ESG Indexzukunft: Sehr positiv

ESG und Materialität

Dynamic Materiality™: Measuring what Matters von Thomas Kuh et al. vom 17. Januar: Materialität wird oft in Verbindung mit ESG-Daten genannt und bedeutet, dass eine Information aus finanzieller Anlegersicht wichtig ist. Mit dem Begriff der Dynamischen Materialität weisen die Autoren darauf hin, dass sich solche Einschätzungen über die Zeit ändern können. Mein Kommentar: Das ist gut nachvollziehbar, aber für wirklich verantwortungsvolle Investoren, für die nicht nur Rendite zählt, ist eine solche finanzielle Materialität zwar interessant, aber nicht entscheidend. Wichter sind soziale und ökologische „Materialitäten“.

Dazu passend: Sustainable investing: fast forwarding ist evolution von KPMG und Create Research vom Februar 2020: Interessanter Fokus auf Hedgefonds und Lehren früher institutioneller “Adopter”. “Sustainability is set to morph into the new gold standard, as our societies seek to overcome the side effects of the turbocharged capitalism of the past 40 years. … There is an increasing realization that finance must give something back to society as well as making profit. Early results are encouraging (S. 52).“

Positive ESG Indexzukunft, denn ESG kostet keine Rendite

Financial Performance of Sustainable Investing: The State of the Field and Case Studies of Endowments, Intentional Endowments Network, Februar 2020. S. 2: “A growing body of evidence from academics and practitioners shows that sustainable investing strategies, in general, perform as well or better than traditional approaches.” Mein Kommentar: Die Literaturanalyse ist nicht neu, die Stiftungsfallbeispiele aber schon.

How does investing in ESG companies effect Returns von Patrick Wang und Madison Sargis von Morningstar Quantitative Research vom 19. Februar 2020. Ergebnis: “We have no evidence that investors need to sacrifice returns when they invest in good ESG companies globally compared with bad ESG stocks” (S. 1). Mein Kommentar: Das Studienergebnis entspricht den Erwartungen. Aber es ist enttäuschend, dass nur aggregierte ESG-Scores analysiert werden.

Investor Sentiment and the Expected Returns of Socially and Environmentally Responsible Firms von Vitor G. Azevedo, Christoph Kaserer und Lucila M. S. Campos vom 13. Januar 2020 (Hinweis durch den Kommentar am 24.2.2020 bei Klement on Investing). In der Zusammenfassung steht: “We find that in the long-term, the CSR and CER premia have a neutral relation to financial performance” (S. 30). “In the short-term, we find that CSR and CER premia are time-varying and, more importantly, it has a strong relation to investor sentiment” (S. 31; Erklärung: CSR = Corporate Social Responsibility, CER = Corporate Environmental Responsibility und sustainability premium = the return difference of high-intensity minus low-intensity CSR/CER firms).

ESG and the cost of capital von Ashish Lodh von MSCI vom 25. Februar zeigt, was manche bestreiten: “Companies with high ESG scores, on average, experienced lower costs of capital compared to companies with poor ESG scores in both developed and emerging markets during a four-year study period. The cost of equity and debt followed the same relationship.”

ESG investing in corporate bonds: Mind the gap von Mohamed ben Slimane et al. von Amundi Asset Management vom Dezember 2019. Im Abstract steht: “In particular, we observe that ESG has had a more positive impact on EUR IG bonds in recent years than on the USD IG and HY investment universes. Nevertheless, we observe a common trend that ESG is increasingly integrated into the pricing of corporate bonds and is a concern when building an investment portfolio.” Und auf Seite 36: “We also notice that ESG has a positive impact on the cost of debt and this relationship has become stronger in recent years.”

