Börseneinsteigertipp: Auch Anfänger können nachhaltig anlegen

Börseneinsteigertipp 1: Anlegen statt Spekulieren: Idealerweise mindestens 7 Jahre Anlagehorizont

Gerade Börsenanfänger müssen die Risiken von Geldanlagen kennen. Dabei hilft ein Blick in die Vergangenheit. Dafür empfehle ich die Webseite www.portfoliocharts.com (für Fortgeschrittene siehe http://prof-soehnholz.com/tolle-kostenlose-daten-und-tools-fuer-anleger-und-berater/). Die Seite geht von US- bzw. Dollar-Anlagen aus. Eine vergleichbare deutsche Seite ist mir leider nicht bekannt. Aber für deutsche Anleger es gibt ein gutes kostenloses Online-Tool zur Risikoabschätzung von Professor Weber (siehe „Risikotool“ auf https://www.behavioral-finance.de).

In dem Portfoliochart „Heat Map“ (Total Stock Market) kann man sehen, dass man auch mit als riskant geltenden Aktieninvestments über längere Zeiträume nur selten Geld verliert (rote Flächen). Beispiel: Wenn man Anfang 2018 für ein Jahr Geld in den breiten Aktienmarkt angelegt hätte, hätte man Geld verloren. Die Grafiken werden nur jährlich aktualisiert. Deshalb zeigen sie nicht, dass man diesen Verlust Anfang 2019 sehr schnell wieder aufgeholt hätte.

Ein Start Anfang 2000 wäre nicht gut gewesen

Es wäre schlecht gewesen, wenn man sein Geld kurz vor der letzten großen Aktienmarktkrise Anfang 2007 oder Anfang 2008 in den breiten Aktienmarkt angelegt hätte. Dann hätte man vier bis fünf Jahre gebraucht, um Gewinne zu erzielen. Für einen Start im Jahr 2000 wären sogar 14 Jahre nötig gewesen. Dabei hätten Anleger teilweise zwischenzeitliche Verluste von über 50% tolerieren müssen (siehe Grafiken „Annual Returns“ und „Drawdowns“).

Die meisten Kästen in der Grafik sind aber blau und zeigen Gewinne an. Mit einem Anlagezeitraum von 7 Jahren und mehr hätte man in der Vergangenheit nur bei ganz wenigen Startzeitpunkten Geld verloren. Langfristanleger brauchen also nicht unbedingt ein professionelles Risikomanagement (siehe auch http://prof-soehnholz.com/risikomanagement-aktiv-ist-schlechter-als-passiv-robo-advice/).

Börseneinsteigertipp 2: Breite Streuung mit „Socially Responsible“ Aktienindexfonds (ETFs)

„Finanzprognosen sind schwierig, besonders wenn sie die Zukunft betreffen“, heißt es. Ich kenne niemanden, der dauerhaft gut im Prognostizieren von Finanzdaten ist. Deshalb spekuliere ich auch nicht und rate das auch Niemandem (siehe auch http://prof-soehnholz.com/investmentphilosophie-prognosefans-sollten-prognosefreie-portfolios-nutzen/).

Anderseits ist auch künftig zu erwarten, dass bestimmte Zusammenhänge der Vergangenheit bestehen bleiben. So ist, unter anderem durch demografische und technische Entwicklungen, weltweit mittelfristig ein weiteres Wirtschaftswachstum zu erwarten. Das ist grundsätzlich gut für Aktienrenditen.

Wenn man erwartet, dass die Zinsen weiter sinken, kann man bei Anleihen mit Wertsteigerungen rechnen. Weil die Zinsen weltweit aber aktuell bereits ziemlich niedrig sind, lautet mein Tipp, für die langfristige Anlage nur in Aktien zu investieren.

Es ist wenig sinnvoll, sein Geld sehr konzentriert, d.h. nur in wenige Länder oder Branchen oder gar Einzeltitel anzulegen, wenn man nicht über außerordentlich gute Prognosefähigkeiten über künftige Gewinner verfügt. So kann man auf der Portfoliocharts-Webseite sehen, dass auf Länder- oder Marktsegmente konzentrierte Anlagen relativ riskant sein können (für deutsche Aktien s. https://portfoliocharts.com/portfolio/ger-tsm/, für Rohstoffe s. https://portfoliocharts.com/portfolio/com/ und für Gold s. https://portfoliocharts.com/portfolio/gld/).

Aber selbst für sehr große Anleger ist es unwirtschaftlich, alle Aktien weltweit zu kaufen.

Börseneinsteigertipp 2a: Man braucht gar nicht so viele Aktien

Wie viele Aktien man benötigt, um ähnliche Renditen wie ein Investment in den gesamten weltweiten Aktienmarkt zu erreichen, ist umstritten. Ich fühle mich mit Portfolios von 30 Aktien wohl (siehe z.B. das Portfolio Global Equities ESG auf www.diversifikator.com), Für wagemutige Anleger biete ich aber sogar ein ziemlich gut laufendes Portfolio von nur 5 regelbasiert selektierten Aktien an (Global Equities S Portfolio). Aber Börseneinsteiger sollten lieber breiter streuen.

Dafür bieten sich breit gestreute Investmentfonds an. An der Börse kann man viele Indexfonds, die Exchange Traded Fonds (ETFs) genannt werden, günstig kaufen.

