Online-ESG und Offline-ESG: News und aktuelles Research

Offline ESG generell (noch kein Online-ESG)

Privatkunden wollen nachhaltige Anlagen“ schreibt Angelika Breinich-Schilly am 30.7. in Private Banking online über Vertriebsprofi- und Anlegerbefragungen von Ebase und confinpro (siehe auch http://prof-soehnholz.com/esg-paradox-einfach-zu-verkaufen-und-trotzdem-nicht-angeboten/).

Passend dazu schreibt Susanne Bergius zu dem Thema „Versicherungen haben noch viel vor sich“ am 9. August im immer wieder interessanten Handelsblatt Business Briefing Nachhaltige Kapitalanlage. Der erste Abschnitt beginnt so: „Aufsichtsbehörden stellen Defizite beim Management von Klimarisiken und bei der Offenlegung fest. Kapitalanlage und Versicherungen sind im Gleichklang auszurichten“. Mein Kommentar: Das bringt viel Anlagepotential für nachhaltige Angebote.

Für Faktorfreunde hat Nicolas Rabener von Faktroresearch im Juli einen interessanten Beitrag veröffentlicht: „ESG: What`s under the hood.  Residual returns from ESG investing.“? Seine Zusammenfassung: “This short research note highlights positive excess returns from ESG investing, although a deeper look reveals that the abnormal returns are mainly explained by sector biases”. Mein Kommentar: Ich interpretiere das anders: Wer keine verlässlichen Faktorprognosen erstellen kann (also wohl niemand), macht mit ESG-Investing wenig falsch. Aber Faktoranalysen sind wichtig, um Abhängigkeiten zu kennen (siehe auch http://prof-soehnholz.com/faktorallokation/).

ESG-Taxonomie, ESG für Unternehmensanleihen und Immobilien (wenig Online-ESG)

Mehr Begriffsklarheit würde helfen: Ein guter kritischer Beitrag zu EU Nachhaltigkeitstaxonomie ist „Nachhaltige Finanzierung – Wenn Anspruch auf Wirklichkeit trifft“ von Rainer Lenz und Antje Schneeweiß vom 19. Juli und publiziert von Finanzwende. Der letzte Satz lautet: „Nachhaltigkeit in der europäischen Finanzwirtschaft ist nur glaubhaft, wenn die Finanzdienstleister ihre Geschäftsmodelle, ihre Unternehmenskultur und ihre Governance nachhaltig ändern. Dies bedeutet ein Systemwechsel und keine kosmetischen Veränderungen mit einem grünen Anstrich“ (siehe auch http://prof-soehnholz.com/eu-klimaindizes-und-esg-indexverordnung-offizielles-greenwashing/).

Auch Julie Moret von Franklin Templeton hat einige Verbesserungsvorschläge für die Taxonomie: „EU Taxonomie greift zu kurz“ heißt der Beitrag vom 31. Juli in Private Banking Magazin online (siehe auch http://prof-soehnholz.com/nachhaltigkeitstaxonomie-der-eu-positive-aspekte-aber-insgesamt-enttaeuschend/).

Noch eine Studie dazu, dass ESG-Kriterien wichtig für Unternehmensanleihen sind: „ESG overlay ‘boosts outcomes for corporate bond investors“ schreibt Susanna Rust am 5. August bei ipe.com über einen Bericht von JP Morgan Asset Management.  Dort heißt es unter anderem: „The study showed that MSCI’s ‘E’, ‘S’, and ‘G’ scores were generally not related to one another or to credit agency ratings.” Mein Kommentar: Für Unternehmensanleihen hat Diversifikator jetzt auch Investmentregeln, siehe http://prof-soehnholz.com/impactesg-innovatives-mischfondsprojekt-der-von-der-heydt-bank/).

Interessantes Research zu Green Buildings, jedenfalls laut Abstract: „This paper finds that the average marginal cost of green-labeled construction projects is smaller than the value premiums documented in the literature. However, design fees, representing just a fraction of development costs but paid largely up-front, are significantly higher for green construction projects. These projects also take longer to complete“ (The price of innovation: An analysis of the marginal cost of green buildings von Andrea Cheguta, Piet Eichholtz und Nils Kok, August 2019, Journal of Environmental Economics and Management).

