Robo-ESG: Verantwortungsvolle Online-Investments im Vergleich

Robo-ESG: Fast alles spricht dafür

Die Logik für nachhaltige Online Angebote ist einleuchtend: Da nachhaltige Anlagen ähnliche Risiken und Renditen haben wie traditionelle Anlagen, spricht alles für Investments in nachhaltige Anlagen. Wie bei allen Anlagen sind dabei niedrige Kosten wichtig, um attraktive Renditen zu erreichen. Am kostengünstigsten kann man online anbieten bzw. kaufen. Bisher gibt es aber erst wenige online ESG Angebote. Robo-ESG kann deshalb für Nachfrager und Anbieter sehr attraktiv sein.

Für alle Robo-Advisor gilt, dass die Vermarktung aufwändig ist. Selbst in den USA sind bisher nur wenige unabhängige Robo-Advisors profitabel. In Deutschland ist wohl bisher nur das Scalable Angebot für den Vertriebspartner ING profitabel.

Robo-ESG: 2 pure ESG-Robos und 5 Angebote „traditioneller“ Robos

Auslöser für diese Analyse war die Pressemeldung, dass Vividam zum führenden nachhaltigen Robo-Advisor in Deutschland werden möchte. Ich bin skeptisch, ob das gelingen wird. Doch zunächst kommt hier mein Marktüberblick.

Heute gibt es meiner Recherche nach neben Vividam nur einen Robo-Advisor, der ausschließlich sogenannte verantwortungsvolle oder nachhaltige Angebote macht, nämlich Pax-Investify. Die „katholische“ Pax Bank, bzw. der „genossenschaftlicher Finanzdienstleister mit christlicher Werteorientierung“, hat diesen Roboadvisor im Jahr 2018 zusammen mit Investify konzipiert (siehe hier). Vividam von der FiNet Asset Management AG, startete im Dezember 2018.

Mindestens vier andere Robo-Advisors bieten ausser traditionellen auch nachhaltige Portfolios an. Der erste Anbieter war in 2016 VisualVest der Union Investment bereits. Investify von Aixigo und Rhein Asset Management, Zeedin von Hauck&Aufhäuser und Liqid folgten in 2018. 

Robo-ESG: Mit White-Label und Modellportfolios gibt es bereits mehr als 10 Anbieter

Wenn man die sogenannten White-Label Angebote noch mitzählen würde, käme man auf wesentlich mehr Anbieter mit verantwortungsvollen Online-Portfolios. Das liegt vor allem daran, dass inzwischen einige genossenschaftliche Banken über MeinInvest auch das nachhaltige Portfolio von Visualvest anbieten. Bereits in 2017 hatte z.B. die Evangelische Bank dieses Portfolio im Online-Angebot.

Ich zähle außerdem die Portfolios meiner Firma Diversifikator und von JustETF und ExtraETF ebenfalls zu den Online ESG Angeboten. Diese drei bieten technisch-regulatorisch selbst umzusetzende Modellportfolios und keine vermögensverwalteten Robo-Advisors an. Diversifikator war ab Februar/März 2016, also noch vor Visualvest, der erste derartige Anbieter von nachhaltigen Portfolios (siehe auch http://prof-soehnholz.com/3-jahre-diversifikator-gute-rendite-aber-80-prozent-anders-ist-schwer-zu-verkaufen/). . Die anderen beiden folgten in 2018.

Robo-ESG: Nennenswerte Unterschiede zwischen den Anbietergruppen

Vereinfacht kann man also drei bis vier Gruppen von Anbietern unterscheiden: Die rein nachhaltigen Robos, die traditionellen Robos mit nachhaltigen Zusatzangeboten und die Modellportfolioplattformen. White-Label Anbieter gibt es bisher erst im Segment der traditionellen Robos.

Einige der Anbieter kann man als unabhängig bezeichnen, andere gehören zu traditionellen Asset Managern oder Banken. Da die „abhängigen“ Anbieter bisher meines Wissens keine hauseigenen Produkte anbieten, ist Unabhängigkeit/Abhängigkeit aber bisher kein wichtiges Unterscheidungskriterium.

Anders ausgedrückt: Die nachhaltigen Online Angebote sind meist neue Entwicklungen und werden in der Regel nicht „offline“ angeboten.

