Langfristperspektive

Sichere Geldanlage mit nachhaltigen Aktien?

  1. Für Tagesgeld gibt es bei europäischen Banken mit Einlagensicherung aktuell selten mehr als 0,2% Zins pro Jahr. Für einjähriges Festgeld liegt der aktuelle Zins bestenfalls bei 0,8% pro Jahr. Das ist weniger als die erwartete Inflation und führt deshalb wahrscheinlich zu Kaufkraftverlusten.
  2. Viele Investoren sahen bisher Anleihen als sichere Anlagen an. Für neue Anleihen werden aber selbst bei langen Laufzeiten kaum noch Zinsen gezahlt. Dafür werden Anleihepreise sinken, wenn Zinsen steigen, wie von vielen Experten erwartet wird. Für Anleihen von riskanten Emittenten werden zwar durchaus attraktive Zinsen gezahlt. Allerdings sind Verlustrisiken dabei vor allem in Krisenzeiten sehr hoch. Viele Großanleger reduzieren deshalb ihre Anleihequoten.
  3. Immobilieninvestments galten bisher ebenfalls als ziemlich sicher. Allerdings gab es viele Jahre, in denen mit Immobilien Geld verloren werden konnte. Immobilien sind zudem meist teuer. Außerdem können Immobilien gerade in Krisenzeiten oft nicht schnell verkauft werden (vgl. Sind Vermietungs­immobilien attraktive Vermögens­anlagen? – Gerd Kommer Invest (gerd-kommer-invest.de) und Die Rendite von Investments in Immobilien (gerd-kommer-invest.de)).
  4. Gold ist auch nicht sicher und hat auch nur selten positive Renditen (vgl. Gold als Investment – braucht man das? – Gerd Kommer Invest (gerd-kommer-invest.de)).

Sichere Geldanlage: Von den großen Anlageklassen bleiben damit nur noch Aktien übrig. Natürlich sind Aktienanlagen riskant. Das hat das Jahr 2020 mit zwischenzeitlichen Kursverlusten von 30% und mehr gezeigt.  Andererseits haben Anleger in länder- und branchengestreuten Aktienportfolios auf längere Sicht nur selten Geld verloren.

Das kann man sehr einfach selbst prüfen. Auf MY PORTFOLIO – Portfolio Charts kann man zum Beispiel ein Portfolio aus 50% US und 50% europäischen Aktien anlegen. Die sogenannte Heat Map zeigt, wie viele Jahre man gebraucht hätte, um inflationsbereinigt Geld zu verdienen. Bei den meisten Startjahren wäre das schon nach einem Jahr der Fall. Selbst wenn man direkt vor der (Immobilien-) Finanzkrise Anfang 2008 mit der Aktienanlage angefangen hätte, wäre man im 6. Jahr wieder im positiven Bereich gewesen.

Ich investiere deshalb fast nur noch in Aktien (vgl. hier). Dabei nutze ich nur die nachhaltigsten Aktien oder ETFs. Mein in 2015 gestartetes ESG ETF-Portfolio hat eine ziemlich gute Performance (vgl. www.diversifikator.com und hier). Obwohl ich nur die am strengsten nach Environmental, Social und Governancekriterien (ESG) ausgerichteten ETFs nutze, enthält das Portfolio relativ viele Wertpapiere, die ich nicht für besonders nachhaltig halte.

Deshalb habe ich 2016 eigene konsequent verantwortungsvolle Portfolios aus Aktien entwickelt (vgl. Das Diversifikator Buch). Obwohl ich viele Branchen, Länder und Einzelaktien ausschließe, ist die Performance der Portfolios attraktiv. Das Portfolio aus meinen 5 Nachhaltigkeitsfavoriten (Global Equities ESG S) hat bisher sogar die beste Rendite gehabt. Allerdings weist es auch hohe zwischenzeitliche Verluste auf. Schon mit den 30 nachhaltigsten Aktien (Global Equities ESG) erreiche ich bisher ähnliche Renditen und Risiken wie ein sehr breit gestreuter traditioneller Weltaktien-ETF.

Selbst das nur auf besonders nachhaltige Marktsegmente wie Gesundheit und erneuerbare Energien konzentrierte Portfolio (Global Equities ESG SDG) hat seit 2017 ein vergleichbares Rendite-Risikoprofil. Am besten läuft aktuell das auf diese Marktsegmente ausgerichtete ETF-Portfolio (SDG ETF-Portfolio), das im schwierigen Jahr 2020 fast 18% Plus gemacht hat.

Ob das auch künftig so sein wird, weiß ich natürlich nicht. So denken manche Anleger, dass nachhaltige Aktien überwertet sind. Ich meine, dass die Trends zu mehr Aktieninvestments und speziell zu nachhaltigen Geldanlagen noch ziemlich am Anfang stehen. Für mehr Aktieninvestments sprechen die immer noch enormen Giro-, Spar, Tagesgeld- und Anleiheanlagen.

Schon heute erfolgt ein großer Teil der Aktieninvestments in sogenannte nachhaltige Geldanlagen.  Wenn man analysiert, welche Wertpapiere bzw. Portfolios als nachhaltig gelten, wird man oft enttäuscht. Das ist nachvollziehbar. Aktive Fondsmanager haben sehr viele Kriterien, nach denen sie Aktien selektieren. Nachhaltigkeitskriterien stehen dabei meistens klar im Hintergrund. Und nachhaltige ETFs sollen vor allem breit gestreut sein. Deshalb enthalten sie meist Unternehmen aus kritischen Ländern und Branchen, die man als streng nachhaltiger Anleger nicht in seinem Portfolio haben möchte. Durch Regulierungsänderungen und Druck von Anlegern werden diese Portfolios aber künftig wahrscheinlich strenger werden müssen. Aus diesen Gründen sehe ich viel Potenzial für fokussierte Portfolios aus streng nachhaltigen Aktien. Für Anleger mit einem Anlagehorizont von mehreren Jahren ist das meiner Meinung nach eine ziemlich sichere Geldanlage.

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