Das „most-passive“ Anlageportfolio der Welt ist sehr attraktiv

Passives Anlegen ist populär, daher könnte ein „most-passive“ Ansatz (also das „passivste“ Portfolio) besonders attraktiv sein. Eine 100 Prozent passive Kapitalanlage gibt es nicht. Selbst wenn zu 100 Prozent Indexfonds bzw. ETFs genutzt werden und keine Rebalanzierungen und kein ETF-Austausch erfolgen, kann ein Start-Portfolio bzw. die Ausgangs-Asset-Allocation nicht ohne Auswahlentscheidungen umgesetzt werden. So muss entschieden werden, welche Anlagesegmente, Regionen etc. aufgenommen werden sollen und welche nicht. Wie geht man zum Beispiel mit Hedgefonds-ETFs, Faktor-ETFs, währungsgesicherten ETFs und ähnlichen Produkten um? Und wenn es kein eindeutig entscheidungsfreies Startportfolio gibt, gibt es meines Erachtens auch keine 100%ig passive Anlagemöglichkeit. Aber man kann nahe an ein vollkommen passives Portfolio herankommen. Mit dem Weltmarktportfolio haben wir in meinem Fintech Unternehmen Diversifikator versucht, ein solches „most-passive“ Portfolio zu erstellen.

Warum nennen wir diese Portfolios so? Die Portfolios nutzen nur ETFs, also indexnachbildende Fonds. Das ist nichts Besonderes. Besonders ist aber die Antwort auf die Frage, wie man zum Startportfolio kommt. Mit den Diversifikator Weltmarktportfolios versuchen wir, den Weltanlagekapitalstock nachzubilden, also die aggregierten Anlagen aller Kapitalanleger weltweit. Wenn das vollständig gelingen würde, wäre Rebalanzierung auf die Ausgangsallokation nicht unbedingt nötig. Denn wenn es keine Kapitalzuflüsse zum weltweiten Kapitalanlagestock gäbe und das Weltmarktportfolio den Anlagekapitalstock perfekt abbilden würde, würde das „most-passive“ Portfolio sich automatisch verändern, wenn sich Anlegerverhalten ändert. Beispiel: Wenn Anleger aus niedrigverzinslichen Anleihen in Aktien umschichten würden oder aus europäischen Aktien in US Aktien, würden die niedrigverzinslichen Anleihen bzw. die europäischen Aktien an Wert verlieren und die Aktien bzw. US-Aktien im Wert steigen. Das den Kapitalanlagestock nachbildende Portfolio würde sich durch diese Wertveränderungen – ähnlich wie bei kapitalgewichteten Aktienportfolios – automatisch mit diesen Anlageverschiebungen mit entwickeln (Das most-passive Portfolio ist also eine Art kapitalgewichtetes All-Asset Portfolio).

Für die Entwicklung des most-passive Portfolios werden keinerlei Optimierungen oder Modelle benötigt (Details siehe Dokument „Diversifikator Asset Allokation und ETF-Selektion“ auf www.diversifikator.com). Das ist anders als bei den meisten anderen ETF- bzw. Startportfolios. Es werden sogar weniger Annahmen genutzt als im sogenannten naiven Portfolio. Bei einem naiven Portfolio werden Anlagegelder auf alle ausgewählten Anlageklassen gleichverteilt. Es gibt aber keine anerkannte Liste von Anlageklassen, so dass subjektive Definitionen und Abgrenzungen eine Auswirkung auf die Allokation haben. So schließt ein 50/50 Aktien/Anleiheportfolio viele Anlagesegmente wie z.B. Immobilien aus. Außerdem ist unklar, auf welcher Basis die Allokation zu Aktien und die Allokation zu Anleihen innerhalb der Anlageklassen bzw. Segmente aufgeteilt wird. Des Weiteren werden naive Portfolios normalerweise nach bestimmten Perioden wieder auf die Ausgangsgewichtung rebalanziert und die Entscheidung über die Rebalanzierungshäufigkeit ist ebenfalls eine „aktive“ Entscheidung.

Die Qualität des most-passive Portfolios hängt davon ab, dass gute und aktuelle Daten zum globalen Anlagekapitalstock vorliegen. Außerdem müssen Entscheidungen getroffen werden, mit welchen Indizes bzw. ETFs dieser Kapitalstock nachgebildet wird. Das ist besonders für illiquide Anlagen schwierig. Aber es ist wesentlich weniger entscheidungsabhängig und damit wesentlich passiver als klassische Allokationen.

So können ETF Portfolios komplett diskretionär, also unabhängig von transparenten Regeln hergeleitet bzw. gestartet werden. ETF Portfolios können aber auch quantitativ hergeleitet werden. Bei quantitativen Herleitungen werden oft sogenannte Markowitz-Optimierungen oder daraus abgeleitete Modelle genutzt. Damit gibt es sowohl aktive Entscheidungen über das genutzte Modell als auch über die verwendeten Daten. Man braucht zumindest Prognosen für Renditen, Volatilitäten (als Risikomaß) und Abhängigkeiten zwischen den Anlageklassen. Man kann auf lineare Zusammenhänge setzen oder auf nicht-lineare. Man kann einperiodische oder mehrperiodische Optimierungen vornehmen. Und die Prognosen können auf allen möglichen Vergangenheitsdaten oder auch anderen Daten basieren (zu unterschiedlichsten Allokation, trotz gleicher Anlagesegmente und Vergangenheitsdaten siehe die beiden „Pseudo-Optimierer“ auf www.diversifikator.com) . Bei der Vielzahl der Entscheidungsmöglichkeiten ist es nicht verwunderlich, wenn Startallokationen von Multi-Asset-Portfolios stark voneinander abweichen.

Das „most-passive“ Portfolio hängt dagegen nur an den verwendeten Datenquellen und den Entscheidungen über die zu nutzenden ETFs und hat weder Modell- noch Daten(Input-) Abhängigkeiten. Und das most-passive Portfolio ist sehr attraktiv, wie sowohl die Rückrechnung (siehe „Backtest“ auf www.diversifikator.com) als auch die aktuelle Performance zeigt (s. „Rendite- und Risikokennzahlen“ auf www.diversifikator.com). Wenn das most-passive Portfolio die Benchmark für „aktive“ Multi-Asset Manager wäre, gäbe es nur sehr wenige Manager, die diese Benchmark schlagen würden.

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