„… wir finden hochsignifikante Belege dafür, dass Biodiversitätsrisiken die Aktienkurse senken, wobei die Auswirkungen zwischen 3 und 10 Monaten nach einem Schock ihren Höhepunkt erreichen.“ (s. Azqueta-Gaváldón/Jabeur Sami/Hedhili 2026)
Summary
11x new research on bioconcentration, greenhushing, symbolic sustainability, brown alpha, diversity chatter, absolute pollution, behavioral economics and more
Regulated greenwashing? Hier sind kurze Zusammenfassungen in Deutsch und Links zu den kompletten Forschungspapieren (# zeigt die Zahl der kompletten Researchdokumente, die bei SSRN bis zum 6. August 2026 heruntergeladen wurden). Die Abstracts wurden mit der kostenlosen Version von Deepl.com übersetzt:
Soziales und ökologisches Research
Bioconcentration costs: Ökosystemleistungen und Biodiversität: Risse im natürlichen Fundament der Volkswirtschaft von KfW Research von Arne Leifels vom 13. Juli 2026: „Zwei Drittel der EU-Wirtschaftsleistung sind direkt oder indirekt von Ökosystemleistungen abhängig. Dazu gehören erstens Versorgungsleistungen wie Nahrung, Rohstoffe und Süßwasser, zweitens Regulierungsleistungen wie z. B. die Klimaregulierung, die Filterung von Schadstoffen und der Schutz vor Hitze und Hochwasser. Drittens bietet die Natur kulturelle Leistungen wie Erholung und Inspiration. Ökosystemleistungen … sind meist unsichtbar und kostenlos, doch ihr jährlicher Wert wird auf das 1,7-fache Welt-BIP geschätzt. Trotz dieser enormen Bedeutung führt Marktversagen systematisch zu Naturschäden, und unverzichtbare Ökosystemleistungen und die langfristige Ernährungssicherheit sind in Gefahr. Das hängt direkt mit dem rapiden Rückgang der Biodiversität weltweit und auch in Deutschland zusammen. … drei Viertel der ursprünglichen Landökosysteme sind bereits massiv beeinträchtigt oder zerstört. … zumindest eine Trendumkehr ist mit tiefgreifenden Reformen möglich. … Der globale Biodiversitätsschutz ist im Interesse Deutschlands – nicht zuletzt wegen Risiken für Lieferketten, Produktivität und Preisstabilität. Die wichtigsten Gegenmaßnahmen sind die Renaturierung von Feuchtgebieten und die Transformation der Landwirtschaft“ (Abstract).
Regulated greenwashing (1): Corporate Carbon Governance: From Disclosure to Decarbonization von Dara O’Rourke und Zcjanin Ollesca vom 30. Mai 2026 (#29): “Wir bewerten die Verpflichtungen, Maßnahmen und Emissionsdaten, die von Unternehmen aus vier Industriezweigen (Energie, Automobil, Technologie und Lebensmittel) im Zeitraum von 2018 bis 2022 gemeldet wurden. … Wir stellen fest, dass die derzeitigen CO₂-Governance-Systeme nur begrenzte Auswirkungen hatten, da die absoluten CO₂-Emissionen branchenübergreifend stagnieren oder steigen. Die zugrunde liegenden Informationssysteme haben Daten geliefert, die weder interne Entscheidungen effektiv leiten noch eine externe Rechenschaftspflicht ermöglichen. Dieses Governance-System wird derzeit in der Europäischen Union, den Vereinigten Staaten und Asien in Vorschriften formalisiert …“ (Abstract).
ESG Investment Research (in: Regulated greenwashing?)
Low bio-risk benefits: Biodiversity Media Narratives and Stock Market Performance: Evidence from Europe von Andrés Azqueta-Gaváldón, Ben Jabeur Sami und Leila Hedhili vom 3. August 2026 (#9): “In dieser Studie werden neue, auf der biologischen Vielfalt basierende Medienrisikoindikatoren für Frankreich, Deutschland, Italien und Spanien für den Zeitraum 2015–2025 entwickelt … wir finden hochsignifikante Belege dafür, dass Biodiversitätsrisiken die Aktienkurse senken, wobei die Auswirkungen zwischen 3 und 10 Monaten nach einem Schock ihren Höhepunkt erreichen. Darüber hinaus decken wir eine ausgeprägte Asymmetrie auf, bei der die positiven Auswirkungen von Phasen mit geringem Biodiversitätsrisiko die negativen Auswirkungen von Phasen mit hohem Risiko überwiegen …” (Abstract).
