Verantwortungsvolle Geldanlage kann einfach, günstig und gut sein

Oft wird angenommen, dass man bei sogenannten „guten“ Anlagen auf Rendite verzichten muss. Das stimmt aber nicht. Meistens bringen verantwortungsvolle Anlagen genauso gute  Renditen ein wie andere Anlagen, wie viele wissenschaftliche Untersuchungen zeigen  (siehe z.B. Friede, Gunnar; Busch, Timo; Bassen, Alexander (2016): Auswirkungen von ESG-Faktoren auf die Performance von Finanzanlagen, Absolut impact Nr. 1, S. 26-31).

Viele Bezeichnungen

Aber was sind verantwortungsvolle Anlagen? Verantwortungsvolle Anlagen werden auch als ESG-Anlagen bezeichnet. Dabei stehen die drei Buchstaben für Ecology/Ökologie, Social/Soziales und Governance/Unternehmensführung. Zusätzlich gibt es die Begriffe nachhaltige oder sustainable Investments, die sich beide meist eher auf die ökologische Dimension beziehen, und Socially Responsible Investments (SRI), die den sozialen Aspekt hervorheben. Manchmal wird auch von  ethisch oder religiös basierten Investments gesprochen, wie sie z.B. von Kirchenbanken angeboten werden. Relativ neu sind sogenannte Impact Investitionen. Dabei werden Geldanlagen favorisiert, die positive Auswirkungen vor allem  auf die Faktoren E und S haben sollten, z.B. Investitionen in erneuerbare Energien oder kostengünstige Bildung.

Einfache Klassifikationsmöglichkeit

Für Investmentprofis sind verantwortungsvolle Anlagen typischerweise solche, die möglichst wenig negative Auswirkungen auf Umwelt, Kunden, Mitarbeiter, Lieferanten, Investoren und Nachbarn bzw. Kommunen bzw. die Gesellschaft im Allgemeinen haben. So werden Waffenhersteller von vielen Anlegern ausgeschlossen.  Im strengeren Sinn sind verantwortungsvolle Anlagen sogar positiv für einen oder mehrere der E,S oder G Dimensionen.

Aktive Fondsmanager und benchmarkorientierte Anleger sind skeptisch

Geldanlageverwalter sind oft negativ in Bezug auf ESG eingestellt, weil sie ihre Freiheit bei der Geldanlage nicht beschränken wollen. Bei weniger Anlagemöglichkeiten erwarten sie geringere Renditen für ihre Anleger oder höhere Risiken.Traditionelle Vermögensverwalter und Banken haben daher oft keine ESG-Anlagen im Angebot  (s. http://prof-soehnholz.com/warum-privatkunden-noch-nicht-aktiv-nach-esg-portfolios-fragen/). Wissenschaftlich ist das nicht unbedingt nachvollziehbar. Es gibt zum Beispiel zahlreiche Untersuchungen die zeigen, dass schon relativ wenige Aktien genügen, um eine ausreichend breite Streuung der Kapitalanlagen zu erreichen.

Großanleger wie Versicherungen und andere Altersvorsorgeeinrichtungen haben ein anderes Problem mit verantwortungsvollen Anlagen. Ihre Anlageziele werden in Relation zu traditionellen Indizes festgelegt. So kann es heissen, dass für ihre Aktienanlagen eine ähnliche Performance wie für einen bekannten Weltaktienindex erreicht werden soll. Ein verantwortungsvolles Portfolio weicht aber sicher vom Weltaktienindex ab, weil einige der dort enthaltenen Branchen bzw. Unternehmen ausgeschlossen werden. Solche an traditionellen Indizes orientierte Kapitalanleger legen daher nicht gern verantwortungsvoll an, weil sie damit sicher Abweichungen zum Index haben, einen sogenannten Tracking Error.

