Robo-ESG: Verantwortungsvolle Online-Investments im Vergleich (Update 2)

Robo-ESG: Fast alles spricht dafür

Die Logik für nachhaltige Online Angebote ist einleuchtend: Nachhaltige Investments haben ähnliche Risiken und Renditen wie traditionelle Anlagen (siehe hier). Wie bei allen Anlagen sind dabei niedrige Kosten wichtig, um attraktive Renditen zu erreichen.  Online kann man grundsätzlich besonders kosteneffiziente Angebote machen. Ausserdem können sich Robo-Advisor mit nachhaltigen Angeboten von anderen Robo-Advisors diferenzieren. Robo-ESG bzw. ESG Robos können deshalb für Nachfrager und Anbieter attraktiv sein.

5 pure ESG-Robos und ESG-Angebote von 8 „traditionellen“ Robos

Auslöser für meine erste Analyse war die Pressemeldung, dass Vividam zum führenden nachhaltigen Robo-Advisor in Deutschland werden möchte.

Mitte 2020 gibt es nach meiner Recherche neben dem sehr aktiv vermarkteten Vividam von der FiNet Asset Management AG (seit Dezember 2018) vier andere Robo-Advisors, die ausschließlich sogenannte verantwortungsvolle oder nachhaltige Angebote machen. Das sind Klimafonds (seit 2017), Pax-Investify von der „katholischen“ Pax Bank bzw. dem „genossenschaftlicher Finanzdienstleister mit christlicher Werteorientierung“ (seit 2018, siehe hier), Yova (Schweiz, seit 2019) und Peaks (seit Oktober 2019 mit einem sogenannten Round-Up Ansatz in Deutschland aktiv).

Weitere Robo-Advisors bieten primär traditionelle Portfolios an aber zusätzlich auch komplett nachhaltige Portfolios. Der erste dieser Anbieter war bereits in 2016 VisualVest der Union Investment. Zeedin von Hauck&Aufhäuser, Liqid, Fairr und Savity (Österreich) folgten in 2018. 2019 kamen Klingenberg (ehemals Greta’s Choice), Selma und Truewealth (beide Schweiz) hinzu.

Die entsprechenden Angebote von Raisin/Weltsparen und Wevest wurden dagegen wieder eingestellt.

Robo-ESG: Mit White-Label und Modellportfolios werden es noch mehr Anbieter

Wenn man die sogenannten White-Label Angebote noch mitzählen würde, also gleichartige Angebote unter anderen Namen, käme man auf wesentlich mehr Anbieter mit verantwortungsvollen Online-Portfolios. Das liegt vor allem daran, dass inzwischen einige genossenschaftliche Banken über MeinInvest auch das nachhaltige Portfolio von Visualvest anbieten. Bereits in 2017 hatte z.B. die Evangelische Bank dieses Portfolio im Online-Angebot.

Ich zähle außerdem einige Portfolios meiner Firma Diversifikator und die von JustETF und ExtraETF zu den Online ESG Angeboten. Diese drei bieten technisch-regulatorisch selbst umzusetzende Modellportfolios an, sind aber keine vermögensverwalteten Robo-Advisors.

Diversifikator war ab Februar/März 2016, also noch vor Visualvest, der erste Anbieter von nachhaltigen online Portfolios (siehe auch https://prof-soehnholz.com/3-jahre-diversifikator-gute-rendite-aber-80-prozent-anders-ist-schwer-zu-verkaufen/). Die anderen beiden folgten in 2018.

Robo-ESG: Nennenswerte Unterschiede zwischen den drei Anbietergruppen

Vereinfacht kann man also drei Gruppen von Anbietern unterscheiden: Die rein nachhaltigen Robos (Klimafonds, Pax-Investify, Vividam, Yova, Peaks), die traditionellen Robos mit nachhaltigen Zusatzangeboten und die drei Modellportfolioplattformen.

Es gibt einige systematische Unterschiede zwischen den Anbietergruppen. So haben die Modellportfolioanbieter keine Vermögensverwaltungslizenz. Interessenten an den Portfolios müssen die Portfolios deshalb selbst in ihren Depots umsetzen. Dafür haben Anleger auch die freie Depotbank- und Brokerwahl bzw. können die Portfolios in ihre Bestandsdepots aufnehmen.

Einige der Anbieter kann man als unabhängig bezeichnen, andere gehören zu traditionellen Asset Managern oder Banken. Da die „abhängigen“ Anbieter bisher meines Wissens keine hauseigenen Produkte anbieten, ist Unabhängigkeit/Abhängigkeit aber (noch) kein wichtiges Unterscheidungskriterium.

Die nachhaltigen Online Angebote sind in der Regel Neuentwicklungen und werden in der Regel nicht „offline“ angeboten.

