CSR und ESG: Verantwortungsvolle Geldanlageangebote für Mitarbeiter und Kunden

„Der Begriff Corporate Social Responsibility (CSR) … steht für verantwortliches unternehmerisches Handeln in der eigentlichen Geschäftstätigkeit (Markt), über ökologisch relevante Aspekte (Umwelt) bis hin zu den Beziehungen mit Mitarbeitern (Arbeitsplatz) und dem Austausch mit den relevanten Anspruchs- bzw. Interessengruppen (Stakeholdern)“ (Wikipedia, Stand 10.12.2018). Verantwortungsvolle Geldanlagen können das CSR-Profil von Unternehmen verbessern und ihnen zusätzlich sogar Gewinn einbringen.

Immer höhere Anforderungen von Investoren, Kunden und Mitarbeitern

Immer mehr professionelle Geldanleger legen Wert darauf, dass Unternehmen nachhaltig sind. Auch für Kunden und (potentielle) Mitarbeiter wird das immer wichtiger. Unternehmen haben dabei viele Möglichkeiten, nachhaltiger zu werden. Eine Möglichkeit ist, das Geldvermögen bzw. die Liquidität der Unternehmen selbst nachhaltig anzulegen. Das gilt vor allem für Unternehmen, bei denen die Geldanlage zum Geschäftszweck gehört, also für Banken und Versicherungen und andere Anbieter von Geldanlagen.

Ich erwarte, dass es auch bei anderen Unternehmen künftig wichtiger wird, wie deren Liquidität angelegt wird. Das gilt besonders Unternehmen, die in Bezug auf Nachhaltigkeit kritisch beobachtet werden. Das heißt, dass unter anderem traditionelle Energieerzeuger oder Autohersteller ihre Eigenanlagen nachhaltig anlegen sollten.

Mit Finanzdienstleistungen kann man viel Geld verdienen

Ich habe in den 80er Jahren in den USA studiert. Dort haben zu der Zeit nicht nur Banken sondern auch Autohersteller und Einzelhändler sehr viel Geld mit Finanzdienstleistungsangeboten verdient. Das galt nicht nur für Kredite sondern auch für Geldanlageangebote an Kunden aber auch „Dritte“. Darüber habe ich sogar meine Doktorarbeit geschrieben (siehe „Diversifikation in Finanzdienstleistungsmärkte“ hier).

Zwei alte Gründe für Geldanlageangebote durch Non-Financials

In meiner Doktorarbeit habe ich als Gründe für Geldanlageangebote durch nicht-traditionelle Finanzdienstleister vor allem zwei genannt: Die Margen sind hoch und über den Zugang zu Bestandskunden (und Markenbekanntheit) der Anbieter kann man effizient hohe Geschäftsvolumina erreichen. In Deutschland habe ich als Hinderungsgrund vor allem die Macht der Banken identifiziert.

Neue Gründe für Geldanlageangebote durch Non-Financials

Heute sind die Margen in der Geldanlage immer noch sehr hoch (siehe z.B. hier). Durch stark verbesserte Informationstechnologie und verändertes Kundenverhalten ist der Zugang zu Bestandskunden aber viel einfacher und billiger geworden. Und deutsche Banken sind heute alles andere als machtvoll.

Die Markteintrittsbarrieren in den Geldanlagebereich haben sich also stark geändert. Während es früher sehr teuer und aufwändig war, einen neuen Anbieter zu gründen, ist das heute sehr einfach. Mit weniger als fünfzigtausend Euro kann man einen weitgehend individualisierten Geldanlageanbieter (Robo-Advisor) gründen (Hinweis in eigener Sache: Dabei hilft meine Firma Diversifikator gerne).

Kritiker können einwenden, dass es schon viele Robo-Advisors gibt, von denen die meisten nicht erfolgreich sind (siehe hier). Das stimmt. Sie sind aber vor allem deshalb nicht erfolgreich, weil sie nicht genug Kunden akquirieren können bzw. die Kosten dafür zu hoch sind. Autohersteller, Energie- und Telekomunternehmen aber auch Einzelhändler haben aber einen riesigen Kundenstamm. Und es gibt genug Marktpotential.

Hoher Bedarf

Die Debatte um die Vorschläge von Friedrich Merz zur Förderung der privaten Aktienanalage (siehe z.B. hier) zeigt es wieder auf: Einerseits liegt sehr viel Geld auf wenig attraktiven Sparkonten, und anderseits ist sehr wenig Geld in Aktien investiert. Grundsätzlich gibt es also ein hohes Marktpotential für Aktienanlagen.

Weit offene Marktlücken, u.a. ESG

Das Problem ist, dass deutsche Anleger sehr skeptisch in Bezug auf Aktienanlagen sind. Das Telekom-Volksaktienfiasko, das Platzen der dot.com Blase und die Finanzkrise 2008 haben deutliche Spuren hinterlassen. Auch die aktuellen Aktienmarktverluste werden das Potential zumindest kurzfristig begrenzen. Hinzu kommt, dass Anleger die Finanzmärkte zumindest bis vor Kurzem für überbewertet hielten.

