ESG überall: Aktuelle ESG-News, ESG-Research, Robo-News und mehr

ESG überall

Mirjam Staub-Bisang, die Landeschefin von Blackrock Schweiz, stellt am 4. Juni auf dem Branchentalk Banken in ihrem Vortrag „Kulturwandel in der Finanzbranche“ diese drei großen Trends fest: Nachhaltige Geldanlage, passive und alternative Anlagen und Digitalisierung (s. Seite 6). Genau darauf fokussiert meine Firma Diversifikator seit 2015.

Das Forum Nachhaltige Geldanlagen hat den interessanten Marktbericht für 2019 veröffentlicht. Der Markt wächst sicher stark, ich bin aber kein Anhänger der extrem breiten Definition, was nachhaltig ist (meine Meinung siehe http://prof-soehnholz.com/taxonomie-verantwortungsvoller-geldanlagen-praxisorientierter-vorschlag/).

Investors See ‘Material Risk’ in Ignoring ESG schreibt Christine Idzelis in „Institutional Investor“ am 11.6. unter Verweis auf eine Umfrage von UBS und Responsible Investor. Und “just under half of investors (48 percent) who adopt ESG strategies view them as positive for financial performance, according to the UBS survey. Yet more than half have those surveyed admitted that they have not assessed the return impact of integrating ESG factors“. Insgesamt gilt: „Asset owners expect environmental factors will be more material than traditional financial criteria in the next five years.” Vielleicht ist die PureESG-Strategie von Diversifikator, die nur auf ESG als Aktienselektionskriterium setzt (siehe z.B.  http://prof-soehnholz.com/pureesg-ist-besser-als-smartesg/), gar nicht so dumm?

Nachhaltigkeit wird auch in der Schweiz Normalität“ schreibt Fondsprofessionell online am 4. Juni mit Verweis auf Swiss Sustainable Finance und die „Neue Zürcher Zeitung“. „Allerdings sind nach wie vor nur 12 Prozent aller privaten Investoren in der Schweiz in nachhaltigen Anlagen investiert“.

In “Should DC schemes drop the term ‘ESG’?” vom 10. Juni schreibt Susanna Rust über eine breite Umfrage unter britischen Rentenbeziehern. Die Offenheit für verantwortungsvolle Investments ist sehr groß. Fast die Hälfte der Befragten würde dafür auch auf Rendite verzichten.

Ralf Breuer von Investabel weist in seinem Beitrag vom 12. Juni auf ESG-data: Building a solid Foundation von der Man Group und Numeric vom März hin. Diesen Beitrag sollte man komplett lesen. Bei aller berechtigten Kritik an ESG-Daten: Auch klassische Finanzdaten sind nicht immer unstrittig. Und Vielfalt muss nicht unbedingt schlecht sein.

ESG überall aber Klima zuerst?

Die Europäische und andere Zentralbanken nehmen das Thema ESG sehr ernst, heißt es in „ECB Says Mispricing Climate Change May Hurt Financial Stability“ von Piotr Skolimowski am 29. Mai ebenfalls bei Bloomberg (mehr dazu siehe auch hier http://prof-soehnholz.com/esg-news-robo-infos-und-mehr/).

In “Companies asked to come clean on climate lobbying” von Jennifer Thompson in der Financial Times fm Responsible Investing vom 13. Mai werden meines Erachtens zurecht Unternehmen kritisiert, die „gut“ tun aber gleichzeitig Lobbygruppen angehören, die ESG-Anliegen eher schaden.

ESG überall: Passiv-ESG nimmt stark zu

In der Juni Ausgabe des IPE Magazins schreibt Carlo Svaluto Moreolo über „The origin of ESG indices“. Laut der The Index Industry Association (IIA) gibt es weltweit etwa 3,7 Millionen Indizes von denen ca. 1%, also 37tausend, ESG Indizes sind.

Elisabetta Basilico fasst am 10.6. auf Alpha Architect die 2018er Studie „Passive Sustainable Funds: the Global Landscape“ von Hortense Bioy und Kenneth Lamont aus dem Journal of Index Investing zusammen: „The authors survey the passively managed ESG side of the industry and develop a taxonomy by dividing the types of strategies in three categories: broad ESG, broad-thematic, narrow-thematic.” Das macht Sinn.

