Neues ESG Research und News zu Robo-Advisors und Wealthtech

ESG Research und Umfeld

Erst jetzt gelesen: „Fossil fuels are underpriced by a whopping $5.2 trillion” schreibt Umair Irfan am 17. Mai bei Vox unter Verweis auf das IMF Arbeitspapier „Global Fossil Fuel Subsidies Remain Large: An Update Based on Country-Level Estimates” von David Coady et al. vom Mai 2019. Diese riesige Summe umfasst vor allem Opportunitätskosten durch nicht-Bepreisung von CO2-Ausstoß. Dieser Absatz von Irfan ist auch interessant: “A huge chunk of foreign policy and military strategy for many countries involves protecting shipping lines for fossil fuels. The US military spends at least $81 billion a year protecting oil supplies. Meanwhile, there are no carrier groups defending wind turbine supply chains or a strategic silicon reserve for solar panels.”

“#whatif the 30 German stock market’s largest and most liquid companies would reach their current climate targets?” nennt sich der Report von right.based on science vom November 2019. Darin wird gezeigt, dass auch die “wertvollsten” deutschen Unternehmen noch sehr viel tun müssen, um akzeptable Klimaziele zu erreichen.

EU negotiators agree on sustainability taxonomy, approval still needed, schreibt Susanna Rust am 6. Dezember in IPE “subject to approval by the European Parliament and EU Council”. Welche Aktivitäten als grün gelten können (Atomkraft wegen „Do no significant harm“ nicht) wäre dann geklärt. Offen bleiben die kritischen Grenzwerte, die noch von einer Expertenkommission vereinbart werden müssen. Mein Kommentar: Das kann noch dauern und dann weiß man auch nur, wie viel Umsatz eines Unternehmens laut EU Taxonomie grün oder halbgrün ist. Kein ernsthaft an nachhaltigen Investments interessierter Anleger sollte mit der Umsetzung verantwortungsvoller Investments auf diese Einigung warten (siehe auch https://prof-soehnholz.com/nachhaltigkeitstaxonomie-der-eu-positive-aspekte-aber-insgesamt-enttaeuschend/).

Grosse Assetmanager und ESG Research

Die größten Asset Manager scheitern daran, die Klimaziele zu erreichen“ heißt der Beitrag von Tim Habicht von Fundview am 27. November. „Laut einem Bericht des britischen Think Tanks InfluenceMap scheitern die 15 größten Asset Manager der Welt, die gemeinsam ein verwaltetes Vermögen von 37 Billionen US-Dollar haben, den Übergang voranzutreiben, der zur Unterstützung der Pariser Klimaziele erforderlich ist.“ Dabei schneiden amerikanische Anbieter schlechter ab als europäische. 

Die volle Studie vom November findet manhier: Influence Map: Asset Managers and Climate Change: How the sector performs on portfolios, engagement and resolutions”. Positiv hervorgehoben in Bezug auf Klimaresolutionen werden u.a. Hermes Investment Management und Sarasin&Partner (S.4). Man kann den Ansatz von Influence Map kritisieren, z.B. die Bewertungen auf Seite 5, aber für den Start von Diskussionen ist er sehr hilfreich. Im Schnitt verfehlen die Portfolios der großen Geldmanager die Pariser Klimazielerreichung um ca. 18% (S. 14). Als Hauptgrund wird die Indexnähe der meisten Portfolios genannt. Nur 3 der 15 größten Assetmanager „have a clear and detailed strategy for engagement” (S. 19). Und Blackrock wird wieder als besonders schlecht beim Voting identifiziert (S. 23 und Detail zu Assetmanagern ab Seite 26).

Bereits zitiert am 16.11.: “Revealed: US asset management giants lead pro-climate proxy voting worst performers”. Mein Kommentar: Vielleicht sollten streng nachhaltige Anleger auf Produkte der besonders schlechten Asset Manager verzichten.

ESG Research mit Fokus auf Engagement, Voting und Aktivisten

 „Amnesty zu Google: “historisch einmalige Macht” heißt ein Kommentar vom  21. November von AFP Agence France-Presse bei CSR News. „Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International hat Internetgiganten wie Facebook und Google vorgehalten, mit ihrem Geschäftsmodell die Menschenrechte zu bedrohen. Die „Geschäftsmodelle der unbeschränkten Überwachung und Datenausbeutung” solcher Konzerne seien unvereinbar mit dem Recht auf Privatsphäre und informationelle Selbstbestimmung, heißt es in dem am Donnerstag veröffentlichten Amnesty-Bericht “Surveillance Giants”.

Auch sogenannte Profi-Aktivisten haben nur begrenzten Erfolg. „Do Activists Create Value?“ fragt Nicolas Rabener von FactorResearch am 25. November beim CFA Institut online. “Just as the number of firms targeted by activists has remained flat, so too has the AUM of activist hedge funds”. Und in Bezug auf die Rendite: “Since 2009, they’ve underwhelmed investors, even on a risk-adjusted basis”.

