Summary
Wohn-Impact: Matching-Modelle, lokale Beratung – und Unternehmen, die Wohnen als Teil ihrer Mitarbeiterstrategie fördern, können helfen, viel mehr, günstigere und bessere Wohnmöglichkeiten zu schaffen
Wohn-Impact: Unsere Wohnsituation verändert sich. Mehr, bessere und bezahlbare Wohnmöglichkeiten sind machbar. Für Unternehmen ergeben sich interessante Impact-Optionen.
Wohn-Impact: Entwicklungen
– Die Wohnung wird zum Lebensmittelpunkt: Homeoffice nimmt zu, Reisen werden teurer.
– Bezahlbarer Wohnraum schrumpft: Neubau und Modernisierung sind teuer, Mieten und Nebenkosten steigen, Altersarmut wächst.
– Flexibilität fehlt: Umzüge, z.B. bei Jobwechseln oder familiären Veränderungen sind oft schwer realisierbar.
– Wohnqualität sinkt: Hitze, Kälte, schlechte Luft, Lärm – viele Wohnungen sind nicht zukunftstauglich.
– Passende Wohnformen fehlen oft: Seniorengerechte Wohnungen, betreutes Wohnen, Mehrgenerationenmodelle.
– Einsamkeit nimmt zu – besonders bei älteren Menschen, und das kann gravierende gesundheitlichen Folgen haben.
Lösungsansätze, die heute schon funktionieren
– Ungenutztes Wohnpotenzial durch stark gestiegene Wohnfläche pro Person, besonders bei älteren Menschen.
– Multiplikationseffekt: Wenn zwei Singles zusammenziehen, wird eine Wohnung frei – die wiederum zwei Personen Platz bieten kann.
– Viele ältere Bewohner wären bereit, im eigenen Quartier in kleinere Wohnungen oder Wohngemeinschaften zu wechseln.
– Förderprogramme existieren, werden aber kaum genutzt.
– Es gibt gute Initiativen – kommerziell (z. B. Bring Together Ltd) und nicht-kommerziell (wohnbuddy.com, Gemeinschaftlich Wohnen, GRÜNE LIGA Berlin e.V.).
– Kombinierte Matching-Plattformen für Wohnungen + Mitbewohner könnten enorme Wirkung entfalten – aber Umzugswillige brauchen Beratung, oft vor Ort.
Wohn-Impact: Warum Unternehmen gefragt sind
– Unternehmen profitieren direkt davon, wenn Mitarbeitende gut wohnen (Werkswohnungen sind teuer).
– Unternehmen könnten Vor-Ort Beratung finanzieren.
– (Groß-)Unternehmen können eigene Matching-Programme zwischen (eigenen) Pensionären/Rentnern und Wohnungssuchenden aufbauen – z.B. in Kooperation mit bestehenden Initiativen.
– Kommunen können Unternehmen unterstützen, weil zufriedene Bewohner auch stabile Quartiere bedeuten.
Ausgewählte Fakten und Fazit
– 40 % der 50–70‑Jährigen lehnen ein Altersheim ab, aber über 40 % sind offen für Wohngemeinschaften oder Mehrgenerationenhäuser (Otten, S. 172, 175/176, 245, s. auch Generali, S. 309/310). Das sind viele Millionen Menschen in den nächsten Jahren, die aktiv nach Alternativen suchen.
– Zum Vergleich: Es gibt aktuell ca. 700.000 Personen in Pflegeeinrichtungen (eigene Berechnungen nach Statista) und etwa ebenso viele Werkswohnungen (vgl. BUndesministerium)
Wir haben ein riesiges, ungenutztes Potenzial, das gleichzeitig soziale, wirtschaftliche und ökologische Vorteile bringt. Was fehlt, sind intelligente Matching-Modelle, lokale Beratung – und Unternehmen, die Wohnen als Teil ihrer Mitarbeiterstrategie fördern.
Wohn-Impact: Weiterführende Informationen
Dieser Beitrag baut auf diesem Konzept auf: Wohnteilen: Viel Wohnraum-Impact mit wenig Aufwand
Bertelsmann Stiftung: Entwicklung der Altersarmut bis 2036 – Trends, Risikogruppen und Politikszenarien, 2017
Bundesministerium für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen: Wohnen für Mitarbeitende – Ein Beitrag zur Fachkräftebindung und zur Wohnraumversorgung, 12. Dezember 2024
Bolz, Pia/Beckmann, Nils: Dezernat für Soziales, Senioren, Jugend und Recht: Bedarfsanalyse Seniorengerechtes Wohnen in Frankfurt am Main, 2010
Bovelet, Rainer: SchuldnerAtlas Deutschland 2019 | News | Creditreform, Creditreform 2019
Chaumet, Martin: Berechnung der Altersabhängigkeit der internen Umverteilungen am Wohnungsmarkt als strategische Grundlage für Optimierungsmaßnahmen, in ZIWP Zeitschrift für Immobilienwirtschaft und Immobilienpraxis Nr. 1/2019
Chaumet, Noah: Entwicklung von Matching –Algorithmus und dessen Auswahlkriterien zur Bildung SeniorInnen-WGs sowie Design der benötigten Oberfläche, Projektarbeit, Januar 2019 (unveröffentlicht)
Deutscher Verband Job und Wohnen
FORUM Gemeinschaftliches Wohnen e.V., Bundesvereinigung: Leitfaden Gemeinschaftliches Wohnen plus, 19. April 2024
Fuhrhop, Daniel: Der unsichtbare Wohnraum, 13. Juni 2023
Generali: Altersstudie 2013, Wie ältere Menschen leben, denken und sich fühlen, 2012
Grüne Liga: Win-Win im Bestand, 2026
Holt-Lundstad et. al.: Loneliness and social isolation as risk factors for mortality: A meta-analytic review, 2015
Körber-Stiftung und Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung: Aging in Place. Wohnen in der altersfreundlichen Stadt. Kommunale Strategien für die Babyboomer-Generation, November 2022 und (Gem)einsame Stadt? Kommunen gegen soziale Isolation im Alter, 2019
Lehner, Matthias et al.: Living smaller: acceptance, effects and structural factors in the EU, 27. Juni 2024
Netzwerk Immovilien (Hrsg.): Strukturen und Prozesse für mehr Gemeinwohl, Berlin, Mai 2022
OptiWohn – Flächennutzung optimieren, Neubaudruck reduzieren (wohnen-optimieren.de)
Otten, Dieter: Die 50+ Studie – Wie die jungen Alten die Gesellschaft revolutionieren, 2008
Paar, Angelika et al.: Wohnraummobilisierung – gut für Menschen, Kommune und Klima, Dezember 2000
Rahman, Sharukh und Kumar, Manoj: Optimal Room and Roommate Matching System Using Nearest Neighbours Algorithm with Cosine Similarity Distribution, 24. Januar 2021
Saiz, Albert: The Global Housing Affordability Crisis: Policy Options and Strategies, März 2023
Söhnholz, Dirk: Wohnteilen: Viel Wohnraum-Impact mit wenig Aufwand, 21. Februar 2023
Stiftung Trias: Gemeinschaftliches Wohnen zur Miete, 2025
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