Intelligenten Marketingexperten mit ausreichenden Budgets sollte es aber trotzdem möglich sein, potentielle Anleger davon zu überzeugen, dass zumindest Sparpläne, bei denen dauerhaft relativ kleine Summen angespart werden, Sinn machen.

Denn gibt es sogar eine Marktlücke, die von traditionellen Anbietern bisher noch nicht konsequent angegangen wird, nämlich sogenannte nachhaltige oder verantwortungsvolle Geldanlagen (siehe hier).

Es ist inzwischen ziemlich unstrittig, dass man mit verantwortungsvollen Geldanlagen nicht auf Rendite verzichten muss und auch keine höheren Risiken als mit traditionellen Geldanlagen haben muss (siehe hier). Verantwortungsvolle Geldanlagen machen aber erst einen sehr kleinen Teil aller Geldanlagen aus. Hinzu kommt, dass viele der als verantwortungsvoll angebotenen Geldanlagen bei näherer Analyse stark verbesserungsfähig sind: Sie nutzen entweder zu geringe Anforderungen an Nachhaltigkeit und/oder sind zu teuer (siehe hier).

Anders herum: Es besteht noch eine große Marktlücke für streng verantwortungsvolle und kostengünstige Geldanlagen (wie sie – oh Wunder – meine Firma Diversifikator auch Dritten anbietet).

Damit kann sogar CSR verbessert werden

Ob Eigenanlagen der Vermögen von Unternehmen nachhaltig erfolgen, wird typischerweise heute schon bei der CSR-Beurteilung von Unternehmen berücksichtigt. Wie bei sogenannten verantwortungsvollen Geldanlagen generell sind mir die Kriterien dabei aber oft zu „weich“. Ich bevorzuge zahlreiche Ausschlüsse und Mindestanforderungen für die Kriterien Umwelt, Soziales und Unternehmensführung (siehe DVFA).

Es sollte sich aber auch positiv auf CSR- bzw. ESG- (Environmental, Social, Governance) Beurteilungen von Unternehmen auswirken, wenn diese ihren Mitarbeitern und Kunden „gute“ günstige Geldanlagen anbieten würden.

Mein CSR-Favorit: Portfolio streng verantwortungsvoller deutscher Aktien

Dabei habe ich konkrete Idee für solche Portfolios: Mein Favorit ist ein nach strengen verantwortungsvollen Kriterien selektiertes Portfolio deutscher Aktien, wie z.B. das Deutsche Aktien ESG Portfolio meiner Firma Diversifikator (Portfoliodetails siehe „Downloads“ und hier). Ein vergleichbares Portfolio gibt es meines Wissens woanders nicht. Bei Bedarf kann es relativ einfach angepasst werden, z.B. wenn dem Anbieter des Portfolios einzelne der im Standardportfolio enthaltenen Aktien nicht gefallen.

Als Sparplanangebot sind die Verlustrisiken eines solchen Portfolios überschaubar. Risikoscheuen Anlegern könnten Kombinationen des Portfolios mit sicheren Anlagen angeboten werden. Außerdem kann bei Bedarf ein zusätzliches Risikomanagement erfolgen.

Inzwischen ist die Technik so weit, dass ein solches Portfolio Mitarbeitern aber auch Kunden sehr günstig angeboten werden kann.

GAFA als Schreckgespenst

Unter Fintechs (Finanztechnikunternehmen), vor allem Robo-Advisors, aber auch traditionellen Anbietern geht heute die Angst um, dass Google, Amazon, Facebook und/oder Apple (GAFA) zu Konkurrenten werden könnten. Im „Paymentbereich“ ist das längst Realität. Mit eigenen Geldanlageangeboten halten sich die GAFAs, anders als vergleichbare chinesische Anbieter,  aber noch zurück.

Anbieterkandidaten für „CSR-Portfolios“: Telekom, Otto, Rewe und viele mehr

Deutsche Unternehmen, die etwas für ihre „grünes“ Image tun wollen, sollten proaktiv tätig werden. Das wäre etwas für Unternehmen wie die Deutsche Telekom, Telefonica, die Deutsche Post, Daimler und BMW, die Commerzbank, BMW, TUI, Hugo Boss, Lufthansa und/oder Puma, die aktuell alle im oben genannten Portfolio enthalten sind. Allerdings erfolgt gerade die jährliche Überprüfung, so dass sich ab Januar die Zusammensetzung ändern kann.

Aber auch andere Unternehmen, die sich mit „guten“ Produkten einen Namen machen wollen wie Lidl, Aldi, Tengelmann, Rewe, Tegut, Otto etc., könnten ihren Mitarbeitern und Kunden solche Produkte anbieten. Dafür brauchen sie nicht mal eine eigene Lizenz, denn die kann man inzwischen günstig „mieten“. Die Produkte können auch (zunächst) unter fremden Namen vermittelt werden, um das Reputationsrisiko zu senken.

Wer wird der erste mit einem überzeugenden Angebot sein?

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