Siehe dazu auch https://prof-soehnholz.com/divestmentkritik-populaere-aber-falsche-kritik-an-verantwortungsvollen-geldanlagen/.

ESG Research zu passiven Investments

Hortense Bioy von Morningstar schreibt am 5. November über Challenges and Solutions for ESG in Passive Investment – Morningstar’s Responses to UNPRI Survey auf Morningstar.com. Der Beitrag enthält gute Ideen, z.B. diese: “Passive managers need to find innovative ways of influencing companies and other investors. For example, writing public letters, producing thematic thought leadership papers, and making policy advocacy work more visible could help circumvent the issue of acting in concert”.

Socially responsible investing and next generation set to drive growth in Islamic finance heißt es am 3. Dezember auf Institutional Asset Manager. Mein Kommentar: Passive responsible geht auch mit ETFs, siehe das Islamic ETF Portfolio von meiner Firma Diversifikator, dass im April 2016 gestartet ist.

ESG Research zu Ratings

FvS Research Institute vergleicht ESG-Ratings: Es gibt deutliche Abweichungen“ heißt der Beitrag von Maximilian Märkl am 8. November 2019 bei Citywire online. Mein Kommentar: Diese Studie, die offenbar mit aggregierten ESG Ratings durchgeführt wurde, bringt nichts Neues. Andere sind da schon weiter, siehe https://papers.ssrn.com/sol3/papers.cfm?abstract_id=3438533 (siehe https://prof-soehnholz.com/esg-ratings-direct-indexing-etc-research-und-news/2/ vom 15. September).

MSCI to make company ESG ratings publicly available” schreibt Susanna Rust  am 25. November bei IPE online. Mein Kommentar: Schön für Interessenten an nachhaltiger Geldanlage: Nach YourSRI und Arabesque ist das schon der dritte bekannte Anbieter kostenloser (aggregierter) ESG-Ratings.

ESG Research zur Performance

Nicolas Rabener von Factorresearch.com stellt im 26. November in seinem ESG-kritischen Beitrag Why pension funds & millenials should avoid ESG fest: “an equal-weighted index of ESG ETFs would have slightly underperformed either benchmark index since 2005”. Mein Kommentar: Ich habe bessere Erfahrungen mit ESG- bzw. SRI ETF-Performances gemacht, und zwar sowohl in Rückrechnungen seit 2007 als auch in echter Performance seit 2015, siehe www.diversifikator.com.

Für Emerging Markets sieht es noch besser aus, wie man z.B. hier sieht: In The Impact of ESG Investing in Emerging Market Equities von Candriam vom November steht auf Seite 2: “Persistent result: The Candriam ESG Eligible Universe outperformed the broad index in gross terms in ten out of eleven years.” Und auf Seite 11 heißt es: “The study also determined that an ESG-based downgrade could be a predictor of negative excess returns over the long term; that is, for horizons of more than one year after a company was removed from the list of sustainable companies.”

Die gute aber unterschiedliche Performance von nachhaltigen Schwellenländer-Indizes sieht man auch in einer Grafik der DWS in „Enormer Nutzen“ von William Nordhaus im ETF Magazin vom 3. Dezember auf S. 33.

ESG-Strategien für Aktieninvestments in Schwellenländern – Ansätze und Performance europäischer Asset Manager ist der Titel des Beitrages von Michael Busack und Hendrik Schlimper von Absolut Research GmbH im BAI Newsletter vom Dezember auf den Seiten 25 bis 30. Die Autoren stellen ähnliche Renditen von Emerging Markets ESG versus traditionellen Strategien aber mit niedrigeren Drawdowns fest. Aber: „Auch unter nachhaltigen Managers variiert die erzielte Performance stark und insbesondere die Art und Weise der Umsetzung des nachhaltigen Investmentstils unterscheidet sich von Anbieter zu Anbieter.“

Neues zu Robo Advisors und Wealthtech

Assets managed by robos up 10% so far in 2019 to $283 billion schreibt Ryan W. Neal von InvestmentNews am 4. Dezember über eine neue US Studie der Aite Group. Obwohl das Wachstum geringer als im Vorjahr ist, hat Aite eine weiterhin positive Erwartung für Robo Advisor Assets. Das gilt aber vor allem für die Robos von großen traditionellen Anbietern wie Vanguard oder Discountbrokern wie Charles Schwab. Treiber dieser Entwicklung ist laut Aite die Migration von „digitally viable assets — one-quarter of the assets in accounts with less than $1 million” zu Robo Advisors. Die Prognose für Startups ist dagegen relativ schlecht: „Startups account for 16% of digital assets, or $45 billion. The five biggest companies — Betterment, Wealthfront, Personal Capital, blooom and Acorns — collectively manage 89% these assets.” Aite erwartet, dass der Marktanteil der Startups in den nächsten fünf Jahren auf etwa 5% zurückgeht.  

