ESG Ratings, Direct Indexing etc.: Research und News

Mehr als ESG Ratings: Befragungen und Meinungen

In „Amazonig is the future of European financial services” von PWC und Luxembourgforfinance heißt es auf Seite 7 des über 50seitigen Berichtes vom September 2019: “The future of the European financial services industry will be driven by three trends, namely amazonization, sustainable finance and multipolarisation”.

 „Nachhaltige Geldanlagen 2019“ ist der Titel einer gemeinsamen Studie von Cofinpro und VÖB-Service vom 11. September 2019, die z.B. auch auf einzelne „Siegel“ eingeht. In der Zusammenfassung auf Seite 36 heißt es: „Banken tragen eine besondere Verantwortung“. In der Pressemitteilung dazu steht: „87 Prozent der befragten Banken und Finanzdienstleister davon überzeugt, dass nachhaltige Geldanlagen an Bedeutung gewinnen werden. Die Branche …. erwartet in der Mehrheit keine Rendite-Einbußen.“

NN Investment Partners hat am 12. September die Ergebnisse einer Befragung von 290 professionellen Investoren aus Europa veröffentlicht („Investorenumfrage: Bandbreite nachhaltiger Anlagemöglichkeiten muss größer werden“). Dort steht: „Fast jeder zweite professionelle Investor (46 %) meint, das Spektrum an Anlagemöglichkeiten reiche noch nicht aus, um nachhaltige Investments zu einem massentauglichen Angebot zu machen. Ähnlich viele Umfrageteilnehmer (44%) sind zudem der Ansicht, es fehle an Research und Informationen über verantwortungsbewusste Anlagen, die ihnen bei ihrer Entscheidungsfindung helfen.“ Mein Kommentar: Verantwortungsvolle Online-Angebote können helfen, siehe http://prof-soehnholz.com/robo-esg-verantwortungsvolle-online-investments-im-vergleich/

ESG Ratings: Datenprobleme erschweren die Umsetzung

Im IPE Magazin vom September 2019 schreibt Professor Andreas Hoepner: “Viewpoints: Investment as the saviour”. Dort heisst es unter anderem unter Verweis auf  https://climatedisclosure100.info/: “Academics estimate that only 21 firms worldwide report their complete scope-one GHG emissions, while thousands of firms underreport or avoid reporting altogether”.

Four Things No One Will Tell You About ESG Data” von Sakis Kotsantonis und dem bekannten Harvard-Professor George Serafeim vom 16. Juli 2019 ist sehr interessant, z.B. auf Seite 4 die „more than 20 different ways that companies report their Employee Health and Safety data”.

ESG Ratings: Alle anders?

Why is Corporate Virtue in The Eye of The Beholder? The Case of ESG Ratings” nennen Dane Christensen, George Serafeim und Anywhere Sikochi ihr Arbeitspapier vom April. In der Zusammenfassung steht: “There is substantial disagreement across rating agencies regarding what rating to give to individual firms”. Aus meiner Sicht unerwartet: “Greater ESG disclosure leads to greater ESG disagreement across rating agencies” und “rating disagreement is greater when firms have high or low average ESG ratings”.

Dazu passt auch der Report von Rakhi Kumar und Ali Weiner von State Street vom März 2019: „The ESG data challenge“, die relativ geringe Korrelationen aggregierter ESG Ratings bekannter Anbieter finden.  

Aggregate Confusion: The Divergence of ESG Ratings” heisst ein Arbeitspapier von Florian Berg, Julian Koelbel und Roberto Rigobon von der Universität Zürich und MIT vom 15. August. Erschreckend ist: Selbst einfach zu analysierende Tatbestände wie UN Global Compact Mitgliedschaft oder die Trennung von Vorstand und Aufsichtsrat werden unterschiedlich beurteilt (S. 19). Allerdings sind Ratingkategorien wie „Umwelt“ (s. S. 18) durchaus hoch miteinander korreliert.  Mein Kommentar: Auch das spricht gegen aggregierte Ratings für unabhängige Mindestratingscores für die Segmente Umwelt, Soziales und Unternehmensführung. Und: Es gibt viele Vorteile von ESG Ratings, siehe http://prof-soehnholz.com/esg-ratings-kritik-an-flossbach-kritik/

Aber die Performance ist gut: Morningstar hat im August den „European Sustainable Funds Landscape“ veröffentlicht.Auf Seite 20 heißt es in Bezug auf Fondsrenditen in Relation zu ihren traditionellen Peergroups: „For the trailing five years, the returns of 59.4% of sustainable funds landed in their category’s top half.” In der zugehörigen Tabelle wird deutlich, dass das nicht nur für Aktienfonds, sondern auch für Anleihe- und Mischfonds gilt.