Offline ESG ETF Angebote (kann einfach zu Online-ESG werden)

Offenlegungsprobleme gibt es auch hier: Morningstar hat Anfang August eine detaillierte Studie von Hortense Bioy et al. zu europäischen ESG Fonds veröffentlicht. Dort kann man nachlesen, dass der Anteil passiver ESG Fonds stark zunimmt und eher Performancevorteile festgestellt werden können (S. 20). Darin heißt es unter anderem auch: „The information …. how funds ….use ESG is often incomplete and unclear“ (S. 2). Mein Kommentar: Was auch hier fehlt: Die Analyse, wie aktive im Vergleich zu passiven ESG Fonds performen. Mir ist unklar, warum Anbieter sich keine Mühe geben, ihren ESG Ansatz transparent zu machen. Das schreit förmlich nach mehr Regulierung (siehe auch http://prof-soehnholz.com/haben-fondsanbieter-angst-vor-reportingtransparenz/).

Lara Crigger schreibt am 17. Juli auf ETF.com über den US Markt: „ETF Investors Embrace ESG ‚Lifestyle‚“. Darin heißt es unter anderem: Diversifizierte und günstige ESG Core Produkte gewinnen zu Lasten von Themenangeboten. „… once investors have selected ESG-flavored core products, they tend to stick with them.” Und am Ende: “If investors continue to park their money into these core ESG products, we may see that snowball become an avalanche sooner rather than later”.

Ein sehr gutes Diskussionspapier mit dem Titel „How can a passive investor be a responible investor“ wurden von den Principles for Responsible Investments (PRI) veröffentlicht (ohne Datum). Dort findet sich auch ein Hinweis auf eine Studie von SustainAbility, die über 600 ESG-Scoring Lieferanten identifiziert und auf Unterschiede zwischen Ratings (S. 13). Auch der Hinweis auf unterschiedliche Faktorabhängigkeiten von ESG-Ansätzen, hier Low-Carbon und Thematisch, ist interessant (Verweis auf Schroders, S. 15). Und auf Seite 14 findet man Kritik, dass auch traditionelle Indizes nicht immer sehr transparent sind. Meine Meinung: Es fehlt eine Diskussion von Bottom-Up ESG Ansätzen, die nicht von sogenannten Parent Indices abgeleitet sind. Passive „Bottom-Up“ oder PureESG Ansätze könnten auch das auf Seite 15 (multiple) Daten- bzw. Indexkostenproblem reduzieren) siehe auch http://prof-soehnholz.com/verantwortungsvolle-als-einzige-offizielle-geldanlage-benchmarks/).

Kölner Asset Manager stellt ersten nachhaltigen ETF-Dachfonds vor“, heißt es in Fonds professionell online am ersten August. Mein Kommentar: Ich hätte nicht gedacht, dass es so lange dauert bis Assetmanager merken, wie attraktiv so ein Ansatz sein kann. Das ESG ETF-Portfolio von Diversifikator läuft bereits seit Ende 2015 sehr gut. Mit dem Islamic ETF Portfolio ab April 2016 und dem ESG ETF-Portfolio Trend ab Mai 2017 bietet Diversifikator inzwischen drei derartige Portfolios öffentlich an (siehe auch http://prof-soehnholz.com/regelaenderungen-fuer-2019-die-portfolios-mit-den-wohl-strengsten-esg-anforderungen/).

Und Blackrock denkt laut Benjamin Fischer über eine ESG-Variante seiner Managed Index Portfolios nach (siehe Ansgar Neisius in Das Investment online vom 9. August).  Mein Kommentar: Das Nachdenken wird sicher zu positiven Ergebnissen führen. Das aktive Management der Portfolios sollte dann aber funktionieren, denn 1,13% Kosten für die Retailtranche sind nicht billig.

