Ressourcen für ein solches Projekt hat, sollte man einen Unternehmensberater mit einschlägiger Erfahrung dafür engagieren.

Wenn man einen eigenen Robo-Advisor möglichst schnell implementieren möchte, sollte man sich einen Robo-Partner suchen, der schon erfolgreich mit der gewünschten Depotbank zusammenarbeitet.

Auch die Frage, wie lange die Partner am Markt bleiben werden und wie sie ihre Software weiter entwickeln werden, ist von entscheidender Bedeutung. Diesbezüglich haben etablierte und größere Anbieter sicher Vorteile gegenüber neuen Wettbewerbern, die dafür vielleicht mit niedrigen Kosten und höherer Flexibilität punkten können.

Ausserdem sollte man darauf achten, inwieweit die Kooperationspartner mit eigenen Lösungen mit einem selbst im Wettbewerb stehen. Dabei ist der Schutz der Endkundendaten besonders wichtig.

Lizenzen können ein weiteres Selektionskriterien sein. So sind Anbieter ohne Vermögensverwaltungslizenz darauf angewiesen, mit Partnern zu koopieren, die sie unter ihr Haftungsdach nehmen. Das kann auch die Depotbank übernehmen.

Hinweis: Mein Unternehmen Diversifikator entwickelt innovative und besonders online geeignete „most passive“ und „Pure ESG“ Portfolios für Partner (B2B-Ansatz). Diversifikator arbeitet  – je nach Kundenanforderung – mit unterschiedlichen Beratern, Softwareanbietern und Depotbanken zusammen (offene Plattform).

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