Robo-ESG: Modellportfolioanbieter sind wesentlich günstiger, bieten aber nur limitierte Services

Es gibt einige systematische Unterschiede zwischen den Anbietergruppen. So haben die Modellportolioanbieter keine Vermögensverwaltungslizenz. Interessenten an den Portfolios müssen diese deshalb selbst in ihren Depots umsetzen. Dafür haben sie auch die freie Depotbank- uns Brokerwahl bzw. können die Portfolios in ihren Bestandsdepots umsetzen.

Die Kosten für die Portfolios der Modellportfolioanbieter starten bei ca. 0,2% bzw. 0,3% pro Jahr (JustETF, ExtraETF für alle und Diversifikator für institutionelle Anleger) und gehen bis zu ca. 1,5% bei Diversifikator für Privatkundenangebote. Die selbständige Umsetzung der überwiegend aus wenigen ETFs bestehenden und sich selten ändernden Portfolios ist für Anleger einfach und kostengünstig möglich.

Die 1,5% bei Diversifikator beinhalten alle Produktkosten von ca. 0,3% für ETFs und die bei solchen Angebote anfallende Umsatzsteuer und typischerweise auch unabhängige persönliche Beratung und Vermögensverwaltung, für die Kooperationspartner von Diversifikator ca. 0.7% p.a. erhalten.

Die Gebühren der Online-Vermögensverwalter reichen von 0,95% bei Liqid, allerdings erst ab Mindestanlagen von 100.000 Euro, bis zu 2,9% bei Vividam, jeweils inklusive der Kosten für die genutzten Produkte. Investify liegt mit 1,3% ab 5.000 EUR am unteren Ende der Kosten für moderate Anlagebeträge.

Bei den Anbietern mit hohen Kosten wie MeinInvest und Vividam sollte typischerweise auch die persönliche Beratung enthalten sein. Diese Beratung kann durch die Provisionen der genutzten „aktiven“ Fonds finanziert werden.

Robo-ESG: Modellportfolioangebote ermöglichen mehr Auswahl

Alle vermögensverwaltenden Robo-Advisors bieten bisher jeweils nur ein verantwortungsvolles Standard-Portfolio an. Für dieses Basisportfolio werden zwar je nach Risikoneigung der Ableger unterschiedlich Mischungen von Aktien- und Anleihequoten ermöglicht, aber die Bestandteile sind jeweils gleich. Alle diese vermögensverwaltenden Robos nutzen Anleihen zur Reduktion von Portfoliorisken.

Das gilt zwar auch für den Modellportfolioanbieter Extra ETF. Nur JustETF bietet mit „ESG Screened“ und „Nachhaltigkeit SRI“ zwei Portfolios an, die sich vor allem in Bezug auf die Strenge der Nachhaltigkeitsansätze unterscheiden. Anders als bei den anderen Angeboten handelt es sich dabei um reine Aktienportfolios. JustETF bietet als einziger keine verantwortungsvollen Mischportfolios bzw. Portfolios mit unterschiedlichen Risikoklassen an.

Das mit Abstand breiteste Angebot bietet Diversifikator an: ESG ETF-Portfolio, ESG ETF-Portfolio Trend, Islamic ETF-Portfolio und fünf konzentrierte PureESG Aktien-Portfolios: Global, Global S, Infrastruktur, Immobilien und Deutschland. Einige dieser Angebote gibt es sogar nirgendwo „offline“ in vergleichbarer Form.

Durch Kombinationen mit „Cash“ können alle Portfolios auf unterschiedliche Risikoklassen angepasst werden. Besonderheit: Für die Beimischungen von Cash verlangt Diversifikator keine Gebühren, d.h. bei einem Portfolio aus 50% Aktien und 50% Cash fällt die Modellportfoliogebühr nur für den Aktienteil an.

Robo-ESG: Überwiegend nur Aktien und Anleihen sowie aktives Risikomanagement

In Bezug auf die genutzten Anlageklassen gibt es kaum Unterschiede. JustETF und Investify sind die einzigen Anbieter, die nur Aktienportfolios anbieten. Bei Investify liegt das daran, dass das nachhaltige Portfolio nur als Beimischung zu einem traditionellen Basisportfolio empfohlen wird.

Liquid fügt seinem nachhaltigen Portfolio ein Goldzertifikat hinzu und Diversifkator nutzt zusätzlich Listed Alternatives, also Immobilienaktien, Infrastrukturaktien etc. zur Diversifikation.