Auf dem von der Société Generale organisierten Frankfurt Sustainable & Positive Impact Finance Conference am 12 Juni habe ich Experten von MSCI, Lyxor, Sustainalytics, ISS und Feri gefragt, ob Sie einen puren Bottom-Up ESG Index bzw. ETF kennen, oder nur von Standard-Indizes abgeleitete Benchmarks, die vor allem einen geringen Tracking Error zum Standard-Index anstreben (siehe z.B. http://prof-soehnholz.com/esg-investments-warum-weder-aktive-fonds-noch-etfs-ideal-sind/). Es wurde kein Bottom-Up bzw. purer Index genannt. Offenbar kennen sie die Indizes von Diversifikator noch nicht (siehe Seite 162ff in https://diversifikator.com/de/wp-content/uploads/190120-Das-Diversifikator-Buch.pdf).

Diversifikator ist nicht mehr allein mit dem Ausschluß von Cannabis-Aktien. Auch der norwegische Staatsfonds schließt jetzt Cannabis-Unternehmen aus (siehe „Norway’s SWF dumps €139m of cannabis stocks after criticism“, Rachel Fixen in IPE vom 29.5.2019; zu Ausschlüssen siehe auch hier http://prof-soehnholz.com/regelaenderungen-fuer-2019-die-portfolios-mit-den-wohl-strengsten-esg-anforderungen/).

Ali Masarwah von Morningstar schreibt am 13.6. in „Nachhaltigkeitsfonds sind in Europa im Vorwärtsgang“: „Die Erosion des Marktanteils aktiv verwalteter Fonds hat auch im ESG-Bereich längst eingesetzt“. Für 2019 heisst es: „Indexfonds brachten es also in den ersten fünf Monaten auf einen Anteil von 40 Prozent am Neugeschäft. Damit wurde das ohnehin sehr gute Jahr 2018 getoppt, als zehn Milliarden Euro bzw. rund 27 Prozent der Nettoneugelder ESG-Indexprodukte ansteuerten.“

ESG überall: Aktien, Anleihen, Wandelanleihen und Mischfonds

“In Sustainability: The Future of Investing” vom Blackrock Investment Institute Global Insights aus dem Februar 2019 werden von Brian Deese et al. auf Seite 6 vergleichbare bzw. bessere Renditen von US- und anderen ESG-Aktien bei vergleichbaren bzw. niedrigeren Risiken als für traditionelle Aktien für die Zeit von 2012 bis 2018 aufgeführt.

“ESG ratings now affect the price borrowers pay on about $32 billion of loans worldwide, up from just $3 billion in 2017” heisst es in “ESG Ratings face skepticism even as loan-market importance grows” von Jacqueline Po bei Bloomberg am 4. Juni.

Wenn man für Staatsanleihen strenge ESG-Kriterien anlegen würde, dürfte man laut Degroof Petercam Assetmanagement in etlichen OECD-Ländern kein Geld anlegen, darunter USA, Japan, Italien, Spanien, Portugal, Belgien (Das Investment, Auch Staaten müssen unter ESG Kriterien beurteilt werden, 5. Juni).

 „Nachhaltiges Anlegen zahlt sich auch bei Wandelanleihen aus“ meint Fisch Asset Management laut investtrends.ch vom 6. Juni.

Nachhaltige Mischfonds übertreffen konventionelle Vergleichsfonds“ heißt eine aktuelle Analyse von absolut report (absolut ranking vom 6.6.2019). Noch besser schneidet in der Studie aber ein passives nachhaltiges Portfolio ab. Der passive Multi-Asset ESG Ansatz von Diversifikator scheint also nicht ganz falsch zu sein.

Nirgendwo Robos?

ESG überall aber die Alloaktion muss nicht kompliziert sein. In “Vanguard’s Two-Fund Portfolio Just Had Its Best Decade” schreibt Jason Kephart bei Morningstar am 30.5.2019. Das Portfolio aus 60% US Aktien und 40% US Anleihen schlägt in der Analyseperiode fast alle vergleichbaren aktiven Fonds in Bezug auf Rendite und Volatilität.

The roboadvice market is growing, but changing“ schreibt Ryan W. Neyl am 30. Mai in InvestmentNews. Er beruft sich auf einen Report von Aite Group in Bezug auf den US Markt und schreibt: „Aite expects compound annual growth of 64% in this segment as banks migrate accounts with less than $1 million in assets over to digital advice platforms.” Wachstum wird dabei vor allem bei großen Banken erwartet und kaum von unabhängigen Startups.