Greenhushing pays: Value of Silence: Determinants and Consequences of Greenhushing von Sonam Singh, Ashwin V. Malshe, Yakov Bart, Anatoli Colicev und Serguei Netessine vom 24. Mai 2026 (#149): “Wir untersuchen das Phänomen des „Greenhushing“, definiert als die strategische Verharmlosung substanzieller Umweltbemühungen … Das Ausmaß des Greenhushing ist bei Unternehmen mit höherer finanzieller Verschuldung und bei Unternehmen, die in wettbewerbsintensiven Branchen tätig sind, größer. Anschließend untersuchen wir den Zusammenhang zwischen Greenhushing und den vierteljährlichen kumulativen abnormalen Renditen (CAR) nach der Bekanntgabe der Geschäftszahlen. Ein Anstieg der „Greenhushing“-Neigung um eine Standardabweichung (SD = 1,27) geht mit einem Anstieg der dreimonatigen CAR um 2,29 Prozentpunkte einher (0,018 × 1,27 = 0,023), was für das durchschnittliche Unternehmen der Stichprobe (mittlere Marktkapitalisierung = 10,4 Milliarden US-Dollar) einem Marktwert von etwa 238 Millionen US-Dollar entspricht“ (Abstract).
Mein Kommentar siehe Neues Research: Greenhushing kann sich lohnen | CAPinside
Green reporting: The State of Corporate Sustainability Disclosure 2026 von Magali A. Delmas, Maria Arzumanov, Jiaxin Li und Tyson Timmer vom 21. Mai 2026 (#135): “…Das wichtigste Ergebnis ist ein Rückgang der Nachhaltigkeitsberichterstattung um 6,8 Prozentpunkte – der erste Rückgang in der Geschichte dieses Berichts. … Die Berichterstattung zu Scope-3-Emissionen hat dramatisch zugenommen – von nahezu null vor einem Jahrzehnt auf heute 48 % der S&P-500-Unternehmen … Dennoch … legen Unternehmen durchweg eher die Kategorien offen, die am einfachsten zu quantifizieren sind, als diejenigen, die für ihr Emissionsprofil am wesentlichsten sind. … Die Zahl der S&P-500-Unternehmen mit Netto-Null-Zielen hat sich seit 2021 von 118 auf 248 Unternehmen verdoppelt … Allerdings haben 91 % der S&P-500-Unternehmen in ihren Berichten für 2024 keinen Übergangsplan offengelegt. … Ein Drittel der S&P-500-Unternehmen knüpft die Vergütung der Führungskräfte an die Nachhaltigkeitsleistung … Die konkretesten Beispiele stammen jedoch aus emissionsintensiven Branchen … Bei einem Großteil der übrigen Unternehmen des Index wird die Umweltleistung als diskretionärer Faktor genannt, ohne dass Kennzahlen, Gewichtung oder Ziele offengelegt werden …” (S. 3-5).
Mein Kommentar: In meinen bisherigen Shareholder-Engagements habe ich alle Portfoliounternehmen dazu aufgefordert, Scope 3 Emissionen zu messen und zu veröffentlichen, damit alle Stakeholder auf deren Reduzierung hinwirken können. Damit konnte ich aber sogar bei diesen von mir als besonders nachhaltig eingeschätzten Unternehmen bisher nicht viel bewirken.
Symbolic sustainability: An Interpretable Text Analytics Method for Distinguishing Substantive and Symbolic Sustainability Disclosure von Asif Huq, Matúš Paolo Miglierini und Kenneth Carling vom 21. Mai 2026 (#35): “ … Bei der Anwendung der Methode auf ein Korpus von 9.828 Nachhaltigkeitsberichten mit mehr als 12 Millionen Sätzen aus 96 Ländern zeigt die Analyse, dass Nachhaltigkeitsangaben überwiegend symbolischen Charakter haben: Rund 96 % der Sätze zum Thema Nachhaltigkeit spiegeln eher Richtlinien, Absichten oder laufende Bemühungen wider als tatsächlich umgesetzte Maßnahmen. … Umweltbezogene Angaben stehen häufiger mit umgesetzten Maßnahmen in Verbindung als Angaben zu sozialen und Governance-Themen” (Abstract).
