Responsible Investment – Einfach, gut und künftig Pflicht?

Am 18.9.2014 habe ich an einem Responsible Investment Seminar des Uhlenbruch Verlages teilgenommen. Haupt-Referent war Professor Meadows, der Co-Autor der wegeweisenden Studie „Grenzen des Wachstums“ des Club of Rome. Meadows stellte unter anderem fest, dass jeder etwas anderes unter Sustainability oder Responsible Investment versteht. Das sei einer der wesentlichen Gründe dafür, dass sich Responsible Investment nicht durchsetzt. Woran liegt das und wie kann das geändert werden? Das Geschäftsmodell von ESG-Rating bzw. Researchfirmen besteht darin, möglichst viele relevante Daten zu sammeln, zu beurteilen und zu aggregieren.

Der Partner, mit dem wir arbeiten, erfasst bis zu 150 ESG Daten pro Aktie. Selbst wenn wir davon ausgehen, dass die Beurteilung der einzelnen Daten möglichst objektiv ist, bleibt das Problem der Selektion der für einen Investor relevanten Daten bzw. die schwierige Aggregation zu einem ESG-Score. Hier kommen unterschiedliche Investoren zu ganz unterschiedlichen Einschätzungen: Für die einen ist Ökologie wie der Carbon Footprint besonders wichtig, für andere stehen soziale Faktoren wie humanitäre Arbeitsbedingungen oder Corporate-Governance Faktoren im Vordergrund.

Aber es gibt eine Lösung: Man könnte zum Beispiel nur die Faktoren selektieren, die statistisch relevant das Risiko von Investments senken oder die Rendite steigern (s. Fetsun/Söhnholz, Ein quantitativer Ansatz für verantwortungsbewußte Investments, Arbeitspapier, Veritas Investment, März 2014). Bei diesem Ansatz wird nur auf die für Kapitalanleger typischen Ziele abgestellt. So kann Konsens über den richtigen ESG-Ansatz erreicht werden. Asset Allocation bzw. Titelselektion kann weiter auf Rendite und Risiko fokussieren und man muss keine zusätzliche „Responsible“ Dimension einführen.

Investoren, für die Responsible Investments wichtiger als Rendite oder Risiko sind, werden damit kaum zufrieden sein. Aber auch sie können mit dem quantitativen Ansatz weiterkommen. Sie können z.B. alle ESG-Elemente berücksichtigen, die keine signifikant negative Auswirkung auf Rendite oder Risiko von Kapitalanlagen haben. Dabei wird man jedoch auf wesentlich mehr Faktoren kommen, als die in dem o.g. Arbeitspapier identifizierten knapp 10 von 150. Dann stellt sich wieder die Frage der Aggregation, die individuell variiert werden kann. In keinem der beiden Ansätze kommt es zu einem Widerspruch mit den wichtigsten Anlegerzielen Renditeerzielung und Risikoreduktion. Kapitalanleger und Asset Manager sollten ESG-Faktoren daher berücksichtigen.

Da es nur wenige ESG Faktoren gibt, die zu Renditeverschlechterungen bzw. Risikosteigerungen führen (s. z.B. „Sustainable Investing: Establishing Long-Term Value and Performance“, Deutsche Bank Climate Change Advisors, Deutsche Bank Group, Juni 2012) muss künftig erklärt werden, warum man solche Faktoren nicht berücksichtigt. Ich bin kein Freund von zu viel Regulierung. Aber bei ESG besteht noch viel Nachholbedarf. Um ESG durchzusetzen, könnten Politiker und Regulatoren daher fordern, dass Investoren explizit erklären müssen, warum sie ESG Faktoren nicht berücksichtigen. Deutschland hinkt ja in dem Bereich noch weit hinter anderen Ländern hinterher. Mit einer derartigen Initiative könnte Deutschland sich positiv profilieren.

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