Sogenannte nachhaltige Aktienanlagen unterscheiden sich in Bezug auf Renditen und Risiken kaum von traditionellen Anlagen (siehe z.B. hier). Deshalb können auch Börseneinsteiger unbesorgt einen nachhaltigen bzw. verantwortungsvollen Indexfonds nutzen.

Die meisten dieser ETFs beziehen sich auf Indizes von MSCI. Die nachhaltigsten breiten MSCI Aktienindizes sind die Socially Responsible Investment bzw. SRI Indizes (siehe z.B. https://www.onvista.de/index/MSCI-WORLD-SRI-STRD-UHD-Index-153382723) mit ca. 400 Bestandteilen (siehe http://prof-soehnholz.com/verantwortungsvolle-investments-im-vergleich-sri-etfs-sind-besser-als-esg-etfs/ und für Fortgeschrittene: http://prof-soehnholz.com/esg-investments-warum-weder-aktive-fonds-noch-etfs-ideal-sind/) .

Börseneinsteigertipp 3: Auf günstige Umsetzung achten

Sogenannte aktiv gemanagte Fonds schlagen passive Indizes in der Regel nicht dauerhaft. Ihr Hauptverkaufsargument „bessere Rendite“ funktioniert oft allenfalls kurzfristig. Auch das Risikomanagement von aktiven Fonds hat sich in den letzten Finanzmarktkrisen meistens nicht bewährt (siehe http://prof-soehnholz.com/risikomanagement-aktiv-ist-schlechter-als-passiv-robo-advice/).

Fondsselektions-Profis, wie z.B. die Experten von Morningstar , achten bei der Selektion von Fonds deshalb vor allem auf niedrige Kosten (siehe z.B. hier). Indexfonds bzw. ETFs sind typischerweise viel günstiger als aktiv gemanagte Fonds. Sie haben deshalb oft höhere Renditen. SRI ETFs auf einen Weltaktienindex kosten je nach Anbieter ca. 0,2 bis 0,3% pro Jahr. Das ist günstig.

Anleger müssen aber auch auf die Umsetzungskosten achten. Für Privatanleger sind Depots bei sehr vielen Banken kostenlos. Meist wird inzwischen auch eine schnelle Online- Depoteröffnung ermöglicht. Dazu kommen Kosten für den ETF-Kauf bei der Depotbank und den Handel an der Börse.

Wenn man den ETF nur einmal kauft und dann für mehrere Jahre hält, fallen diese Kosten normalerweise kaum ins Gewicht.

Börseneinsteigertipp 3a: Eine Streuung über die Zeit muss nicht besser als ein Einmalinvestment sein

Anlegern wird meist geraten, den von Ihnen gewünschten Anklagebetrag nicht mit nur einer Transaktion umzusetzen. Der gewünschte Anlagebetrag sollte lieber über mehrere Tage, Wochen oder sogar Monate gestreut investiert werden. Diesen Rat gebe ich grundsätzlich auch. Grund: Mit einem Einmalinvestment erwischt man fast nie den günstigsten Einsteigsteigzeitpunkt. Darüber ärgert man sich später oft. Statistisch gesehen bedeutet ein ratierlicher Kauf bei den typischerweise steigenden Märkten aber, dass man mit „entgangenen Gewinnen“ rechnen muss.

Bei relativen kleinen Anlagebeträgen, also gerade bei „ratierlichen“ Investitionen, werden die Umsetzungskosten sehr wichtig. Selbst günstige Depotbanken verlangen meist mehr als fünf Euro für einen ETF-Kauf. Hinzu kommen die Kosten für den Handel an der Börse. Wenn man monatlich 100 Euro ansparen möchte und die Depotbank und Börse zusammen 10 Euro für den Kauf eine ETF verlangen, sind das 10% vom Anlagebetrag und damit sehr viel. Bei solchen Kosten sollte man jedes Mal mindestens 1.000 Euro investieren, um nicht zu hohe Renditeverluste zu haben.

Börseneinsteigertipp 3b: Aktionen sind besser als Billiganbieter und (noch) besser als Robo-Advisors

Allerdings gibt es oft Aktionen von Depotbanken, die kostenlose bzw. sehr günstige ETF-Trades oder sogar Sparpläne erlauben (siehe z.B. www.finanztip.de oder www.biallo.de). Inzwischen umfassen einige solcher Aktionen auch verantwortungsvolle Indexfonds. Solche Aktionen sollte man nutzen.

Wer nicht auf solche Aktionen warten möchte, kann sich die neuen Discountanbieter wie JustTrade oder Traderepublic ansehen. Bei denen fallen zwar auch Kosten an wie sogenannte Spreads zwischen Kauf- und Verkaufspreisen von ETFs, aber diese Kosten sind relativ gering.

Oder man nutzt sogenannte Robo-Advisors. Diese bieten vollautomatische Umsetzungen zu oft günstigen Preisen. Wenn man Wert auf verantwortungsvolle Investments legt, gibt es aber bisher noch keinen völlig überzeugenden Anbieter (siehe http://prof-soehnholz.com/robo-esg-verantwortungsvolle-online-investments-im-vergleich/).

Zusammenfassende Empfehlung für Börseneinsteiger: Je nach Anlagevolumen sollte man einen SRI-Wekltaktien-ETF einmalig oder ratierlich im Rahmen einer kostenlosen Aktion oder bei einem Discountanbieter kaufen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.