Modellportfolioanbieter sind wesentlich günstiger, bieten aber nur limitierte Services

Die geschätzten All-In Kosten für die Portfolios der drei Modellportfolioanbieter starten bei ca. 0,2% bzw. 0,3% pro Jahr (JustETF, ExtraETF und Diversifikator für institutionelle Anleger) und reichen bis zu ca. 1,5% bei Diversifikator für dynamische Privatkundenangebote.

Durch Kombinationen mit „Cash“ können alle Portfolios von Diversifikator auf unterschiedliche Risikoklassen angepasst werden. Für die Beimischungen von Cash verlangt Diversifikator keine Gebühren, d.h. bei einem Portfolio aus 50% Aktien und 50% Cash fällt die Modellportfoliogebühr nur für den Aktienteil an. Die 1,5% p.a. beinhalten alle Produktkosten von ca. 0,3% für ETFs und die bei solchen Angeboten anfallende Umsatzsteuer und typischerweise auch unabhängige persönliche Beratung und Vermögensverwaltung, für die die Kooperationspartner von Diversifikator ca. 0,7% p.a. erhalten.

Die selbständige Umsetzung der überwiegend aus wenigen ETFs bestehenden und sich selten ändernden Portfolios ist für Anleger einfach und günstig möglich, wenn kosteneffiziente Depotbanken und Broker genutzt werden.

Die Gebühren der Online-Vermögensverwalter reichen von 0,63% bei Fairr bis zu 2,9% bei Vividam, jeweils inklusive der Kosten für die genutzten Produkte. Liqid, Peaks und Truewealth bieten mit bis zu 0,8% ebenfalls relativ günstige ESG-Portfolios an. Von den Robo-Advisors wirbt nur Zeedin mit einem hybriden Ansatz, bei dem eine zusätzliche persönliche Beratung möglich ist.

Wenn man 0% für Anleihen und 7% Bruttorenditen für Aktien erwartet, erzielen 50/50 Portfolios 3,5% Bruttorenditen. Gebühren von 1,5% und mehr pro Jahr sind meines Erachtens in Zeiten negativer Zinsen deshalb zu hoch.

Robo-ESG: Modellportfolioangebote ermöglichen mehr Auswahl

Die meisten deutschen vermögensverwaltenden Robo-Advisors bieten nur ein verantwortungsvolles Standard-Portfolio an. Für dieses Basisportfolio werden zwar je nach Risikoneigung der Ableger unterschiedliche Mischungen von Aktien- und Anleihequoten ermöglicht, aber die einzelnen Bestandteile bzw. ETF-Kombinationen, sind jeweils gleich. Alle vermögensverwaltenden Robos nutzen Anleihen zur Reduktion von Portfoliorisken.

Seit 2019 bietet Fairr aber Individualisierungsmöglichkeiten auf Basis mehrerer nachhaltiger ETFs an und Yova aus der Schweiz individualisiert Portfolios anhand von unterschiedlichen Anlegervorgaben.

Der Modellportfolioanbieter Extra ETF bot zunächst auch nur ein nachhaltiges ESG Portfolio an, seit November 2019 sind es aber vier. JustETF hat mit „ESG Screened“ und „Nachhaltigkeit SRI“ zunächst zwei Portfolios angeboten, die sich vor allem in Bezug auf die Strenge der Nachhaltigkeitsansätze unterscheiden. Anders als bei den anderen Angeboten handelte es sich dabei um reine Aktienportfolios. Seit November 2019 werden drei weitere Portfolios angeboten, darunter zwei Mischportfolios.

Diversifikator hat bereits seit 2016 bzw. 2017 ein besonders breites Angebot: ESG ETF-Portfolio, ESG ETF-Portfolio Trend, Islamic ETF-Portfolio und fünf konzentrierte sogenannte PureESG Aktien-Portfolios: Global, Global S, Infrastruktur, Immobilien und Deutschland. Einige dieser Portfolios gibt es nirgendwo anders in vergleichbarer Form, auch nicht „offline“.

Robo-ESG: Überwiegend nur Aktien und Anleihen mit aktivem oder passivem Risikomanagement

Alle Anbieter nutzen Aktien und Anleihen. ExtraETF und Diversifikator schließen dabei Staatsanleihen als nicht-nachhaltig aus und Fairr nutzt nur deutsche Staatsanleihen. Liqid fügt seinem nachhaltigen Portfolio ein Goldzertifikat hinzu und Diversifkator nutzt zusätzlich Listed Alternatives, also Immobilienaktien, Infrastrukturaktien etc..

Visualvest, Zeedin, Pax-Investify, Liquid, Selma und Savity verwenden diskretionäre bzw. „aktive“ Risikomanagementansätze für ihre Portfolios (siehe auch https://prof-soehnholz.com/risikomanagement-aktiv-ist-schlechter-als-passiv-robo-advice/). Vividam, Peaks, Fairr, Yova, ExtraETF, Diversifikator und JustETF nutzen dagegen fixe Allokationen zu Anlagesegmenten. Klimafonds verwendet fixe Allokationen, die aber in der Ein- und Ausstiegsphase der Anleger modifiziert werden.