ESG Ratings sind nicht alles: Taxonomie und Regulierung

In institutional money wurde am 3. September die Kommission vorgestellt, der ich auch angehöre: „DVFA Kommission Sustainable Investing ist Denkfabrik, Diskussionsforum. „… Die Kommission will verantwortungsvolles Investieren in Deutschland voranbringen“, sagt (Dr. Hendrik) Pontzen“, der Leiter der Kommission. In dem Bericht werden auch einige Ergebnisse einer DVFA Befragung veröffentlicht, u.a. diese Einschätzung: „So sind sich beispielsweise 59,6 Prozent der Befragten einig, dass viele Akteure in der Finanzindustrie (u.a. Analysten, Fondmanager, Risikomanager) nicht über das nötige Wissen und die Erfahrung bezüglich Nachhaltigkeitskriterien verfügen.“

Am 9. September hat die Kommission eine folgende zum Taxonomy-Report der Europäischen Union veröffentlicht (s. hier). Mein eigener Kommentar dazu: http://prof-soehnholz.com/nachhaltigkeitstaxonomie-der-eu-positive-aspekte-aber-insgesamt-enttaeuschend/

Sara Bernow et al. von McKinsey haben im April eine gute Zusammenfassung veröffentlicht: „A short glossary of sustainability reporting terms“.

ESG Ratings sind nicht alles: Richtiges tun, nicht nur Papier produzieren

In “Fossil fuel subsidies in draft EU National Energy and Climate Plans” von Laurie van der Burg (Friends of the Earth Netherlands), Markus Trilling (Climate Action Network Europe) and Ipek Gençsü (Overseas Development Institute) vom 9. September steht in der Zusammenfassung: “European Union (EU) Member States are required to report on their fossil fuel subsidies and their plans to phase them out as part of their National Energy and Climate Plans (NECPs). Our analysis shows that none of the draft NECPs submitted provides a comprehensive overview of the country’s fossil fuel subsidies nor a comprehensive plan to phase them out.” Und Deutschland wird kritisiert, weil sogar neue Subventionen diskutiert werden. „Despite numerous international commitments to end them, and some limited progress on reform, all EU governments continue to provide high levels of subsidies to fossil fuels.”

Für Alles-Leser: Adapt now: A Global Call for Leadership on Climate Resilience” heisst ein 90seitiger Bericht der Global Commission on Adaptation und dem World Resources Institute vom September. Die Zusammenfassung: “This report focuses on making the case for climate adaptation, providing specific insights and recommendations in key sectors: food security, the natural environment, water, cities and urban areas, infrastructure, disaster risk management, and finance. It is designed to inspire action among decision-makers, including heads of state and government officials, mayors, business executives, investors, and community leaders.”

Auch für Alles-Leser:  Eine “Independent Group of Scientists appointed by the Secretary-General” hat am 11. September den 250seitigen Global Sustainable Development Report 2019: The Future is Now – Science for Achieving Sustainable Development veröffentlicht. Darin wird auch auf die Rolle von “Economy and Finance“ eingegangen. Meine Meinung: Es sollte lieber mehr gehandelt, z.B. in Bezug auf Subventionsabbau, und weniger geplant bzw. beschrieben werden. 

Soziales ist auch sehr wichtig: „Entwicklung der Altersarmut bis 2036“ heisst eine neue Simulationsstudie der Bertelsmann-Stiftung. In der Zusammenfassung steht, „dass das Armutsrisiko über die Zeit ansteigt“ (S. 7). Und auf Seite 8 heisst es: „Über den gesamten Zeitraum ist das Risiko besonders hoch für Personen mit geringer Bildung, alleinstehende Frauen und Personen, die von Langzeitarbeitslosigkeit betroffen waren oder die einen Migrationshintergrund haben. …. Für Haushalte in Ostdeutschland steigt das Armutsrisiko stark an.“ Mein Kommentar: Trotzdem habe ich bisher für mein Sozialprojekt (s. www.wohnteilen.de) noch keine Kooperationspartner gefunden. Aber ich gebe nicht auf.