Interessant: Auch Indexanbieter und große Assetmanager machen Fehler. Das konnte man am 14. August bei Fondsprofessionell online unter dem Titel „Vanguard beichtet „Sünden“ bei Nachhaltigkeits-ETFs“ lesen. 

Online-ESG

Passend dazu, aber online: „Hessischer Vermögensverwalter will zum führenden ESG-Robo-Anbieter werden“ schreibt Maximilian Märkl in Citywire online am 29. Juli über Vividam und zitiert Frank Huttel von FiNet. Mein Kommentar: Je mehr nachhaltige bzw. Online-ESG Angebote, umso besser. Ob der Ansatz, nur aktive Fonds zu nutzen, ideal ist, bezweifele ich aber (siehe auch http://prof-soehnholz.com/esg-investments-warum-weder-aktive-fonds-noch-etfs-ideal-sind/). Aber das hybride Konzept „Berater + Robo-Advisor“ halte ich für zukunftsträchtig (siehe http://prof-soehnholz.com/hybridmodelle-worauf-traditionelle-finanzdienstleister-bei-robo-advisors-achten-sollten/).

Aber auch Robo-Advisors mit Online-ESG- bzw. guten Konzepten müssen aufgeben: “Swell Investing closes its doors“ schreibt Will Bronstein Ende Juli auf „Best Robo Advisors“. Swell hatte auf sogenannte nachhaltige Impactangebote gesetzt. Auf seiner Impact Investing page führt Bronstein weitere US Robo-Advisors mit nachhaltigen Angeboten auf.

Normale Robo-Advisors und Modellportfolio-Tools (ohne Online-ESG)

Sehr detailliert, wie bei RIABiz üblich, schreibt Oison Breen am &. August “Betterment paints it black in robo retail, …”. Insgesamt hat Betterment jetzt 18 Milliarden USDollar unter Verwaltung und das Endkundengesschäft ist gerade profitabel geworden. In dem Beitrag wird Lex Sokolin mit dieser interessanten Analyse zitiert: „You can no longer look at robo-advisors as an investing application. They all have to converge towards a fintech bundle of banking, investing, payments, data aggregation, and lending … .“

Moneyfarm geht (die, die Vaamo gekauft haben) seine neuen Deutschlandangebote anders an: Aktive Allianzfonds als Basis und relativ hohe Kosten. Christian Kirchner: fragt zurecht: „Ist das noch Fintech? Wie die Allianz ihren Robo-Killer bepreist“ am 8. August.

Nicht ganz Robo aber fast: „Depotbanken …. haben sich immer mehr zum Technologiedienstleister …. entwickelt.“ …. „Während Finanzanlagenvermittler also früher einzelne Fonds für Kunden ausgewählt haben, gilt es heute fast immer, ein Portfolio anhand der Ziele des Anlegers zu gestalten. Mithilfe von Modellportfolio-Tools können Finanzanlagenvermittler ihren Kunden passende Lösungen anbieten“( Peter Nonner, Geschäftsführer der FIL Fondsbank (FFB) in „Serviceentgelte sind eine Chance für Vermittler“ am 29. Juli bei Ass Compact online). Siehe auch http://prof-soehnholz.com/anlageberater-robo-advisors-oder-modellportfolios-wer-wird-gewinnen/.

Modellportfolios werden wichtiger: Sabine Groth schreibt bei Das Investment am 13. August online: „Modellportfolios für mehr ETF-Absatz“. Blackrock bietet aktiv gemanagte ETF-Modellportfolios „seit fünf Jahren“ an und die DWS seit Frühjahr 2016. Mein Kommentar: Ich denke, dass die seit Anfang 2016 angebotenen most-passive ETF-Modellportfolios von Diversifikator von solchen aktiven Angeboten nur schwer zu schlagen sind (siehe auch http://prof-soehnholz.com/risikomanagement-aktiv-ist-schlechter-als-passiv-robo-advice/).