Diversifikator ist der einzige Anbieter, der „Cash“ statt Anleihen zur Risikoabsicherung nutzt. Anleihen befinden sich als Renditeanlage in den ETF-Portfolios. Diversifikator bietet mit dem ESG ETF-Portfolio Trend zusätzlich ein nachhaltiges Portfolio mit einer rein regelbasierten Trendfolgesteuerung an.

Robo-ESG: Einige nutzen (teure) aktive Fonds zur Umsetzung, andere ETFs, nur wenige aber Einzeltitel

Von Robo-Advisors erwartet man in der Regel günstige Portfolio-Umsetzung über ETFs. Für vermögensverwaltende Robo-ESG Angebote werden jedoch oft sogenannte aktiv gemanagte Fonds genutzt, die typischerweise erheblich teurer als ETFs sind. Zu diesen Anbietern zählen Visualvest, Vividam, Liqid, Zeedin, Pax-Investify, Savity und Klingenberg. Als Begründung wird oft angegeben, dass es nicht genug gute nachhaltige ETFs gibt bzw. dass aktive Fonds nachhaltiger sein können (vgl. https://prof-soehnholz.com/esg-kritik-ueber-20-falschaussagen/).

Zeedin nutzt auch direkte Aktien und Anleihen, das nachhaltige Angebot ist aber erst ab einhundertfünfzigtausend Euro zugänglich. Sonst bieten nur Yova und Diversifikator Einzelaktienportfolios an, mit denen strengere Nachhaltigkeitsanforderungen als mit Fonds umgesetzt werden können.

Einen Vergleich der Strenge der Nachhaltigkeitsportfolios von ESG-Robos gibt es bisher noch nicht, obwohl das mit dem kostenlosen PRISC Tool der DVFA einfach möglich wäre (vgl. https://prof-soehnholz.com/prisc-policy-for-responsible-investment-scoring-die-taxonomiealternative-von-der-dvfa/).

Diversifikator macht das ohne formale Mindestanlagesummen und zu den selben Konditionen wie für ETF-Portfolios (vgl. https://prof-soehnholz.com/esg-investments-warum-weder-aktive-fonds-noch-etfs-ideal-sind/).

Von den vermögensverwaltenden Anbietern setzen bei den nachhaltigen Angeboten Liqid, Klimafonds, Peaks, Fairr, Selma und Truewealth konsequent auf ETFs. Auch die drei Modellportfolioanbieter nutzen ETFs und keine aktiven Fonds.

Mindestanlagen, verwaltete Vermögen und Performance taugen (noch) nicht zur Differenzierung

Die Mindestanlagen helfen nur wenig, um die Anbieter zu differenzieren. Nur Liqid und Zeedin fallen mit ihren hohen Mindestinvestmentanforderungen von einhunderttausend bzw. einhundertfünzigtausend Euro aus dem Rahmen. Die Modellportfolioplattformen verlangen keine Mindestinvestments, was Testinvestments erheblich erleichtert. Bei allen anderen Anbietern werden in der Regel höchstens zehntausend Euro (Savity) als Mindestanlage gefordert.

Die verwalteten Vermögen in verantwortungsvollen Portfolios werden von den Anbietern bisher noch nicht veröffentlicht. Das liegt wohl daran, dass bisher kaum eines der nachhaltigen Onlineangebote über nennenswerte Assets verfügt.  

Auch die Performance habe ich nicht thematisiert. Während die Modellportfolioplattformen diese transparent ausweisen, ist sie für die nachhaltigen Angebote der Vermögensverwalter mit Ausnahme von Vividam nur schwer von außen nachvollziehbar. Außerdem sind die Track Records der verantwortungsvollen Angebote mit Ausnahme von Diversifikator und Visualvest noch relativ kurz.

Robo-ESG: Kritik an allen bzw. noch keine perfekte Lösung

Zusammenfassend kann man feststellen, dass es noch keinen günstigen vermögensverwaltenden Robo Advisor mit einem breiten bzw. sogar individualisierbaren verantwortungsvollen Portfolioangebot gibt.

Damit ergeben sich Chancen für die Modellportfolioanbieter (siehe auch https://prof-soehnholz.com/modellportfolio-robos-sind-besser-als-normale-robo-advisors/).

Allerdings erwarte ich, dass es künftig auch attraktive vermögensverwaltende ESG-Robos geben wird. Ich helfe gerne bei der Entwicklung solcher Angebote.

Ergänzung: Markus Duscha und Eric Winkler vom Fair Finance Institute haben 20.11.2018 den sehr guten „Nachhaltigkeits-Quick Check“ Robo-Advisor – Eine Analyse aufgrund der Erstinformationen der Internetauftritte der Robo-Advisor veröffentlicht.

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