Robo-Advisors bedrohen aktive Fondsmanager: Neue Chancen für clevere Berater

John Rekenthaler ist ein sehr anerkannter Fondsexperte von Morningstar USA. Er schreibt: „Indexfunds have won. …index funds now account for more than 100% of the industry’s net sales.“ Er schlägt drei „credible responses“ von aktiven Fondsmanagern vor. Diese drei Strategien können aber auch von Robo-Advisors genutzt werden. Aktive Fondsmanager sind daher doppelt bedroht. Aber Anlageberater können durchaus davon profitieren.

Die drei von Rekenthaler vorgeschlagenen Strategien für aktive Fondsmanager sind Discounting, also Gebührensenkungen, die er allen aktiven Managern empfiehlt, allerdings nicht als alleinige Strategie. Eine solche alleinige Discount-Strategie sei allenfalls für sehr wenige sehr große Assetmanager angebracht. Der zweite Weg ist der Verzicht auf „Stock-Picking“ und stattdessen ein „Targeted Strategic Beta“ bzw. Smart-Beta Ansatz. Um sich von Indexanbietern abzuheben, die meist möglichst breite Indizes anbieten wollen, empfiehlt Rekenthaler die Konzentration auf nur wenige Aktien. Der dritte Weg ist das Angebot von „solution funds — examples being target-date funds, managed-payout funds, global-allocation funds, and targeted-income funds.“

Solche „Solutions“ sieht Rekenthaler als aktiv gemanagt an, auch wenn sie Indexbestandteile enthalten. Das begründet er wie folgt: „The very act of creating the solution is an act of active investment management“ und „the pieces are assembled and monitored through active decisions.“

Robo-Advisors werden von Rekenthaler in diesem Beitrag nicht thematisiert. Dazu hier einige Überlegungen:

Robo-Advisors sind nach ihrer Definition voll automatisierte Online-Berater. Im engeren Sinn vertreiben Sie daher passive oder aktive Fonds online. In der Realität sind Robo-Advsiors aber auch Asset Manager, denn sie entwickeln eigene Anlagevorschläge bzw. Anlageportfolios und stehen damit in Konkurrenz zu aktiven Fondsanbietern bzw. Portfoliomanagern. Die meisten Robo-Advisors beschränken sich zwar derzeit noch auf ETF-Portfolios, aber einige haben schon Einzeltitel im Angebot. Aktuell stehen sie damit nicht nur in Konkurrenz zu Fondsvermittlern sondern auch zu Dachfondsmanagern und traditionellen fondsbasierten Vermögensverwaltern.

Die Frage ist, ob einige dieser vier von Rekenthaler genannten Themen (Indexfonds, Discounting, Targeted Smart Beta, Solutions; Anmerkung: Ich selbst würde auch ESG bzw. verantwortliches Anlegen als zusätzliches wichtiges Thema sehen) nicht genau so gut oder sogar besser von Robo-Advisors als von traditionellen (aktiven) Fondsmanagern angeboten werden können.

Die ETF Anbieter Vanguard und Schwab sind in den USA die erfolgreichsten Robo-Advisors. Gründe dafür sind wohl vor allem die Bekanntheit und guten Markennamen der ETF-Anbieter aber auch die sehr geringen Gebühren ihrer Robo-Advisors. Für unabhängige Robo-Advisors ist es sehr schwer, gegen diese ETF-Anbieter anzukommen. Das können sie nur durch Differenzierung der Produktangebote versuchen, denn die Robo-Advisor Technik ist mittlerweile eine Commodity geworden. Damit stehen die Robo-Advisors in Konkurrenz zu aktiven Managern.

Für die Produktdifferenzierung sehen ihnen mehrere Wege offen, darunter auch die von Rekenthaler angesprochenen:

  • Angebote von ETFs verschiedener ETF-Anbieter: Das bringt Kunden relativ wenig Zusatznutzen, da die Angebotspaletten der großen ETF-Anbieter ziemlich komplett sind und sich die ETFs zwischen den Anbietern oft kaum nennenswert voneinander unterscheiden.
  • Angebote von aktiven Fonds auf ihren Plattformen: Die großen ETF-Anbieter haben fast alle auch aktive Fonds im Konzernangebot, die sie ebenfalls schon jetzt oder wohl künftig online anbieten. Hier spricht allerdings die Produktunabhängigkeit zu Gunsten der Robo-Advisors.
  • Angebote von Solutions wie den von Rekenthaler genannten: Das können ETF-Anbieter auch machen bzw. machen sie auch schon.
  • Angebote von Einzeltiteln und individuellen Portfoliobildungsmöglichkeiten für Anleger, zum Beispiel Targeted Smart Beta. Hier haben ETF-Anbieter kaum Startvorteile, das heisst damit eröffnen sich Differenzierungschancen für Robo-Advisors.
  • Angebote von Assetklassen, für die es keine ETFs gibt, z.B. direkte Immobilien oder Private Equity Investments: Auch hier haben ETF Anbieter keine Vorteile. Online-Anbieter aus dem sogenannten Crowd-Investing Segment sind jedoch hier aktiv und eine Konkurrenz zu etablierten Asset-Managern.