Positive ESG Indexzukunft am Beispiel von ETFs

Nachhaltige ETFs – Indexkonzepte und Anlageperformances heisst der (kostenpflichtige) Report von Absolut Analyse, über den ich bereits berichtet hatte. Diesen Punkt aus dem Absolut Report 6/2019 (S. 64) finde ich besonders interessant: „Je strenger die ESG-Kriterien angewandt wurden, desto höher fiel tendenziell die Überrendite aus“. Mein Kommentar: Die guten Renditen der sehr strengen ESG-Portfolios von Diversifikator unterstützen diese These, siehe http://prof-soehnholz.com/tolle-2019er-esg-performance/).

Performance of S&P 500 ESG Indices: The impact of weighting methodologies and ESG ratings von Benjamin Hübel, Hendrik Scholz und Nicolas Webersenke vom 30. September 2019 (nur Abstract verfügbar). Die Autoren schreiben: “Our key finding is that the weighting methodologies of sustainable indices can be a main return driver” und beziehen sich speziell auf Gleichgewichtung. Mein Kommentar: Das ist ein sehr valider Punkt und entspricht meinen Erfahrungen, siehe auch hier.

Voting, ESG-Ratings und ESG Indexzukunft

Quant’s Look on ESG Investing Strategies von Radovan Vojtko und Matus Padysak vom 13. Dezember 2019 hatte ich schon erwähnt, diesen Punkt hatte ich jedoch bisher unkommentiert gelassen: Die Quantpedia-Autoren stellen zu ESG Ratingdifferenzen z.B. auf S. 6 fest: “the divergence is most pronounced for KLD data. However, this is the data set on which most of the academic research is based.” Trotz der aufgeführten Daten- und Studienprobleme schliessen die Autoren mit: „we believe that we presented some possible usages of ESG scores from the quantitative point of view. Either for a profit-enhancing properties or simply for producing more socially responsible strategies” (S. 10). Mein Kommentar: Eine noch nicht veröffentliche Analyse von Henrik Pontzen und Gunnar Friede von der Sustainable Investing Commission der DVFA kommt in Bezug auf einen anderen vielgenutzen ESG-Datenanbieter zu ähnlichen Ergebnissen.

Credit Suisse Research Institute Summary Edition Credit Suisse Global Investment Returns Yearbook 2020 vom Februar 2020 gibt einen Überblick über aktuelles ESG Research. Zu Ausschlüssen heißt es auf Seite 11: “performance is almost as often improved as diminished, and the long-run impact of exclusion is modest.” Mein Kommentar: Anders als in dem Dokument zusammengefasst, sprechen mehr und auch viele gut gemachte der aufgezählten Studien eher für ESG-Out- als für Underperformance. Die Divergenz von Ratings sehe ich vor allem durch „Outlier“ wie KLD beeinflusst und auf E, S und G Ebene insgesamt relativ gering bzw. durch unterschiedliche Ratingansätze erklärbar und deshalb nicht so kritisch. Am kritischsten schätze ich den angeblichen positiven Einfluss von Voting/Engagement ein. Dieser beschränkt sich auch nach dem CSFB-Dokument bisher nur auf sehr wenige und sehr langwierige Fälle (siehe auch http://prof-soehnholz.com/divestmentkritik-populaere-aber-falsche-kritik-an-verantwortungsvollen-geldanlagen/).

MSCI Says ESG Indexes Will Be Bigger Than Traditional Gauges von Ishika Mookerjee und Abhishek Vishnoi am 13./14. Februar auf Bloomberg online. “MSCI Inc. expects its ESG indexes to eventually get more following than its traditional benchmark offerings”. Auch interessant: “MSCI is now diversifying sources for sustainability-related information to go beyond company disclosures to proxies such as government fines, product reports and news coverage. About 45% of the input that goes into the ratings is not coming from company disclosures”. Mein Kommentar: Es gibt meines Erachtens drei Arten von ESG-Ratern: Die mit umfangreichen individuellen Fragebögen, die Unternehmen beantworten müssen, diejenigen, die wie MSCI und Refinitiv nur auf öffentliche Informationen setzen und Unternehmen so zu umfassenderen Veröffentlichungen veranlassen wollen und diejenigen, die auf tagesaktuelle maschinell ausgewertet Daten setzen wie Arabesque. Mit der Ausweitung der Ratingbasis von MSCI könnten die Abweichungen der MSCI ESG-Ratings zu anderen ESG-Ratings reduziert werden. Maschinelles Lernen ist grundsätzlich gut. Ich bin aber unsicher, wie verlässlich die Ergebnisse sind und inwieweit sie noch von natürlicher Intelligenz geprüft werden müssen.

