Robo Advisor Segmentierung: Kapitalanlage- und Handelsspezialisten

Robo Advisors werden in den USA aber auch in Großbritannien immer populärer. Einige von ihnen haben viele Millionen Venture Capital von als sehr anspruchsvoll geltenden Fonds erhalten. Manche managen schon mehrere Milliarden an Kapitalanlagen. Vanguard und Charles Schwab sind auch schon in dem Markt aktiv und über Google, Alibaba und weitere potentielle Wettbewerber wird spekuliert.
Robo Advisors sind ein Untersegment der sogenannten Fintechs, der technologischen bzw. digitalen Finanzunternehmen. Fintechs umfassen Unternehmen mit Fokus auf Kreditvergabe, Zahlungsverkehr und eben auch Anlageberatung bzw. Investments wie Robo Advisors. Investopedia definiert Robo Advisors wie folgt: „A robo-advisor is an online wealth management service that provides automated, algorithm-based portfolio management advice without the use of human financial planners.“ Auch in Deutschland gibt es schon einige Robo Advisors. Auf www.paymentandbanking.com von Bajorat gibt es einen guten Überblick zu dem Thema (siehe z.B. Podcast Nr. 13).

Hier ist ein Vorschlag, wie man die Robo Advisors weiter segmentieren kann:
Die erste Gruppe (ich nenne sie „Investment- bzw. Kapitalanlage Robos“) stellt eine einfache langfristige Kapitalanlage in den Vordergrund: In der Regel werden wenige ETF-basierte Portfolios angeboten, die meist in defensive, ausgewogene und dynamische Strategien eingeteilt werden. In der einfachsten Variante zeichnen sie sich durch Allokationen wie 30/70, 50/50 und 70/30 in Bezug auf Aktien- und Anleihe-ETFs aus.

Andere Anbieter werben mit ihrer wissenschaftlichen Basis, meist Markowitz-Optimierungen, und kommen zu vergleichbaren Portfolios. Kern-Werbebegriffe sind: Günstig, einfach, transparent, wissenschaftlich basiert, diversifiziert. Beispiele dafür sind Betterment (US), Wealthfront (US), Future Advisor (US), Nutmeg (UK), Quirion (D), easyfolio (D), Just ETF (D), yavalu (D, jetzt: financescout24), Ginmon (D), owlhub (D), truewealth (CH) und ähnlich Vaamo (D) und Fairr (D) sowie die Aktivitäten von Charles Schwab (US) und Vanguard (US).

Die amerikanischen Robo-Advisors bieten ihre Services mit angeblichen „0“ bis zu 0,25% p.a. auf den ersten Blick relativ günstig an. Die Europäer liegen eher bei 0,4% – 1% p.a.. In den angelsächsischen Ländern gehört neben den o.g. Stichworten noch das sogenannte Tax-Loss Harvesting zu den wichtigen Verkaufsargumenten. Dabei sollen durch „automatisierte“ Realisierungen kurzfristiger Verluste Steuern gespart werden.

Die Unterschiede zwischen den Anbietern sind relativ klein. Der Wettbewerb in den USA findet vor allem über den Preis statt. In Europa ist die Bekanntheit der einzelnen Anbieter noch sehr gering, so daß zur Zeit „nur“ ein Wettbewerb gegen traditionelle Anbieter wie Banken und unabhängige Vermögensverwalter aber nicht untereinander geführt wird.
Teilweise wird das reine Online-Angebot sehr weniger einfacher Portfolios bereits erweitert und in einigen Fällen ist zumindest geplant, auch Video-Beratung oder sogar persönliche (Honorar)Beratung zusätzlich anzubieten (s. Schwab). Besonders die Kombination von Robo-Advice mit persönlicher Beratung halte ich für eine ernst zu nehmende Bedrohung für die traditionelle Vermögensberatung.

Die zweite Gruppe der Robo Advisors (ich nennen sie „Trading- bzw. Handels-Robos“) fokussiert auf eher kurzfristige und unterschiedliche Handelsstrategien: Das grundlegende Prinzip dieser Gruppe ist es, Musterportfolios online zu stellen, die beobachtet und für Investments genutzt werden können. In diesem Sinne sind es keine vollkommen Algorithmus-basierten Robo-Advisors im engeren Sinn sondern eher Social-Investing-Plattformen, die auf Empfehlungen und dem „Follower-Prinzip“ beruhen. Diese sind von Crowdinvesting zu unterscheiden. Crowdinvesting-Anbieter sammeln Geld von zahlreichen Investoren ein um sie in einzelne Projekte z.B. ökologischer oder sozialer Art oder neuerdings auch Immobilien zu investieren.

Die Musterportfolios können von Investmentprofis oder Laien eingestellt werden. Teilweise müssen sie vor der Veröffentlichung geprüft werden und/oder es muss nachgewiesen bzw. sichergestellt werden, dass die Manager der Portfolios auch mit echtem Geld investiert sind. Allerdings werden diese Musterportfolios teilweise automatisiert implementiert. Daher kann man diese Ansätze als Robo-Advisors im weiteren Sinn verstehen. Unterschiede zwischen den Anbietern bestehen in Bezug auf Multi-Asset-Ansätze versus Beschränkungen auf reine Aktienhandelsportale. Beispiele sind Covestor (US), Wikifolio (Österreich), Moneymeets (D) und United Signals (D) aber auch twindepot (D), Ayondo (D) und sharewise (D).

Vereinfacht ist das Geschäftsmodell wie folgt: Je mehr Geld von „Followern“ in die Musterportfolios investiert wird, desto eher verdient die Plattform bzw. der Manager des Musterportfolios. Dabei verdient die Plattform in der Regel an einbehaltenen Vertriebsprovisionen. Follower haben meist keine direkten Gebühren zu zahlen. Aber es gibt auch Abomodelle für Investmenttipps wie smartdepot (D). Neue Nutzer anzuziehen und zu halten soll vor allem durch Social Media Methoden erfolgen.

Wenn es den Robo Advisors gelingt, viele investitionsfreudige Follower anzuziehen, können sie durchaus erfolgreich werden. Solche Follower werden vor allem durch gute Portfolios angezogen. Dauerhaft gute Portfolios anzubieten ist aber schwierig, wie alle Portfoliomanager wissen. Mittelfristig wird daher neben der Performance auch das Risikomanagement eine Rolle spielen und wohl auch die Nachvollziehbarkeit bzw. Transparenz der Ansätze, möglicherweise auch das Thema Responsible Investments. Anbieten würde sich gerade bei den handelsorientierten Ansätzen auch eine sogenannte Gamification.

Falls es zu einem Vertriebsprovisionsverbot kommen sollte, sind die provisionsabhängigen Handels-Ansätze nicht mehr umsetzbar und müssen wohl auf volumenbasierte oder Abo-Bezahlmodell umstellen. Auch die sicher kommende Transparenz von Vertriebsprovisionen kann den Handels-Ansätzen schaden. Denn dabei kann herauskommen, dass die Plattform-Anbieter mehr an ihren Kunden verdienen, als diese Kunden vermutet haben. Die Robo-Advisor, die auf Basis von provisionsfreien ETFs arbeiten und die eine Gebühr direkt vom Anleger verlangen, wie die erste oben genannte Gruppe, kann dagegen wahrscheinlich von solchen Transparenz-Entwicklungen profitieren.

Möglicherweise werden künftig Robo Advisors besonders erfolgreich, wenn sie Anlage-, Social-Investment- und Handelsansätze sowie Video- oder persönliche Beratung z.B. über Kooperationspartner miteinander kombinieren.

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