Why Sallie Krawcheck made a plea for ‚divorce‘ from unnamed ‚investors‘ as her Ellevest startup approaches its sixth birthday schreibt Oisin Breen am 2. Dezember auf RIABiz. Ellevest ist ein Beispiel für einen mit viele Hype und Venture Capital gestarteten Robo-Advisor mit Fokus auf Frauen, der trotzdem noch ziemlich klein ist.

Acceptance of robo-advisors: Effects of financial experience, affective reactions, and self-enhancement motives nennt sich das Arbeitspapier von Christoph Hohenberger, Chaiwoo Lee und Joseph F. Coughlin vom 30. Juli. Sie zeigen auf Basis einer Befragung von über 600 US-Amerikanern, wie man Robo-Advisors erfolgreicher gestalten kann.

Deutsche Banken kontern Gratis-Broker mit höheren Preisen“ schreibt Christian Kirchner am 26. November bei finanz-szene.de und erwähnt auch den neuen deutschen Gratisbroker.

Neues zu traditionellen Investments

In „Einmalanlage schlägt Cost Averaging – in fast jeder Hinsicht” schreibt Ali Masarwah von Morningstar am 3. Dezember bei Morningstar.de eine Zusammenfassung der Ergebnisse der Studie “Dollar-Cost Averaging: Truth and Fiction” von Oren Kaplan, ebenfalls von Morningstar. „Sparpläne sind als Investmentstrategie nicht empfehlenswert. Auch wenn Vertriebe das so genannte Cost-Averaging oft als überlegene Form des Wertpapiersparens anpreisen, sind Einmalanlagen zu bevorzugen.“ Nachvollziehbar: Bei grundsätzlich steigenden Märkten verdient derjenige mehr, der den gesamten Anlagebetrag gleich am Anfang investiert. Doch Kaplan zeigt, dass auch die Schwankungen von Einmalinvestments tendenziell geringer sind und erklärt das auch, u.a. mit der geringeren Pfadabhängigkeit. Masarwah weist aber auch auf die psychologischen Vorteile von ratierlichen Investments hin.

 When equity factors drop their shorts ist ein Arbeitspapier von Robecos David Blitz, Guido Baltussen und Pim van Vliet vom 26. November. “This paper makes a breakdown of common equity factor strategies into their long and short legs, and finds that (i) most added value tends to come from the long legs, (ii) the long legs of factors offer more diversification than the short legs”. … “We also challenge recent claims that the value and low-risk factors are subsumed by the new Fama-French factors.”  (Abstract) Analyisert wird die Zeit von 1963 bis 2018 bzw. 1990 bis 2018 für internationale Märkte. Mein Kommentar: Interessant, dass auch für relativ aktuelle Perioden eine theoretische Outperformance von einfachen Long-Only Faktorstrategien identifiziert wurden, die Assetmanager aber bisher in der Realität meist nicht geliefert haben.

 „Fast geschenkt – ETFs für die großen Märkte sind heute so preiswert wie nie zuvor; damit werden sie zur ernsthaften Konkurrenz für Futures“ schreibt Thorben Lipper am 3. Dezember im ETF Magazin auf den Seiten 25-27. Darin gibt es auch einige Zitate von mir.

Traditionelle Investments: Neues zum Thema Asset Allokation

Aktienportfolio schlägt risikolose Anlage“ heißt es bei Das Investment am 29. November unter Verweis auf eine Studie des Leibniz-Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) im Auftrag des Verbraucherzentrale Bundesverbands (VZBV). „Demnach würden Verbraucher selbst bei einem reinen Aktienportfolio in 93 von 100 Fällen mehr Vermögen erzielen als mit einer risikolosen Anlage wie in Bundesanleihen.“ Und „Im Mittelwert bringt eine reine Aktienstrategie eine rund dreimal so hohe Rente wie eine risikolose Anlage in Anleihen“. Mein Kommentar: Wenn das Wort risikolos nicht wäre, fände ich das Ergebnis nachvollziehbar (Das kann man ähnlich und kostenlos auf Portfoliovisualizer selbst nachvollziehen). Das sollte keine Investmentprofi in Zusammenhang mit Anleihen nutzen.

Spezialfondsanalyse: Institutionelle Investoren – Mit größerer Vielfalt zum Ziel“ schreibt Markus Neubauer am 25. November bei IPE über eine Analyse seiner Universal Investment. Demnach liegen die Rentenanteile aktuell bei 43,3% und Aktien bei 23,4%, was ca. 33% für andere Anlagen übrig lässt. Mein Kommentar: Das entspricht ungefähr der Allokation des Weltmarktportfolios (WMP) von Diversifikator, wobei die „anderen Anlagen“ der deutschen Spezialfonds eher anleiheähnlich sind und die „Alternatives“ des WMP eher aktienähnlich, was zumindest einen Teil der erheblich besseren Performance des WMP gegenüber Spezialfonds erklärt.

Auch US Publikumsfonds und Pensionsfonds verfolgen ähnliche um Alternatives „erweiterte“ Aktienquoten, wie eine Analyse von John Rekenthaler von Morningstar vom 3. Dezember zeigt: Comparing Asset Allocations: Fund Investors Versus Pension Plans.

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