Robo-Advisor Unterstützung für die betriebliche Altersvorsorge (bAV)

Robo-Advisors helfen bei der privaten Kapitalanlage und damit auch der privaten Altersvorsorge. In Deutschland gibt es mit Fairr schon einen Anbieter, der die staatlich geförderten privaten Altersvorsorgeprodukte „Riester“- und „Rürup“ online anbietet. Über die betriebliche Altersvorsorge, also den dritten Weg neben der gesetzlichen und der privaten, habe ich bisher in Deutschland – ausser bei Fairr – noch nichts in Zusammenhang mit Robo-Advisors gelesen. In den USA ist das jedoch schon ein Thema.

Das kann man feststellen, wenn man nach den Stichworten 401k (eine verbreitete Form der betrieblichen Altersvorsorge in den USA) und Robo sucht (s. z.B. David Armstrong, Robos in Retirement, www.wealthmanagement.com vom 18.4.2016 ). Betterment, einer der bekannten Robo-Pioniere in den USA, ist bereits seit einiger Zeit in diesem Marktsegment aktiv. Kann das auch in Deutschland funktionieren?

Einiges spricht dafür. Betriebliche Altersvorsorge (bAV) kann dann besonders effizient angeboten werden, wenn möglichst viele Mitarbeiter an möglichst einfach standardisierten Programmen teilnehmen. Eines der Hauptprobleme der betrieblichen Altersversorgung ist die Überzeugung von Mitarbeitern, sich an der bAV zu beteiligen, für die sie ja zunächst auf einen Gehaltsanteil verzichten müssen. Von Experten wird daher gerne das Opt-Out Modell empfohlen, um die Verbreitung der betrieblichen Altersvorsorge zu steigern. Opt-Out bedeutet, dass grundsätzlich jeder an der betrieblichen Altersvorsorge teilnehmen soll, der sich nicht explizit dagegen ausspricht. Damit wird erfahrungsgemäß ein viel höherer Anteil an Beschäftigten zur Teilnahme bewegt, als wenn nur die teilnehmen, die sich aktiv dafür entscheiden (Opt-In). Unabhängig vom Opt-In oder Opt-Out Ansatz kann man aber die betriebliche Altersvorsorge (bAV) mit der Hilfe von Robo-Advisors attraktiver machen. 

Arbeitnehmer, die für die bAV überzeugt werden sollen, sollten nicht nur mit geldwerten Argumenten  wie „der Betrieb unterstützt bAV finanziell“ geworben werden. Schliesslich geht es darum, dass sie zunächst auf Lohn verzichten müssen, um hoffentlich in der Zukunft eine bessere Altersvorsorge zu haben. So muss insgesamt Folgendes geleistet werden:

        Der Mitarbeiter muss sich über die zusätzliche Vorsorgenotwendigkeit klar werden

        Der Mitarbeiter muss sich über sein Anlage bzw. Vorsorgepotential klar werden, d.h. er muss klären, auf wie viel Gehalt er unproblematisch verzichten kann

        Der Mitarbeiter muss sich eine adäquate Vorsorge- bzw. Anlagemöglichkeit aussuchen

        Die Anlage muss effizient implementiert werden, um nicht unter zu hohen Kosten zu leiden

All das machen Robo-Advisors schon heute für die privaten Kapitalanlagen und damit oft auch für die private Altersvorsorge (pAV). Arbeitnehmer können sich so grundsätzlich in Ruhe zu Hause auch am Wochenende oder nachts, was besonders für Schichtarbeiter wichtig sein kann, über bAV Angebote informieren. Auch häufig auftretende Fragen können standardmäßig mit Hilfe von so genannten FAQ beantwortet werden.

Die Standard-Aufklärung über bAV kann also online erfolgen, auch über Förderungen der Arbeitgeber zum Beispiel mit „Förderrechner“-Tools.  Was allerdings typischerweise online nicht geleistet werden kann, ist die Beantwortung individueller Fragen. Dazu muss eine zusätzliche persönliche Beratung angeboten werden. Diese kann durchaus per Video-Chat z.B. über Skype oder per gesichertem Chatroom erfolgen. Das ist besonders für Unternehmen mit mehreren Standorten wichtig, um möglichst viele Mitarbeiter effizient erreichen zu können. Die Beratung bzw. die Berater können sich in diesem Fall aber auf die wichtigsten individuellen Fragen konzentrieren und auch mit Co-Browsing die Robo-Tools gemeinsam erklären und nutzen, um die Mitarbeiter zu informieren.

Auch die typische bAV Black-Box sollte transparenter gemacht werden: Man kann online erklären, wieso man sich als Betrieb für welche Produktpartner (Versicherungen, Fondsanbieter bzw. Asset-Manager etc.) entschieden hat und – bei größeren Betrieben – effizient auch mehrere bAV-Auswahlmöglichkeiten zur Verfügung stellen. Man kann erklären, wie man zu Asset Allokationen kommt. Man kann  einfach Transparenz über die Zusammensetzung der Anlageportfolios herstellen und auch die Kosten auf allen Stufen und vor allem kann man Rechen-Tools anbieten, mit denen Arbeitnehmer ihre individuellen Situationen und Auswahlmöglichkeiten simulieren können (z.B. nach dem Vorbild der Tools auf www.dia-vorsorge.de).

Auch für die betriebliche Altersvorsorge bietet sich daher meines Erachtens der Einsatz von Robo-Advisors in Kombination mit persönlicher Beratung an.

Interessenkonflikt-Hinweis: Ich bin geschäftsführender Gesellschafter der Diversifikator GmbH, einem „Semi“ Robo-Advisor.

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