Vermögensverwalter: Hohe ETF-Nutzung und viel Interesse an Robo-Beratung

Vermögensverwalter gelten als besonders treue Anhänger aktiver Fonds. Viele Vermögensverwalter sind selbst aktive Portfoliomanager und mit dem Vertrieb aktiver Fonds kann man ziemlich gut verdienen. Daher sind einige Ergebnisse der Studie „ETFs, Fonds, Robo-Advisory, Regulierung bei Vermögensverwaltern in Deutschland“ unseres Partners QAP Analytic Solutions (s. www.qap-analytics.com) besonders interessant:

Bereits 86% der befragten Vermögensverwalter setzen  ETFs ein (S. 4). 13% der Befragten nutzen ETFs  sogar für mehr als 50% des verwalteten Vermögens und weitere 27% für mehr als 25% des Vermögens (S. 5/6). Und fast 60% aller Befragten wollen ihr ETF Allokation in den nächsten 12 Monaten erhöhen (S. 5).

Über 70% setzen ETFs wegen ihrer niedrigen direkten Kosten ein (S. 11). Was dagegen selten thematisiert wird: ETFs werden aber auch als wichtig für die Senkung der internen Kosten der Vermögensverwalter angesehen (S. 11).

Über 50% der Befragten nannten zudem bessere Asset-Allokationsmöglichkeiten (S. 7) als wichtigen Grund für den Einsatz von ETFs. Aus den Antworten wird aber nicht klar, ob ETFs aktive Fonds nur als Instrumente einer aktiven Asset Allokation ersetzen oder ob die Nutzung von ETFs zu einer insgesamt  passiveren oder sogar aktiveren Asset Allokation führt.  Auch Letzteres ist möglich, da Transaktionen mit ETFs schneller umgesetzt werden können als mit klassischen Fonds. So gibt es eine interessante Studie, die zeigt, dass Privatanleger offenbar so agieren („Abusing ETFs“  von Bhattacharya/ Loos/Meyer/Hackethal, July 2016).

Ich halte gutes aktives Allokations-Management  für sehr schwierig. Es wird dauerhaft wohl nur wenigen Vermögensverwaltern gelingen,  passive Anlagelösungen wie die von Robo-Advisors mit aktivem Assetmanagement  outzuperformen (zur aktuellen Performance von Robo-Advisors siehe z.B. www.brokervergleich.de und – „in eigener Sache“ – www.diversifikator.com).

Vermögensverwalter können aber selbst zusätzlich Robo-Advisory anbieten. Schließlich sind sie an internen Kostensenkungen interessiert und  sehen als größte Herausforderung auf der Vertriebsseite die Online-Erreichbarkeit von Kunden (S. 21). Dementsprechend wird eine Online Vermögensverwaltung bereits von fast der Hälfte der befragten Vermögensverwalter angeboten oder zumindest geplant (S. 21).

Ein solches Robo-Beratungs- bzw. Verwaltungsangebot kann dazu führen, Bestandskunden effizienter zu bedienen und/oder mehr Kunden zu akquirieren. Verwalter können sich so stärker auf die nur schwer zu automatisierende Finanzplanung für Anleger konzentrieren anstatt auf das – zumindest sofern es „passiv“ ist – einfach zu automatisierende Portfoliomanagement. Durch zunehmende Automatisierung kann  „passives“ Management daher Auftrieb erhalten. Und durch mehr und schnellere automatisierte Informationen für den Anleger kann die Beratungsqualität verbessert und gleichzeitig können Kosten reduziert werden.

Auch der Beitrag zu Sparplänen von Christian Schuster von QAP ist lesenswert („Attraktive Sparpläne für Anleger und deren Berater“, S. 34-38; dazu siehe auch http://prof-soehnholz.com/institutioneller-sparplan-leiden-des-fondsverkaeufers/).

Was manchmal übersehen wird: Auch für Family Offices sind ETFs sehr wichtig (S. 30 der QAP-Studie; siehe auch interessanter Gastbeitrag von J. Christian Stadelmann: Der Einsatz von Exchange Traded funds (ETFs) aus Single Family Office Perspektive“, S. 31-33). Das Thema Family Office und Robo-Advice wird  in der Studie  jedoch nicht adressiert (dazu siehe z.B. http://prof-soehnholz.com/robo-advisor-fuer-family-offices/).

 

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