Aber wie können sich aktive Manager künftig im Spannungsfeld zwischen ETF-Anbietern und Robo-Advisors, die grundsätzlich alle von Rekenthaler genannten Strategien relativ günstig umsetzen können, positionieren?

Das kann einerseits über einen starken Vertrieb erfolgen. Eine etablierte Direktvertriebsorganisation ist von Robo-Advisors nur schwer zu kopieren. Im B-to-B Bereich erfolgt der Vertrieb durch die Partner („to-B“), so dass Assetmanager, die keinen starken eigenen Direktvertrieb haben, auf andere Elemente setzen müssen. Bei den Kosten können sie kaum mit Robo-Advisors konkurrieren. Vorteile ergeben sich dadurch, dass heute der überwiegende Teil aller Anleger aktive Asset Manager nutzt. Das liegt an den Provisionen, die – im Gegensatz zu Angeboten von ETFs bzw. Robo-Advisors – mit diesen Produkten verdient werden können. Mit Provisionsverboten, neuen „Fiduciary Standards (siehe „DOL“-Vorgaben in den USA) und mehr Transparenz unter anderem durch Robo-Advisors ändert sich das jedoch.

Der überwiegende Anteil der Anlagen liegt heute noch bei aktiven Fondsmanagern, die diskretionäre bzw. personen- oder teamabhängige Investmentphilosophien verfolgen. Investmentphilosophien kann man grob in drei Gruppen differenzieren: Diskretionäre, quantitative (regelbasiert-prognosebasierte) und regelbasiert-prognosefreie.

Personenabhängige, diskretionäre bzw. Starfondsmanager-Strategien werden auch künftig nur von aktiven Managern umgesetzt werden. Diese können ihre Strategien online stellen (wie bei Wikifolio oder United Signals), aber die individuellen Portfoliomanager bzw. Teams werden kaum Bestandteil von ETF-Anbietern oder Robo-Advisors sein.

Regelbasierte (z.B. Smart-Beta) Strategien können dagegen sehr wohl relativ einfach von ETF-Anbietern und Robo-Advisors „inhouse“ entwickelt und gemanagt und angeboten werden. Größere ETF-Anbieter werden dabei allerdings kaum sehr viele sehr spezielle „targeted“ Strategien anbieten. Robo-Advisors können das aber durchaus kostengünstig umsetzen. Ähnliches gilt für Solutions, sofern sie regelbasiert sind, was meist der Fall ist. Diese können besonders von Robo-Advisors effizient umgesetzt und angeboten werden.

Wenn man also Robo-Advisors und Crowd-Investing in die Überlegungen von Rekenthaler einbezieht, bleiben kaum noch attraktive Erfolgsstrategien für aktive Fondsmanager übrig.

Was bedeutet das für Anlageberater? Anleger, die keine Berater nutzen wollen, können nur über Online-Selbstbedienungs- bzw. Robo-Advisors adressiert werden. Aber die meisten, gerade auch die anspruchsvollen Anleger, wollen weiterhin persönlich beraten werden. Diesen Kunden sollten ETFs, Smart-Beta und andere Strategien möglichst effizient angeboten werden. Gerade regelbasierte Strategien können online sehr gut unterstützt werden. Dabei können fremde regelbasierte Strategien (z.B. von ETF-Anbietern) genutzt werden oder auch eigene Anlagestrategien entwickelt und online-unterstützt angeboten werden.

Ich halte daher die Kombination von regelbasierten Produkten mit starker online („Robo“) Unterstützung und persönlicher Beratung für den Königsweg.

Quelle: John Rekenthaler im Rekenthaler Report von Morningstar vom 21.10.2016: „Where active management is headed“. Hinweis: Dirk Söhnholz ist geschäftsführender Gesellschafter des Online Portfolio Strategen Diversifikator (www.diversifikator.com).

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