Robo-Advisors sind auch für Stiftungen interessant

Passen Stiftungen und Robo-Advisors zusammen? In Deutschland gibt es über zwanzigtausend Stiftungen. Die meisten von ihnen sind sehr klein. Nur sehr wenige verfügen über eigene Kapitalanlagespezialisten. Stiftungen ohne eigene Anlagespezialisten werden oft von stiftungserfahrenen Beratern in- oder auch außerhalb von Banken beraten.Stiftungen haben meist mehrere externe und interne Kapitalanlagevorschriften zu berücksichtigen. Diese besagen vor allem, dass Stiftungsgelder risikoarm und liquide angelegt werden sollen. Regelmäßige Ausschüttungen der Kapitalanlagen sind meist nicht unbedingt nötig, werden aber oft gewünscht. Stiftungen wünschen sich ausserdem eine hohe Transparenz ihrer Kapitalanlagen. Zunehmend werden auch verantwortliche bzw. ESG-Anlagen (ESG steht für Environment, Social, Governance) angefragt.

Seit einigen Jahren gibt es sogenannte Stiftungsfonds, welche die Anlagevorschriften von Stiftungen erfüllen und insgesamt den Anlagewünschen von Stiftungen entsprechen sollen. Die meisten sind Mischfonds der SRRI bzw.  KIID (Key Investor Information Document) Risikokategorie 3. Das heißt, diese Fonds haben in den vorangegangenen fünf Kalenderjahren eine relativ geringe Schwankungsanfälligkeit gezeigt. Die Rendite der Stiftungsfonds war aber in der den vergangenen Jahren oft nicht besonders attraktiv. Einer der Gründe dafür könnten die relativ hohen Kosten vieler Angebote sein. Von manchen Beratern (z.B. Portfolio Consulting, Quelle s.u.) wird ausserdem bemängelt, dass Stiftungen bei den Fonds nicht unter sich bleiben sondern auch Privatanleger Zugang zu den Stiftungsfonds haben. Das könne für unerwünschte Ab- und Zuflüsse bei den Fonds sorgen.

Ein Kritikpunkt an den Stiftungsfonds fehlt mir in der Analyse von Portfolio Consulting: Die meisten Stiftungsfonds verlassen sich auf (kurzlaufende) Anleihen als sogenannte risikofreie Anlage. Viele Anleihen sind aber trotz oft formal guter Ratings nicht risikofrei, wie man z.B. in der sogenannten Eurokrise sehen kann. Mit den von vielen Experten erwarteten steigenden Zinsen werden Anleihen zudem nennenswerte Verluste aufweisen. Ausserdem bringen kurzlaufende Anleihen seit einiger Zeit negative Zinsen mit sich, was sich auch auf die Stiftungsfonds negativ auswirkt.

Und was haben Robo-Advisor damit zu tun, die ja in ihrer Reinform automatisierte Geldanlagen für Kleinanleger anbieten?

Mir fallen kaum Argumente ein, warum Stiftungen, die sich für Stiftungsfonds interessieren, keine Robo-Advisors nutzen sollten. Ein Grund könnte der mangelnde Track-Record vieler Robo Advisors sein. Aber ein  vergangener Track Record ist nicht notwendigerweise ein guter Indikator für einen künftigen Track Record. Bei meiner Firma Diversifikator kommt hinzu, dass sogar die Asset Allokation passiv ist und damit der Track Record eine viel geringere Rolle spielt als bei aktiv gemanagten Fonds.

Mir fallen aber viele Argumente ein, warum Stiftungen sich Robo-Advisor Angebote ansehen sollten:

Das möchte ich am Beispiel der von Diversifikator angebotenen Portfolios erläutern:

  1. Robo-Advisors bieten meist sehr liquide diversifizierte Mischfonds auf Basis mehrerer ETFs an, auch in den von Stiftungen gewünschten KIID Risikoklassen 3 und 4. Die Stiftungsfonds enthalten überwiegend Anleihen und einen relativ geringen Anteil an Aktien von Großunternehmen aus entwickelten Ländern. Das ist bei den meisten Robo-Advisors ähnlich. Diversifikator sieht Anleihen nicht als risikofreie Anlage an, sondern dafür wird „Cash“ genutzt. Diversifikator Portfolios sind zudem meist besonders breit diversifiziert und enthalten z.B. auch Immobilien-, Infrastruktur- und Private Equity-Aktien. Damit können auch kleine Stiftungen Zugang zu ansonsten illiquiden Anlagesegmenten bekommen.
  2. Die von Robo-Advisors angebotenen Portfolios sind meist sehr kostengünstig im Vergleich zu Stiftungsfonds. Für Diversifikator-Portfolios werden inklusive Beratung 1% pro Jahr plus ETF-Kosten auf den „Renditeteil“ des Portfolios verlangt, der bei Stiftungen oft nur 30-50% betragen sollte.  Für Stiftungen mit eigenen Kapitalanlageexperten, die keine externe Beratung nutzen, reduziert sich die Gebühr auf  0,25% p.a. auf den Renditeteil zuzüglich der ETF-Kosten.
  3. Die von Robo-Advisors angebotenen Portfolios sind meist ziemlich transparent. So legt Diversifikator sämtliche Regeln zur Allokation und ETF-Selektion und jederzeit auch alle Portfolios offen (siehe auch Blogbeitrag).
  4. Robo-Advisors bieten zudem mehr oder weniger ausgefeilte Tools zur Risikoeinschätzung von Anlegern an, die auch von Stiftungen genutzt werden können. So verweist Diversifikator auf das wissenschaftlich basierte Tool auf www.behavioral-finance.de. Resultat des Tools sind empfohlene KIID Risikoklassen, nach denen (auch Stiftungen) Portfolios auswählen können.
  5. Robo-Advisors nutzen meist ETFs, die Indizes direkt nachbilden und bei denen Zu- und Abflüsse von (Klein-)Anlegern in der Regel keinerlei negativen Auswirkungen für Stiftungen haben.
  6. Zumindest Diversifikator bietet schon seit Gründung ESG (Environment, Social und Governance-) Portfolios auf ETF-Basis an. Solche diversifizierten ESG-Lösungen sind unseres Wissens bisher einmalig. Sogar das islamische Portfolio von Diversifikator kann für Stiftungen interessant sein, denn es enthält keine Finanzdienstleister und nur niedrig verschuldete Unternehmen. Selbst für größere Stiftungen gibt es mit dem Alternatives-ETF Portfolio eine neuartigen liquiden, diversifizierten und kostengünstigen Zugang zu Immobilien, Infrastruktur, und Private Equity.

Eine Kapitalanlage über einen Robo-Advisor kann auch unter Governance Aspekten für Stiftungen interessant sein, vor allem, wenn es von einem (externen) Stiftungsexperten überwacht und gegebenenfalls gesteuert wird.

Nachtrag vom 27.3.2018: Heute war in Fachmedien zu lesen, dass ein (anderer) Robo-Advisor künftig auch institutionelle Anleger als Zielgruppe sieht, speziell Stiftungen (siehe hier). Mit den direkten ESG Aktienportfolios (s. www.diversifikator.com) hat Diversifikator bereits seit Monaten Angebote für Stiftungen und andere institutionelle Anleger im Angebot.

Quelle zu den im diesem Beitrag erwähnten Zahlen und teilweise den Inhalten: Thomas Schemken, PC Portfolio Consulting GmbH: Stiftungsfonds 2015, Allheilmittel für Stiftungen?  Mai 2015

Interessenkonflikt-Hinweis: Ich bin Gesellschafter und Geschäftsführer der Diversifikator GmbH

 

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