News zu traditionellen Investments

Heinz-Roger Dohms veröffentlich am 12. September in seinem exzellenten Blog www.finanz-szene.de den Beitrag „Wir lösen das 284-Mrd.-€-Rätsel der deutschen Sparkassen“. Von den 284 Milliarden sind ca. 200 Milliarden in „Schuldverschreibungen und andere festverzinsliche Wertpapiere“ angelegt, etwa 14 Milliarden sind in Immobilien und nur ca. 9 Milliarden in Aktien. Über die „fehlenden“ etwa 60 Milliarden wird nichts geschrieben. Transparenz geht anders, liebe öffentlich-rechtlichen Sparkassen.

The Volatility Effect Revisited“ heisst ein gutes Arbeitspapier von David Blitz, Pim van Vliet und Guido Balthussen von Robeco vom 26. August zu einer der wenigen „Anomalien“, die nicht verschwunden sind (so wie Value ….), und die eine Grundannahme der klassischen Geldanlage in Frage stellen: Volatilität ist kein gutes Risikomaß, siehe auch hier http://prof-soehnholz.com/schwankungen-sind-tolerierbar-intransparenz-nicht/

News zu alternativen Investments

Offene Immobilienfonds glänzen mit steigenden Erträgen“ heißt es bei Fondsprofessionell online am 13. September in Bezug auf eine Analyse von Scope. Mein Kommentar: Die Renditen um die 4% sind ja nicht schlecht. Ein Vergleich mit Immobilienaktieninvestments hätte aber gezeigt, dass „gut“ auch „relativ schlecht“ sein kann. So hat mein globales Immobilienaktien ESG Portfolio in 2019 bis zum 13.9. +29,5% an Wert zugelegt (s. www.diversifikator.com).

Dagegen kann Crowdinvesting in Immobilien keine Wunder vollbringen. „Die verdeckte Erlös-Maschine des Wunder-Fintechs Exporo“ von 12. September macht Christian Kirchner auf www.finanz-szene.de transparent, wie gut Anbieter verdienen können bzw. wie teuer solche Investments für Anleger sein können.

Wealthtech, Robo-Advice und Direct Indexing News

Orcun Kaya von Deutsche Bank Research veröffentlicht am 30. August einen Bericht unter dem Titel „Wer geht noch in die Bankfiliale?“ Interessant: Filialen sind für vermögende Anleger besonders wichtig. Fazit: „Die Zukunft der Filialen wird wahrscheinlich in hybriden Lösungen liegen, bei denen Bankmitarbeiter und Technologie in einem gemeinsamen Portal (Hub-and-Spoke) zusammengeführt werden“ (siehe auch http://prof-soehnholz.com/hybridmodelle-worauf-traditionelle-finanzdienstleister-bei-robo-advisors-achten-sollten/).

Auch ETF-Profis nehmen mein Lieblingsthema Direct Indexing inzwischen sehr ernst: „Beyond ETFs: Direct Indexing“ schreibt Dave Nadig am 3. September auf seiner Seite www.etf.com. Zusammenfassend steht dort: „I think it’s the best development for the advisory market since the invention of the ETF. …. This fundamentally enhances the client conversation through customization” (siehe auch http://prof-soehnholz.com/direct-esg-indexing-die-beste-esg-investmentmoeglichkeit/).

The Advisor’s Case for Smart Beta Direct Indexing” von John West und Amie Ko von Research Affiliates vom September 2019 geht ebenfalls auf Direct Indexing ein. Von Smart Beta halte ich aber nichts, auch wenn mir die Webseite www.smartbeta.de gehört (günstig zu verkaufen; Kritik siehe auch http://prof-soehnholz.com/faktorinvestments-alles-andere-als-passiv/).

Zu “schlechter” Letzt: Erik Sherman hat am 29. August diesen interessanten kritischen Artikel veröffentlicht: „Fintech ‚doing good‘ can turn into something bad for poor people.“

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