Die meisten Robo-ESG Anbieter verwenden diskretionäre, also nicht voll-regelbasierte Risikomanagementansätze für ihre Portfolios. Vividam, ExtraETF und Diversifikator nutzen fixe Allokationen zu Anlagesegmenten. Diversifikator bietet mit dem ESG ETF-Portfolio Trend zusätzlich ein nachhaltiges Portfolio mit rein regelbasierter Trendfolge an.

Robo-ESG: Die meisten nutzen (teure) aktive Fonds zur Umsetzung

Von Robo-Advisors erwartet man in der Regel günstige Portfolio-Umsetzung über ETFs. Für vermögensverwaltende Robo-ESG Angebote werden jedoch überwiegend sogenannte aktiv gemanagte Fonds genutzt, die typischerweise erheblich teurer als ETFs sind.

Zeedin nutzt auch direkte Aktien und Anleihen, ist aber auch erst ab einhundertfünfzigtausend Euro zugänglich. Sonst bietet nur Diversifikator Einzelaktienportfolios an, und zwar ohne formale Mindestanlagesummen und zu denselben Konditionen wie ETF-Portfolios (siehe auch http://prof-soehnholz.com/esg-investments-warum-weder-aktive-fonds-noch-etfs-ideal-sind/).

Von den vermögensverwaltenden Anbietern setzt bei den nachhaltigen Angeboten nur Liqid auf ETFs. Allerdings muss man mindestens hunderttausend Euro mitbringen, um das Portfolio kaufen zu können.

Nur die drei Modellportfolioanbieter nutzen konsequent ETFs statt aktiver Fonds.

Robo-ESG: Mindestanlagen, verwaltete Vermögen und Performance taugen (noch) nicht zur Beurteilung

Die Mindestanlagen helfen nur wenig, um die Anbieter zu differenzieren. Nur Liqid und Zeedin fallen mit ihren hohen Mindestinvestmentanforderungen von einhunderttausend bzw. einhundertfünzigtausend Euro aus dem Rahmen. Die Modellportfolioplattformen verlangen keine Mindestinvestments und bei allen anderen Anbietern werden höchstens fünftausend Euro als Mindestanlage gefordert.

Die verwalteten Vermögen in verantwortungsvollen Portfolios werden von den Anbietern bisher noch nicht veröffentlicht. Das liegt wohl daran, dass bisher kaum eines der nachhaltigen Onlineangebote über nennenswerte Assets verfügen dürfte.  

Auch die Performance habe ich nicht thematisiert. Während die Modellportfolioplattformen diese transparent ausweisen, ist sie für die nachhaltigen Angebote der Vermögensverwalter nur schwer von außen nachvollziehbar (Ausnahme Vididam). Außerdem sind die Track Records der verantwortungsvollen Angebote mit Ausnahme von Diversifikator und Visualvest noch sehr kurz. Ich hoffe, dass auch die Performances der vermögensverwaltende Robos künftig einfacher nachvollziehbar wird.

Robo-ESG: Kritik an allen bzw. noch keine perfekte Lösung

Wenn man 0% für Anleihen und 7% Bruttorenditen für Aktien erwartet, erzielen 50/50 Portfolios 3,5% Bruttorenditen. Gebühren von 1,5% und mehr pro Jahr sind meines Erachtens in Zeiten negativer Zinsen deshalb zu hoch. Von den Vermögensverwaltenden Robos mit niedrigen Mindestinvestments liegt nur Investify unter dieser Grenze. Investify bietet aber nur ein verantwortungsvolles Aktienportfolio auf Basis aktiver Fonds als Beimischung an.

Zusammenfassend kann man feststellen, dass es noch keinen günstigen vermögensverwaltenden Robo Advisor mit einem breiten bzw. sogar individualisierbaren verantwortungsvollen Portfolioangebot gibt.

Damit ergeben sich Chancen für die Modellportfolioanbieter. Allerdings erwarte ich, dass es künftig auch attraktive vermögensverwaltende ESG-Robos geben wird. Ich helfe gerne bei der Entwicklung solcher Angebote (siehe auch http://prof-soehnholz.com/statt-kannibalisierung-esg-robo-oder-alternatives-robo/).

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