Modellportfolios können sehr lukrativ sein

Wenn man in Deutschland von Modell- oder Musterportfolios spricht, denkt man wohl meistens an die kostenlosen Wertpapierlisten, die in der Finanzpresse veröffentlicht werden. Der US Markt für Modellportfolios ist dagegen professionell, sehr groß und sehr profitabel. Inzwischen gibt es sogar spezialisierte  Modellportfolioplattformen. Genaue Zahlen zum Modellportfoliomarkt habe ich zwar nicht gefunden, aber es gibt einige gute Indikationen dafür, dass Modellportfolios für Anbieter sehr attraktiv sind und wichtiger werden. 

Beispiel Turnkey Asset Management Programs (TAMPs)

In den USA werden Modellportfolios bisher unter anderem von sogenannten TAMPs (Turnkey Asset Management Programs) genutzt. TAMPs werden von Vermögensberatern verwendet. Aus Überzeugung und aus Effizienzgründen werden dabei mehreren Anlegern oft dieselben (Modell)Portfolios angeboten. Die Modellportfolios werden von den Beratern selbst gebildet oder kommen von professionellen Investmentmanagern. Die Umsetzung erfolgt weitgehend automatisch mit Hilfe von Handels- und Rebalanzierungssoftware (zu unterschiedlichen Ausprägungen und Parteien siehe z.B. Modellportfolios von Morningstar).

Sehr großes Marktvolumen von Modellportfolios 

Das meiste von Vermögensberater in den USA betreute Anlagevolumen wird von diesen selbst gemanagt bzw. „beraten“ (ca. 1750 Mrd. USD). Über Investmentfonds wird ebenfalls sehr viel Volumen gemanagt (ca. 1100 Mrd. USD). TAMPs liegen vom Volumen her dazwischen (ca. 1350 Mrd. USD).

Sogenannte Unified Managed Accounts machen davon knapp 500 Mrd. USD. Davon werden wohl ca. 200 Mrd. USD mit Modellportfolios umgesetzt. Das meiste Volumen von TAMPs liegt in sogenannten Separate Managed Accounts (SMAs), die ebenfalls Modellportfolios nutzen können (Daten siehe Money Management Institute und Dover Financial Research siehe Daniel Verbrigghe, UMAs Steal the Spotlight as Wirehouses Streamline Platforms, fundfire, 10.9.2015).

20 bis 26% aller US Anlagenberater entwickeln individuelle Anlageportfolios und zu 74 bis 80% werden standardisierte (Modell-) Portfolios genutzt. Unabhängige Berater nutzen zu 2/3 selbsterstellte Modellportfolios, aber bisher nur 12% externe Modellportfolios. Angestellte Berater nutzen schon zu 27 bis 43% unternehmensexterne Modellportfolios (Cerrulli Studie s. Michael Trasher, Model Portfolios on the rise, www.wealthmanagement.com, 3.11.2017).

Wenn man diesen Anteil an externen Modellportfolios auf die 1750 Mrd. USD direkt betreute Anlagen und die 850 Mrd. USD in TAMPs, die keine UMAs sind hochrechnen würde, würde man – vor allem für interne aber auch für externe Modellportfolios -, ein ausserordentlich hohes Modellportfoliovolumen erhalten.

Anbieter verlangen hohe Gebühren

Morgan Stanley und Merrill Lynch sind die führenden Anbieter von TAMPs (s. Cerulli Associates in Verbrigge, 2015). Modellportfolios für TAMPs und die Handelsplattformen selbst werden auch von Firmen wie Assetmark, Citi, Envestment und Morningstar angeboten (Wealthadvisor 2018).

Anleger müssen meist mindestens 250.000 USD in einen UMA anlegen (Wealthadvisor 2018, S. 16). Die Gebühren sind auch für modellbasierte TAMPS mit 1,5 bis 2,5% pro Jahr relativ hoch. Davon entfallen 0,75% bis 1,5% pro Jahr auf die Investmentmanagementgebühr (siehe Wealthadvisor: 2018 America’s best TAMPs, Feb. 2018, S. 12). Modellportfolioanbieter verdienen daher offenbar mindestens so gut wie Investmentfondsanbieter. Trotzdem scheinen traditionelle Assetmanager nicht so gerne Modellportfolios anzubieten, vor allem weil sie um ihre intellektuelles Kapital aber auch um Einnahmen aus dem Handel fürchten (Wealthadvisor 2018, S. 23).

Modellportfolio-Plattformen von Banken, Softwarehäusern und ETF-Spezialisten 

Aufgrund der hohen Kosten gelten TAMPs in den USA aber nicht gerade als Wachstumssegment.

Es gibt in den USA aber inzwischen mehrere neue Modellportfoliomarktplätze, u.a. von TD Ameritrade, Orion Advisor Services, Riskalyze, Oranj und Morningstar. Wells Fargo und Merrill Lynch haben für ihre jeweils etwa 15.000 Berater inzwischen über einhundert Musterportfolios im Angebot. Von Merrill Lynch ist bekannt, das heute bereits 40% aller Kunden damit erreicht werden und dass das Angebot weiter ausgebaut wird (Michael Trasher, Model Portfolios on the rise, www.wealthmanagement.com, 3.11.2017).

Der in den USA sehr bekannte Finanzexperte Michael Kitces sieht diese Modellportfoliomarktplätze (für Berater) neben Robo-Advisors (für Selbstbediener) als Wachstumssegment an. Die Anlageberater können sich so auf die individuelle Kundenberatung konzentrieren, Anlageprofis liefern die Musterportfolios und die Implementierung der Portfolios erfolgt weitgehend automatisiert (siehe auch Blog-Beitrag) und Blog-Beitrag auf www.prof-soehnholz.com).

Am aktivsten sieht Kitces dabei ETF-Anbieter an, die sich zusätzlich zu ihren relativ niedrigen ETF-Gebühren so Modellportfoliogebühren verdienen können. Als Beleg für diese These werden mehrere Akquisitionen von Robo Advisor Plattform bzw. Softwareanbietern aufgeführt (siehe Michel Kitces, The Unbundling Of The TAMP And The Rise Of The Model Marketplace“, 27.2.2017).

Modellportfolioplattformen gibt es auch in UK

Die britische Finanzaufsicht FCA hat 20 Modellportfolioplattformen identifiziert, von denen 14 ausschliesslich solche Portfolios anbieten während 6 zusätzlich auch Multi-Manager Fonds offerieren (s. Valentina Romero, FCA to review model portfolios in platform probe, www.moneymarketing.co.uk, 17.7.2017).

Und in Deutschland tut sich diesbezüglich nichts (siehe auch Blog-Beitrag auf www.prof-soehnholz.com)? Anbieter mit Profi-Modellportfolios wie United Signals scheinen bisher jedenfalls noch nicht sehr viele Anleger anzuziehen und eine andere unabhängige professionelle Modellportfolioplattform für Anlageberater ist mir nicht bekannt.

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