Mein Kommentar: ESG-Ratinganbieter und Ratingnutzer sollten stärker auf Fakten setzen. So hat vor Kurzem der von mir genutzte Nachhaltigkeits-Datenanbieter die Gewichtung faktenbasierter zu Lasten absichtsbasierter ESG-Informationen in seinen ESG-Ratings erhöht. Man kann man die Gewichte sogar selbst anpassen.
Regulated greenwashing (2)? Greenwashing potential unveiled: exploiting flexibility within the EU climate benchmark regulation von Stefan Jacob, Sarah Koch, Deniz Preil und Marco Wilkens vom 20. Juni 2026: “Diese Studie deckt quantitativ das Greenwashing-Potenzial innerhalb der EU-Klimabenchmark-Verordnung für Klimatransitions-Benchmarks (CTB) und Paris-konforme Benchmarks (PAB) auf. … Wir zeigen, dass Portfolios mit erheblichen Engagements in nicht nachhaltigen Vermögenswerten dennoch die Mindeststandards der Verordnung erfüllen können, wodurch sie irreführend als „klimafreundlich“ vermarktet werden können. … Als Reaktion darauf schlagen wir eine Reihe von Anpassungen vor, um das Greenwashing-Potenzial zu verringern …” (Abstract).
Mein Kommentar: Etliche Interessenten an nachhaltigen Investments wundern sich zu Recht, welche Unternehmen in manchen nachhaltig genannten Portfolios auftauchen.
Brown alpha-chasing? Alpha Is All You Need: Moral Rotation and the Pricing of Virtue in Asset Markets von Marc Schmitt vom 1. August 2026 (#34): “Ich dokumentiere die beiden Umkehrungen der Ausschlusskriterien für nachhaltige Anlagen in diesem Jahrzehnt: im Verteidigungssektor nach 2022 und im Energiesektor nach 2021 (Abstract). … In diesem Beitrag wurde die Frage gestellt, ob ein moralisches Engagement bei Investitionen eine Performanceänderung übersteht. Die Antwort aus beiden Fällen lautet: Nein. Im Verteidigungssektor und im Bereich der fossilen Energien kehrten sich zunächst die Renditen um, dann folgte das Kapital, und erst danach wurden die institutionellen (Sö: Ausschluss-) Regeln angepasst. Die Kernenergie liefert das komplementäre Beispiel: Hier erfolgte die Neuklassifizierung zuerst, bewegte jedoch kaum Kapital, bis der Sektor außergewöhnliche Renditen erzielte. Von 2015 bis 2020 war der Ausschluss von Energie mit einem negativen entgangenen Alpha verbunden, während der Ausschluss von Verteidigung so gut wie kein entgangenes Alpha mit sich brachte …. Ab 2021 und 2022 wurde das entgangene Alpha beider Bereiche groß und positiv. … Das nächste Beispiel ist bereits absehbar. Künstliche Intelligenz treibt den Ausbau der Rechenkapazitäten voran, dieser Ausbau treibt die Stromnachfrage an, und die Nachfrage hat zu einer Neubewertung der Stromerzeugungsanlagen geführt, allen voran der Kernkraftwerke; … die Handelsaktivitäten von thematisch ausgerichteten und konventionellen Fonds waren nicht mehr zu unterscheiden, sobald die ausgeschlossenen Sektoren eine Outperformance erzielten …“ (S. 13/14).
Mein Kommentar: Gier frisst Seele?
Diversity chatter: The Great Retreat in Corporate DEI Disclosure: Rhetoric versus Substance von Sadok El Ghoul, Omrane Guedhami und Zuobao Wie vom 4. Juni 2026 (#96): “Ändern Unternehmen ihre zugrunde liegenden Praktiken, wenn sich die politische Stimmung gegen Diversität, Gerechtigkeit und Inklusion (DEI) wendet, oder ändern sie in erster Linie die Art und Weise, wie sie darüber sprechen – und ist das für Investoren überhaupt von Bedeutung? Wir untersuchen diese Fragen anhand eines Panels von 18.506 Unternehmensjahren bei 1.483 S&P-1500-Unternehmen im Zeitraum 2012–2025 … Wir stellen eine ausgeprägte Diskrepanz zwischen Rhetorik und Substanz fest. Die DEI-Rhetorik nimmt etwa um das Fünffache zu, stagniert in den Jahren 2022–2023 und verliert bis 2025 etwa die Hälfte des Zuwachses wieder. … Wir zeigen ferner, dass Investoren Unternehmen für diesen rhetorischen Rückzug weder belohnen noch bestrafen …” (Abstract).
