Direct ESG Indexing: Die beste ESG Investmentmöglichkeit auch für Privatkunden?

Direct Indexing: Steuerliche Gründe in den USA

In Bezug auf Privatkunden wurde Direct Indexing bisher vor allem für vermögende Anleger in den USA genutzt, um indexnahe und gleichzeitig steuereffiziente Portfolios zu generieren. Anleger sollen so von der niedrigeren Besteuerung langfristiger im Vergleich zu kurzfristigen Veräußerungsgewinnen profitieren (siehe z.B. hier).

Die technische Entwicklung ermöglicht eine relativ günstige Umsetzung auch für Indizes mit zahlreichen Positionen. So bietet Wealthfront, einer der größten unabhängigen Robo-Advisors, Direct Indexing inzwischen für Geldanlagen ab einhunderttausend Dollar an (siehe hier).

Deutschland: Eher Direct ESG Indexing erwartet

In Deutschland gibt es keine besonders starken Argumente, um Direct Indexing aus steuerlichen Gründen zu nutzen (anders: hier). Aber es gibt Gründe für Direct ESG Indexing.

Passives beziehungsweise Indexinvesting gilt als attraktiv, weil es sogenannte aktive Portfoliomanager meist nicht schaffen, vergleichbare Indizes zu schlagen (siehe z.B. hier).

Neuerdings sind nicht nur institutionelle sondern auch Privatanleger stark an verantwortungsvollen Investments interessiert (siehe hier).

Seit ein paar Jahren gibt es Indizes, deren Bestandteile aufgrund von Umwelt-, sozialen und Unternehmensführungsaspekten ausgewählt werden. Passive Indexprodukte für Privatkunden werden meist ESG-ETFs (Environmental, Social, Governance-) oder SRI-ETFs (Socially Responsible Investment) genannt.

Einer der wesentlichen Kritikpunkte an solchen Indizes bzw. Produkten sind die jeweiligen Selektionskriterien, die stark nachhaltig orientierten Anlegern nicht streng genug sind (siehe hier).

Direct ESG Indexing ist ein neuer Ansatz, mit dem verantwortungsvolle Indizes (Taxonomie siehe z.B.hier) durch Ausschlüsse einzelner Positionen auf individuelle Verantwortlichkeitsverständnisse angepasst werden sollen (siehe hier).

Kosteneffizient durch Robo-Advisors und Self-Indexing

Durch günstige neue technische Möglichkeiten, wie sie z.B. von Robo-Advisors genutzt werden und zunehmend mehr deutsche Depotbanken, die auch Aktienbruchstücke effizient abwickeln können, hat Direct Indexing auch für „Normalanleger“ Potential.

Anleger dürfen kommerzielle Indizes jedoch nicht ohne Weiteres nachbilden. Selbst große ETF-Anbieter bemängeln, dass Lizenzkosten von Indizes, speziell die von verantwortungsvollen Indizes, hoch sein können.

Hohe Kosten für teure Lizenzen können durch die Nutzung eigener ESG-Indizes (Self-Indexing) vermieden werden. Self-Indexing für verantwortungsvolle Indizes ist einfach und sogar wichtiger als für traditionelle Indizes. Ein ESG-Index ist schnell erstellt: So kann man z.B. die nach ESG-Kriterien besten 30 deutschen börsennotierten Aktien gleichgewichten und als Index bezeichnen (siehe z.B. hier). Self-ESG-Indexing ist auch wichtig, weil es zwar sehr viele traditionelle aber nur relativ wenige verantwortungsvolle Indizes gibt.

Eigenentwickelte ESG-Indizes sollten auch einfacher zu vermarkten sein als eigenentwickelte traditionelle Indizes, weil sich noch keine Marktstandards für verantwortungsvolle Indizes etabliert haben.

Strengere und individuellere ESG-Portfolios darstellbar

Direct ESG Indexing steht damit im Wettbewerb zu ESG- bzw. SRI-ETFs aber auch zu individuellen ESG/SRI-Vermögensverwaltungen. Der Unterschied zu Letzteren ist die Investmentphilosophie, also typischerweise die transparente Regelgebundenheit und die weitgehende Unabhängigkeit von diskretionären Entscheidungen, Prognosen und Optimierungsmodellen (siehe hier).

Erstaunlich ist, dass ich bisher weder in den USA noch im deutschsprachigen Bereich Direct ESG Indexangebote finden konnte. Ich helfe gerne dabei, solche Angebote zu entwickeln.

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