ESG-Investments werden trotzdem populärer

Trotzdem nimmt die Nutzung von ESG Kriterien bei professionellen Anlegern zu. Diese setzen grundsätzlich gerne auf Unternehmen, die möglichst viel soziales und für den Umweltschutz tun und auch sonst gut geführt werden, obwohl das zusätzliche Kosten verursachen kann. Solche Unternehmen haben aber tendenziell zufriedenere Kunden und Mitarbeiter. Mit der Nutzung von ESG-Kriterien wollen Profianleger aber vor allem Risiken vermeiden, die mit Investments in schlechte ESG-Titel verbunden sind. Unternehmen, die bei ESG Kriterien schlecht abschneiden, haben unter anderem Reputations- bzw. Skandalrisiken und werden daher als riskanter als Unternehmen eingeschätzt, die ordentlich bei ESG Kriterien abschneiden. Profianleger befürchten neben Verlusten mit schlechten ESG Titeln auch, dass ihre eigene Reputation unter schlechten ESG-Investments leiden kann, wenn solche Investments öffentlich werden.

Es gibt aber eine kleine Gruppe von Geldanlegern, die sogar bewusst in schlechte Unternehmen nach ESG Kriterien anlegen. Angeblich sollen solche Aktien von Sündenunternehmen wie Zigaretten- oder Alkoholherstellern oft besonders gut performen. Neue Untersuchungen zeigen aber, dass die Outperformance, sofern sie überhaupt vorhanden ist, nicht darauf zurückzuführen ist, dass es sich dabei um besonders unverantwortliche Unternehmen handelt sondern auf andere Faktoren wie eine hohe Profitabilität (s. https://www.robeco.com/en/insights/2017/09/research-reveals-why-sin-stocks-outperform.html), die auch mit verantwortungsvollen Unternehmen erreicht werden kann.

Es gibt diversifizierte, liquide und günstige ESG-Anlagen

Wenn man verantwortungsvoll anlegen möchte, ist zunächst die Art der Investments festzulegen. Investments in einzelne Projekte bzw. Aktien können sehr riskant sein. Man sollte daher auch verantwortungsvolle Anlagen streuen. Dazu bieten sich Fonds an, die mehrere Anlagen zusammenfassen.

Geschlossene Fonds waren lange Zeit die vorherrschende Form der Anlage. Sie haben den Nachteil, dass sie Anlagegelder meist für relativ lange Zeit binden. Ausserdem sind sie oft nur relativ wenig gestreut und teuer.

Offene Fonds, die in liquide Wertpapiere investieren, können typischerweise täglich verkauft werden und sind oft viel günstiger als geschlossene Fonds. Das gilt aber nicht für alle offenen verantwortlichen Fonds. Wenn Ausgabeaufschläge erhoben werden und Kosten von über 3 Prozent pro Jahr anfallen ist es sehr schwer für Anleger, attraktive Renditen zu erwirtschaften.

Inzwischen gibt es aber auch ETFs, also passive, diversifizierte und günstige Fonds für verantwortungsvolle Geldanlagen. Dabei handelt es sich ganz überwiegend um Aktien-ETFs, die ebenso wie normale Aktienfonds erheblichen Schwankungen unterliegen können. Auch die relativ neuen sogenannten Green-Bonds, also Anleihen, die nur ökologisch gute Projekte finanzieren sollen, können schon als ETF gekauft werden. Allerdings können auch Unternehmen, die nicht durchgängig sehr verantwortungsvoll sind, Green Bonds begeben. Die Anleihen sind daher nicht unumstritten.

Generell haben aktive Fondsmanager es schwer, passive ETFs zu schlagen. Es scheint so, als wenn auch aktive ESG-Fonds Schwierigkeiten haben, besser als passive ESG ETFs zu rentieren.

Neue diversifizierte Multi-ETF und Speziallösungen

Meine Firma Diversifikator hat Anfang 2016 als meines Wissens erster Anbieter ein Multi-ETF Portfolio gestartet, dass neben verantwortungsvollen Aktien-ETFs auch einen verantwortungsvollen Unternehmensanleihe-ETF umfasst. Zusätzlich gibt es ein Islamic-ETF Portfolio. Seit Anfang 2017 wird das ESG ETF-Portfolio auch mit Trendfolge-Risikosteuerung angeboten. Zur Risikoreduktion wird eine Beimischung von verantwortungsvollen Tages- bzw. kurzfristigem Termingeld empfohlen, das z.B. von Banken wie Triodos oder der GLS angeboten wird.