SDG und Impact Investment Research
Absolute pollution: Net-Zero Investment Strategies Need an Absolute Emission Reduction Metric von Andreas G. F. Hoepner, Stefan Jacob, Sarah Koch, Marco Wilkens und Jonas Zink vom 15. Juli 2026: “…In der Finanzbranche orientieren sich Netto-Null-Anlagestrategien meist an Kennzahlen zur relativen Kohlenstoffintensität (CI) und weniger an absoluten Treibhausgasemissionen. Wir zeigen, dass solche auf Netto-Null ausgerichteten Investitionen irreführend sein können, zu unzureichenden Maßnahmen seitens der Anleger führen und sinnvolle Emissionsreduktionen verzögern können. Wir schlagen zwei Lösungen vor: Erstens die konsequente und universelle Anwendung einer inflationsbereinigten CI-Kennzahl, die Veränderungen einer wichtigen finanziellen Fundamentaldaten im Vergleich zum Jahr der Portfolioauflegung berücksichtigt. Zweitens schlagen wir die Festlegung absoluter Treibhausgas-Emissionsgrenzwerte bei der Portfolioauflegung vor …“ (Abstract).
Mein Kommentar: Absolute Emissionen zu messen macht viel Sinn. Aber die Autoren weisen zu Recht darauf hin, dass größere Unternehmen typsicherweise höhere Emissionen haben als kleinere Unternehmen. Um zu verhindern, dass größere Unternehmen durch kleinere oder Branchen mit höheren durch solle mit geringeren Emissionen ersetzt werden, sollte zumindest die durchschnittliche Unternehmensgröße und die Branchenstruktur von Portfolios berücksichtigt werden.
Anderes Investment Research (in: Regulated greenwashing?)
Low private influence? Behavioral Environmental Economics von Matthias Rodemeier und Christoph Semken vom 31. Juli 2026 (23): “Obwohl verhaltensbezogene Überlegungen für das Verständnis umweltpolitischer Entscheidungsprozesse von zentraler Bedeutung sind, ist ihre quantitative Bedeutung für Umweltergebnisse im Vergleich zu herkömmlichen politischen Instrumenten oft gering. … zeigt sich immer wieder, dass Einzelpersonen nur unzureichend über die tatsächlichen ökologischen Folgen ihres Handelns informiert sind. … Schließlich scheinen verhaltensbezogene Faktoren nicht nur bei privaten Entscheidungen, sondern auch bei der Gestaltung der politischen Unterstützung für die Umweltpolitik eine wichtige Rolle zu spielen. Falsche Vorstellungen über soziale Normen, das Vertrauen in die Regierung und unvollständige mentale Modelle zur CO₂-Besteuerung können allesamt zum Widerstand gegen wichtige klimapolitische Regelungen beitragen…“ (S. 67).
Mein Kommentar: Zumindest im Studien-Abschnitt zu Sustainable Finance, den ich am besten beurteilen kann, werden nur wenige Quellen zitiert und Schlüsse gezogen, die ich nicht immer nachvollziehen kann.
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Werbung (in: Regulated greenwashing?)
Nur für deutsche und österreichische Anleger (ab einer Mindestanlage von gut EUR 50):
Der von mir beratene globale SmallCap-Investmentfonds FutureVest Equity Sustainable Development Goals R konzentriert sich auf die UN-Ziele für nachhaltige Entwicklung mit außerordentlich hohen 99% SDG-vereinbaren Umsätzen der Portfoliounternehmen (Unternehmens-Impact) und hohen E-, S- und G-Best-in-Universe-Scores und zeichnet sich durch ein besonders umfangreiches Aktionärsengagement aus (vgl. Bester Impact Aktienfonds? Teste selbst!).
Zum Vergleich: Ein globaler Small-Cap-ETF hat eine Netto-SDG-Umsatzvereinbarkeit von etwa 5%, ein diversifizierter Gesundheits-ETF etwas über 10%, Artikel 9 Fonds circa 20%, und liquide Impactfonds sowie ein ETF für erneuerbare Energien ungefähr 40% (vgl. Maximale Portfolio-Nachhaltigkeit: Was geht?).