ESG paradox: Viel Interesse, aber wenige Angebote für Privatkunden

ESG paradox: Viel Interesse aber wenig Fairtrade und noch weniger nachhaltige Investments

Ulrike Arp schreibt am 4. Juli über eine Umfrage von M Science von Group M zum nachhaltigen Konsum mit der Überschrift „Die Deutschen entdecken die Nachhaltigkeit“: „Rund 30 Millionen Deutschen ist das Thema Nachhaltigkeit wichtig, sagen die Forscher. Darunter weisen etwa neun Millionen eine stark ausgeprägte nachhaltige Einstellung auf. Diese Zielgruppen sind überwiegend weiblich, verfügen über eine höhere Bildung und ein überdurchschnittliches Haushaltsnettoeinkommen.“

Deutsche kaufen mehr Fairtrade“ schreibt Stephanie Diemand in der FAZ vom 18.7. (S.20) mit Verweis auf das „Forum Fairer Handel“. Mehr ist aber nicht unbedingt viel. Denn dort steht auch: „Pro Kopf gab jeder Deutsche im vergangenen Jahr 20,50 Euro für fair produzierte Lebensmittel, Textilien und Handwerksprodukte aus“. Damit sind „geschätzte 99% des Handels nicht fair“, sagt Manuel Blendin, Geschäftsführer des Forums.

Mein Kommentar: Wenn nachhaltige Geldanlagen auch so wenig angenommen werden, können traditionelle Anbieter sich entspannen. Allerdings sind „faire“ Waren meist teurer als „nicht faire“. Nachhaltige Geldanlagen müssen dagegen nicht teurer sein als traditionelle. So sind nachhaltige ETFs erheblich günstiger als aktive traditionelle Geldanlageangebote, auch wenn sie (noch) etwas teurer sind als traditionelle ETFs (siehe auch hier: http://prof-soehnholz.com/verantwortungsvolle-investments-im-vergleich-sri-etfs-sind-besser-als-esg-etfs/).

Außerdem kann Robo-Advisor Technologie bei der Kostensenkung für nachhaltige Geldanlagen helfen (siehe auch hier: http://prof-soehnholz.com/statt-kannibalisierung-esg-robo-oder-alternatives-robo/). Deshalb bin ich zuversichtlich, dass nachhaltige Geldanlagen schneller erfolgreich werden als Fairtrade. Das gilt vor allem dann, wenn gezeigt wird, dass nachhaltige Anlagen keine Performance oder Risikonachteile haben müssen und außerdem sogar mehr für die Umwelt tun können, als (nur) nachhaltiger Konsum (siehe http://prof-soehnholz.com/sind-nachhaltige-geldanlagen-wichtiger-als-nachhaltiges-verhalten/).

ESG paradox: Jugend ist aktiv, Unternehmen weniger

Im Gothaer Makler-Blog hat Lars Nievelstein Anfang Juli auf einige gute Studien hingewiesen.  So wurde in der 2019er Europäischen Jugendstudie von TUI (S. 23.) festgestellt, dass 43% aller Befragten in den letzten 12 Monaten im Bereich Umweltpolitik und Tierschutz politisch aktiv waren. In Deutschland sind es 41%. Damit liegt dieses Thema auf dem ersten Platz der Aktivitäten.

Unternehmen reagieren nicht auf Klimaziele“ heißt es bei portfolio institutionell online am 12. Juli unter Verweis auf eine Studie von Transition Path Initiative. „Demnach sind nur 46 Prozent dieser Unternehmen in der Lage, den Klimawandel adäquat in Unternehmensentscheidungen zu berücksichtigen.“ Für meine Corporate Social Responsibility Idee ist deshalb die Zeit wohl noch nicht reif (siehe http://prof-soehnholz.com/csr-und-esg-verantwortungsvolle-geldanlageangebote-fuer-mitarbeiter-und-kunden/).

ESG paradox: Nachhaltige Investments im Detail

Guido Giese von MSCI hat im Juni einen interessanten Beitrag veröffentlicht (s. hier). In dem Beitrag wird u.a. anschaulich gezeigt, dass Ausschlüsse nicht ideal für Risiko/Rendite-Relationen sind. Die Nachteile können aber sogar durch die Nutzung einfacher aggregierte ESG-Scores überkompensiert werden (Abb. 10, S. 16). Meine Meinung: Ohne Tracking Error Restriktionen (siehe hier http://prof-soehnholz.com/esg-investments-warum-weder-aktive-fonds-noch-etfs-ideal-sind/) und mit separaten E, S und G Mindestscores (wie beim Diversifikator PureESG-Ansatz) könnten die Resultate noch besser sein.

