Warum sich das Weltmarktportfolio so gut entwickelt

Das Weltmarktportfolio meiner Diversifikator GmbH beruht auf einer einfachen Idee: Wenn es gelingt, die aggregierten Kapitalanlagen aller Anleger weltweit („Kapitalanlage- oder Kapitalstock“) zu kopieren, kommt man zum passivsten denkbaren Portfolio. Und das hat Vorteile, denn so fallen wenig Transaktionskosten an. Und der Nachbau der aggregierten Kapitalanlagen führt auch dazu, dass man sich kaum verspekulieren kann bzw. Fehlprognosen irrelevant sind,

weil die Kapitalanlage ohne Prognosen auskommt. Wenn Anleger insgesamt zum Beispiel aus Aktien in Anleihen oder umgekehrt aus Anleihen in Aktien umschichten, sind zwar Verluste in dem Segment zu erwarten, dass abgebaut wird, aber Gewinne in dem Anlagesegment, das aufgestockt wird. 

Die Umsetzung einer solchen most-passive Allokation ist aber nicht so einfach. So gibt es keine wirklich verlässlichen und aktuellen Messungen des Kapitalstocks und die meisten Anleger können weltweit diversifizierte illiquide Anlagen nicht einfach kopieren. Diversifikator hat sich daher auf die Umsetzung der besten bekannten Untersuchungen mit kostengünstigen Indexfonds in Form von ETFs fokussiert.

Die Rückrechnung der Ergebnisse des so konstruierten Portfolios brachte sehr attraktive Ergebnisse. So ergaben sich ohne Rebalanzierungen, die sich normalerweise vorteilhaft auswirken, von Anfang 2008 bis zum offiziellen Portfoliostart zu Anfang 2016 eine Rendite von 5,4% p.a. bei einer Volatilität von 8,5% und somit bei einer 0-Zins Annahme eine Sharpe Ratio von 0,63 und einen maximalen Verlust von 23%. Ein Weltaktien-ETF bzw. eine durch gute Anleiherenditen in der Periode kaum schlagbare 60/40 Aktien/Anleihe ETF-Benchmark, hätte die folgenden Werte ergeben: Rendite 4,1% p.a. bzw. 4,9% p.a., Volatilität 20,5% und 10,2%, Sharpe Ratios 0,2 und 0,48, und maximale Verluste 49% und 25%. Das „most-passive“ Portfolio schneidet also ziemlich gut ab. Viele Vermögensverwalter können froh sein, wenn sie nicht mit dem Weltmarktportfolio verglichen werden.

Eine Faktoranalyse hat nur für den S&P 500 mit 0,6 aber für keinen der anderen fast 50 untersuchten Faktoren eine Abhängigkeit von mehr als 0,5 ergeben (die meisten der hier genannten Daten sind auf www.diversifikator.com zu finden).

Um zu verstehen, wie die guten Vergangenheits- und auch die sehr gute „live“ Performance des Portfolios in 2016 zu erklären sind, wurden die dem Portfolio zu Grunde liegenden Anlagesegmente separat analysiert. Hier sind die Ergebnisse:

Das einzige Anlagesegment mit einer besseren Sharpe Ratio als das Gesamtportfolio in der Analysenperiode von Januar 2008 bis Ende April 2016 ist das der Euro-Anleihen. Die Renditen dieses Segmentes liegen allerdings erheblich unter denen des Weltmarktportfolios insgesamt. Nicht-Euro Anleihen haben durch Währungseffekte die höchsten Renditen aller Einzelsegmente aber auch höhere Volatilitäten und fast so hohe Verluste wie das aggregierte Weltmarktportfolio. Die schlechteste Sharpe Ratio haben europäische Aktien. Das ist eine Folge der geringsten Renditen und der höchsten Volatilitäten im Segmentvergleich.

Europäische Aktien haben zudem sehr hohe maximale Verluste. Non-Euro Aktien hatten zwar ebenfalls hohe Verluste und Volatilitäten, aber dafür sehr gute Renditen. Die „Alternatives“ (also Immobilien-, Infrastruktur-, Rohstoff-, Private Equity und Agraraktien-ETFs) schneiden im Backtest, wenn man Korrelationen außer Acht lässt, nicht besonders gut ab: Sie haben die zweitschlechtesten Renditen nach den europäischen Aktien und auch hohe Volatilitäten und hohe maximale Verluste. In 2009 und 2010 zeigen Alternatives dagegen besonders gute Renditen. Die Kennzahlen für die Jahre 2008-2010 wurden stark durch Immobilienaktien und REITs geprägt. In den anderen Jahren sind Alternatives dagegen bei den Kennzahlen meist im Mittelfeld zu finden.

Nur ein kleiner Teil der Effekte der einzelnen Segmente ist auf die Dollarkursentwicklung zurückzuführen. Der Dollar-Index stieg in der betrachteten Periode (vor allem in 2014 und 2015) zwar um 3,2% p.a., aber er hat in 2009, 2012 und zu Anfang 2016 eine negative Entwicklung gehabt.

Fazit: Die Mischung macht es aus oder das Ganze ist mehr als die Summe seiner Teile, so wie es bei einer guten Diversifikation sein soll. Und: Auch ohne Prognosen und Optimierungen lassen sich gute Portfolios entwickeln. Oder sogar: Das Weltmarktportfolio ist besonders gut, weil keine Prognosen und Optimierungen verwendet werden.

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