Und noch eine weitere Möglichkeit, die regelbasierten Modellportfolios von Diversifikator umzusetzen: „Augsburger Aktienbank baut Vermögensverwaltung für Drittinstitute“ heisst es am 2. August im Private Banking Magazin online (siehe auch http://prof-soehnholz.com/modellportfolio-robos-sind-besser-als-normale-robo-advisors/).

Direkte Aktieninvestments werden billiger: Kostenloses Trading

Wir wollen zukünftig kostenfreies Trading anbieten“ heißt das Interview von Hansjörg Leichsenring mit Frank Niehage und Benon Janos von der FinTech Group AG/flatex am 29. Juli in „Der Bank Blog“. „Wir wollen der europäische Robinhood „made in Germany“ werden“, sagt Frank Niehage. Zur Finanzierung könnte die FinTech Group „… Partnerschaften mit den Produktanbietern abschließen. Denkbar wären z.B. Joint Ventures, in denen Produktpartner Wertpapiere in unserem Namen emittieren und die dabei entstehenden Erträge geteilt werden“. Mein Kommentar: Auch (nachhaltige und passive) Modellportfolios, gerne von Diversifikator, sind dafür geeignet.

Auch eine Neo-Bank plant kostenloses Trading: „Challenger-Bank Revolut lanciert den nächsten Gamechanger: Online Trading zum Nulltarif“ schreibt Ruedi Meder am 2. August auf MoneyToday.ch.

Aber Achtung: „Diese Fallstricke müssen Sie beim Aktienhandel mit dem Handy beachten“ schreibt Katharina Schneider am 7. August im Handelblatt beim Vergleich von TradeRepublic und Revolut.

Traditionelle News statt Online-ESG

Sind deutsche dumme Geldanleger? “Exportweltmeister: The Low Returns on Germany’s Capital Exports” heißt das Arbeitspapier von Franziska Hünnekes, Moritz Schularicky und Christoph Trebesch vom 3. Juli. “German returns are substantially lower than those of other countries across asset classes. …. The lower returns are not explained by a different risk profile of German investments” (S. 45). Ihre Zusammenfassung: „Taken together, these facts raise substantial doubts whether German households, firms, and banks allocate their savings in a beneficial way” (Abstract).

Aber auch Koreaner sind nicht perfekt: Aus dem Korea Development Institute Journal of Economic Policy Nr. 41 von 2019: “Sales Compensation and Recommendations as the Fund of the Month” von Yoonhae Oh findet, dass “funds with high sales compensation levels are more likely to be recommended”.

Am 18. Juli hat die Man Group ein interessantes Arbeitspapier aktualisiert: „Strategic Rebalancing“ von Nicolas Granger et al. . Darin heisst es unter anderem „A mechanical rebalancing strategy, such as a monthly or quarterly reallocation towards fixed portfolio weights, is an active strategy. …. During crises …. this can lead to substantially larger drawdowns than a buy-and-hold strategy.” Das ist meines Wissens relativ unbekannt. Aber Achtung: Im Arbeitspapier als Alternativen aufgeführte Trendfolgestrategien können ziemlich Daten- und Modellsensitiv sein (siehe z.B. http://prof-soehnholz.com/kann-institutionelles-investment-consulting-digitalisiert-werden-beispiele/).

Nicht wissenschaftlich, aber interessant zu lesen, dass auch Super-Anleger nicht gut prognostizieren können: Jon Seeds „The perils (and inevitability) of forecasting“ in Abnormal Returns vom 1. August (siehe auch http://prof-soehnholz.com/investmentphilosophie-prognosefans-sollten-prognosefreie-portfolios-nutzen/#).

Immobilien gelten vielfach als überbewertet. Thomas Körfgen von Savills stellt aber hohe Discounts zum Nettoinventarwert, vereinfacht dem Immobilienwert, bei börsennotierten Real Estate Investment Trust (REITs) fest, siehe „Über die Irrationalität der hohen Abschläge bei REIT-Werten“ (institutionalmoney.com am 1. August; siehe auch http://prof-soehnholz.com/erstes-konsequent-verantwortungsvolles-globales-immobilienaktienportfolio/).

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