In „Clearing the scope around cannabis“ hat MSCI im Juni einen guten Beitrag zu dem Thema veröffentlicht. Meine Meinung: Zumindest „recreational use“ sollte aus nachhaltigen Portfolios, die Tabak und Alkohol ausschließen, ebenfalls ausgeschlossen werden (so mache ich das jedenfalls, siehe hier  http://prof-soehnholz.com/sehr-gute-pure-esg-performance-und-diversifikators-regelaenderungen-fuer-2018/).

Robo Advisors generell

A mid year look at digital investing” ist ein guter Beitrag von Efi Pylarinou zu US Robo-Advisors. Meine Meinung: Vor allem der Erfolg von Personal Capital ist beachtlich, denn dieser Robo Advisor ist ziemlich teuer.

In dem Arbeitspapier von Catherine D‘Hondt et al. vom 6. Juli „Artificial Intelligence Alter Egos: Who benefits from Robo-Investing“ wird festgestellt, dass AI gut für Anleger sein kann. Wenn man aber die Details beachtet stellt man fest, dass passive ETF-Anlagen meist noch viel besser funktioniert hätten (S. 35). Mein Reden: http://prof-soehnholz.com/big-data-und-machine-learning-verschlechtern-die-anlageperformance/.

Norbert Wulf schreibt am 25. Juli in Private Banking Magazin online über das 3. Robo-Advisor Ranking von CapitalMasse der digitalen Vermögensverwalter enttäuscht“. „Aktive Manager“ sind aber (noch) schlechter: Am selben Tag heißt es in derselben Publikation von Christian Nicolaisen: „Zwischenstand beim Fuchs Performance-Projekt: „Vermögensverwalter mit Performance Problemen“. Das gilt auch für „schwierige Anlagezeiten“. Mein Kommentar:  Die investierbaren passiven Benchmarkportfolios von Diversifikator stehen gegenüber beiden Gruppen gut da.

Nachdem Scalable seine Kooperation mit Siemens bekanntgegeben hatte, war es lange Zeit ruhig zum Thema „digitale Altersvorsorgekooperationen“. Am 19. Juli kam dann folgende News für Österreich: „Digitaler Vermögensverwalter von Spängler kooperiert mit Porsche“ (Private Banking Magazin online). Meine Meinung: Das Thema hat Zukunft, vor allem wenn auch nachhaltige Angebote gemacht würden (weitergehend siehe http://prof-soehnholz.com/robo-advisor-unterstuetzung-fuer-die-bav/).

ESG paradox: Robo Advisors, Nachhaltigkeit und Direct ESG Indexing

Die amerikanische Ethic.investment, die ein ähnliches Geschäftsmodell wie Diversifikator verfolgt, erhielt in einer Finanzierungsrunde von insgesamt 13 Mio. US Dollar auch Geld von Fidelity, schreibt Ryan Neal am 18. Juli in Investment News unter dem Titel „Fidelity, Dynasty back new techpowered ESG asset manager“.

Am selben Tag wurde bekanntgegeben, dass sich die Allianz, Commerz Real und das Land Hessen mit 20 Millionen USD an S-Ray, der ESG Daten-Tochter des ESG Spezialisten Arabesque beteiligt (Siehe z.B. hier).

Am 24. Juli schreibt Nir Kaissar bei Bloomberg „Disruptive ETFs face an ESG disruption themselves“ über meine Lieblingsthema Direct ESG Indexing. Meine Meinung: Ich teile seine Kritik an ESG ETFs, aber konsequentes Direct ESG Indexing im Sinne von Einzeltitelbasierten Portfolios mit Deselektionsmöglichkeit (siehe hier http://prof-soehnholz.com/direct-esg-indexing-die-beste-esg-investmentmoeglichkeit/) wird von den von ihm genannten US-Beispielen meines Wissens noch nicht umgesetzt.

Allgemeine Investmenthemen

Mit “Can the Market Multiply and Divide? Non-Proportional Thinking in Financial Markets” haben Kelly Shue und Richard R. Townsend am 24. Juni in interessantes Arbeitspapier zum Thema absolute versus relative Änderungen und die sich daraus ergebenden Risiken und Chancen für Wertpapiere mit relativ geringen „absoluten Preisen“ veröffentlicht.

In “The Best of Strategies for the Worst of Times: Can Portfolios be Crisis Proofed?” von Campbell Harvey et al. (überwiegend von der Man Group) vom 31. Mai werden unterschiedliche Portfolioabsicherungen miteinander verglichen. Evident wird: Es gibt keine Strategie, die immer funktioniert hat. Aber manche waren in der Vergangenheit besser als andere (siehe auch hier  http://prof-soehnholz.com/risikomanagement-aktiv-ist-schlechter-als-passiv-robo-advice/).

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