Besonders interessant finde ich auch diesen Ausblick von Kitces: “The most important tech trend in wealth management in 2019 will be the upgrades that industry custody/clearing firm incumbents are making to their systems, that will increasingly turn the ‘robo’ trend from a unique differentiator or add-on technology, into simply the native experience of the platforms themselves. This will squeeze out many of today’s robo-advisor for-advisors players, whose technology is no longer relevant on top of a custodial platform that can (finally) do the same themselves, and with better straight-through processing capabilities. In fact, it will ultimately transform ‘robo’ tools to simply become ‘the technology we all use’, in the same way that no one says they’re an ‘internet-enabled’ advisor because their software lives in the cloud. Instead, the internet is simply part of the technology we all use in our native platforms. In 2019, the same will happen to most of the ‘robo’ movement for independent advisors.” (in “Wealthtech Trends to watch in 2019 von Jay Palter in Financial News vom 11.12.2018). Das erwarte ich auch für Deutschland, allerdings erst ab 2020.

Direct Indexing, Modellportfolios und No Data

In einem Morningstar Podcast mit Michael Kitces geht es am 5. Juni auch um mein Lieblingsthema Direct Indexing (siehe hier http://prof-soehnholz.com/direct-esg-indexing-die-beste-esg-investmentmoeglichkeit/). Neu war für mich, dass Kitces schon 2014 auf das Potential hingewiesen hat (siehe „Indexing 2.0: How Declining Transaction Costs And Robo-Indexing Could Disintermediate Index Mutual Funds And ETFs“, Blogbeitrag vom 28. Mai 2014. Direct ESG Indexing wird von Kitces aber nicht erwähnt.

In den USA nutzen laut Broadridge 85% aller Berater Modellportfolios, vor allem aus Skalierungsgründen (siehe „Study finds 85% of investment advisors use model portfolios“, InvestmentNews vom 6. Juni; siehe auch hier http://prof-soehnholz.com/modellportfolio-robos-sind-besser-als-normale-robo-advisors/).

Im World FinTech Report 2019 von CapGemini und EFMA, der European Financial Management Association, werden auf Seite 15 die “Concerns” von Banken in Bezug auf Open Banking genannt. Die mit Abstand drei Wichtigsten sind „Data security“, „Customer privacy“ und „Loss of control of customer data”. Der Ansatz von Diversifikator, möglichst keine Endkundendaten zu nutzen („no data“), sollte den Banken gefallen (siehe z.B. hier http://prof-soehnholz.com/personalisierung-koennen-nur-nackte-reich-werden-oder-fremd-versus-selbstpersonalisierung/).

Interessante „traditionelle“ News

ESG überall, aber nicht als einziger Risikomanagementansatz: Unter dem Titel “What drives global risk perception” ist im Mai Research von Felix Holzmeister und weitere Autoren erschienen. Sie kommen zu dem Ergebnis, dass verlustorientierte Risikomaße für Profis und Laien wichtiger sind als schwankungsorientierte. Das sehe ich auch so (siehe z.B. http://prof-soehnholz.com/schwankungen-sind-tolerierbar-intransparenz-nicht/).  

In dem Beitrag von Jim Rowley von Vanguard „Darum lösen Indexstrategien und ETFs keinen Crash aus“ in Das Investment vom 6. Juni heißt es unter anderem: „Weder die Dotcom-Blase noch die Finanzkrise konnten Anleger dazu veranlassen, ihre Indexfonds zu verkaufen.“ Vielleicht sind Indexanleger schlauer als Nutzer aktiver Fonds, die ihre Fondsanteile oft zum falschen Zeitpunkt kaufen bzw. verkaufen.

Cost transparency poses threat to asset managers, says Moody’s“, lautet die Titelzeile von Nick Reeve in IPE am 29. Mai. Marina Cremonese von Moodys wird dort wie folgt zitiert: „The initiative was “credit negative” for asset managers “because it will likely make their cost and fee structures more transparent and easier to compare, encouraging institutional investors to negotiate rebates”.  Die Nachricht bezieht sich auf eine Initiative aus Großbritannien. Erschreckend finde ich, dass selbst institutionelle Geldanleger offenbar bisher keine volle Kostentransparenz haben (ähnlich siehe hier: http://prof-soehnholz.com/haben-fondsanbieter-angst-vor-reportingtransparenz/).

In „Trends everywhere“ von Abhilash Babu und anderen Mitarbeitern von AQR Capital Management heisst es in der Zusammenfassung: “Our analysis demonstrates that trends are a pervasive feature of markets and even factors, providing the broadest cross-section evidence of time series momentum to date” (zu Trendfolge-Nutzung siehe auch hier http://prof-soehnholz.com/risikomanagement-aktiv-ist-schlechter-als-passiv-robo-advice).

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