ESG Indexzukunft: Greenwashing und Impactinvestments

„Tue gutes und werde ein Schuft“ schreibt Maja Brankovic am 23. Februar in der Frankfurter allgemeinen Sonntagszeitung auf Seite 18. Dort steht unter Verweis auf eine aktuelle Publikation auf Basis einer Studie von Engel/Czech u.a.: „Die Menschen lieben es, ein klein Wenig Gutes zu tun. Weil es sie im Anschluss von weiteren moralischen Verhalten befreit“. Und in Bezug auf eine Biobaumwollzertifizierung sagt Frau Czech, Siegel wie dieses seien beim nachhaltigen Konsum das größte Problem. Sie plädiert für „ganzheitliche“ Siegel, die z.B. auch Sozialaspekte umfassen. Mein Kommentar: Übertragen auf die Geldanlage erscheint Greenwashing so noch kritischer: Geldanleger könnten sich mit Ausschlüssen von Streubomben oder spezialisierten „Ökologisch orientierten“ Investments zufrieden geben und nicht mehr auf ganzheitliche und auch soziale Effekte ihrer Investments achten.

Social preferences of investors and sustainable investing von Harshini Shanker vom Dezember 2019: Basierend auf den durchaus umstrittenen Nachhaltigkeitsratings von Morningstar heisst es auf S. 21: „I document a large fraction of conventional funds that systematically prioritize sustainable investments even without an explicit social mandate. I also document a large fraction of SR funds whose portfolios are no more sustainable than that of the average fund. I find that these poor globe ratings are highly persistent over time, ruling out that ratings accidental and indicating greenwashing.” Ausserdem steht auf Seite 22: “Both conventional and SR investors fail to punish poor social performance to the same extent that they reward strong social performance.” Mein Kommentar: Das untermauert meine Bedenken in Bezug auf die Schädlichkeit von Greenwashing.

The future is impact. A survey and insights on the state of impact investing in the Nordics von NN Investment Partners und Kirstein ist interessant, weil nordische Institutionelle zu den Pionieren und “Fans” von Impactinvestments gehören. Mein Kommentar: Green Bond Investments, besonders von nicht-nachhaltigen Emittenten, sehe ich wesentlich kritischer als die Studienteilnehmer. Die Studie macht deutlich, dass es noch viel Raum für gute Impactangebote gibt (s. auch http://prof-soehnholz.com/impactesg-innovatives-mischfondsprojekt-der-von-der-heydt-bank.

Passive Asset Allokation und ETFs

Buy-and-hold and constant-mix may be better allocation strategies than you think von Thomas J. O’Brien vom Februar 2020. Im abstract steht: “Given mean-reverting equity and uncertain interest rates, investors sacrifice little in expected utility by replacing the optimal reallocation strategy with a simpler allocation strategy of either buy-and-hold or constant-mix.” Erklärung: Constant Mix wird regelmäßig z-B. auf 50/50 Aktien/Anleihen rebalanziert, Buy-and-hold nicht. Mein Kommentar: Das ist auch meine Erfahrung, siehe http://prof-soehnholz.com/passive-asset-allokationen-sind-besser-als-aktive/.

Welcher ETF hat die beste Tracking Difference? Von Benjamin Schulz am 12. Februar bei extraETF weist zurecht darauf hin, dass sich die Tracking Differenz von ETFs gegenüber Indizes relativ häufig ändern kann.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.