Bei spezialisierten Anlagen sind vor allem ESG-Dimensionen und Ausschlüsse zu beachten

Für Anleger in spezialisierte verantwortungsvolle Produkte ist vor allem wichtig zu beachten, ob alle oder nur einige E, S und G Dimensionen bei der Produktstrukturierung berücksichtigt werden.

In Deutschland sind zum Beispiel Investitionen in erneuerbare Energien sehr populär, die allerdings manchmal nur die Dimension „E“ befriedigend abdecken.

ESG Investment bauen typischerweise auf ESG-Analysen auf. Dabei werden teilweise über einhundert E, S und G Faktoren pro Unternehmen bzw. Projekt erfasst. Unterschiedliche ESG-Analysten bzw. ESG-Agenturen fassen diese Daten zu sogenannten ESG-Urteilen bzw. Ratings zusammen. Diese können konzeptionell recht unterschiedlich sein. Erste Untersuchungen zeigen aber, dass sich die besten und schlechtesten Unternehmen bei unterschiedlichen ESG- Analysten typischerweise kaum voneinander unterscheiden. Die Auswahl des ESG-Daten- bzw. Ratinganbieters ist daher offenbar nicht so wichtig.

ESG-Produkte unterscheiden sich eher nach dem Umfang von Ausschlüssen. Bei dem Indexanbieter MSCI zum Beispiel werden Unternehmen mit nennenswerten Aktivitäten in den Bereichen Alkohol, Atomenergie, Erwachsenenunterhaltung, genetisch veränderten Organismen (GMO), Glücksspiel, Tabak und Waffen ausgeschlossen.

Meine Firma Diversifikator schliesst bei den direkten Aktienportfolios zusätzlich Unternehmen mit Haupttätigkeit im Öl-, Gas-, oder Kohle-Geschäft, mit Tierversuchen und, vor allem um Kinderarbeit zu vermeiden, auch Aktien aus Ländern aus, die nicht zu den am stärksten entwickelten gehören.

Ähnlich wie bei den wissenschaftlichen Untersuchungen generell festgestellt, ist die Performance der meisten dieser Portfolios sehr gut.

ESG-Individualisierung jetzt auch für Privatkunden

Diversifikator bietet bald und meines Wissens als erster Portfolioanbieter auch zahlreiche individualisierbare passive ESG Portfolios aus Einzelaktien an. Das ist deshalb besonders wichtig, weil ESG- und selbst Impact-Indizes bzw. Portfolios Unternehmen enthalten können, die nicht unstrittig sind.

So enthält der MSCI Welt SRI Index Ende Oktober 2017 unter anderem die folgenden Top-Positionen:

MICROSOFT CORP
PROCTER & GAMBLE CO
INTEL CORP
CISCO SYSTEMS
ROCHE HOLDING GENUSS
DISNEY (WALT)
MCDONALD’S CORP
TOTAL
NVIDIA
SAP

Microsoft wird auch als „Datenkrake“ bezeichnet, Procter & Gamble bietet nicht nur umweltfreundliche Produkte an und Roche Pharma ist auch nicht jedermanns Sache.

Kritik kann man sicher auch einigen der Top 10 Investments im MSCI Welt Impact üben:

JOHNSON MATTHEY
ABBVIE
UMICORE
SCHNEIDER ELECTRIC
SEKISUI HOUSE
GILEAD SCIENCES
EAST JAPAN RAILWAY CO
VESTAS WIND SYSTEMS
PEARSON
PROCTER & GAMBLE CO

Fazit: Besser „gut“ investieren

Bei verantwortungsvollen Anlagen gibt es keine objektiv richtige Kriterien. Auch quantitativ findet man keine einzelnen signifikanten Kriterien, mit denen man besonders gute Performance erreichen kann (s.  http://prof-soehnholz.com/fonds-pri-academic-esg-responsible-investment-research-quantitativ). Wenn man aber darauf achtet, dass die Wertpapiere nach E, S und G Kriterien nicht zu den schlechtesten gehören, kann man sogar attraktive Renditen bei vertretbaren Risiken erreichen. Und wenn mehr Geld nach ESG-Kriterien angelegt wird, werden Unternehmen hoffentlich dazu angeregt, sich  zu verbessern und das ESG-Niveau steigt im Laufe der Zeit. So steht ESG für Einfach Super Gut   .

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